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Die fünf Irrtümer der Impfgegner

Impfen sei "keine sichere Maßnahme", um Kinder vor Krankheiten zu schützen, erklärte eine Impfgegnerin bei "Hart aber fair". Hat sie Recht? Wir haben die gängigsten Impfmythen hinterfragt.

  Impfungen schützen Kinder vor Krankheiten. Dennoch sind viele Eltern und Impfgegner skeptisch.

Impfungen schützen Kinder vor Krankheiten. Dennoch sind viele Eltern und Impfgegner skeptisch.

Impfen oder nicht impfen? Das ist für die meisten Eltern in Deutschland keine Frage. Etwa zwei Drittel der Deutschen würde sogar eine Impflicht für Kinder befürworten. Das ergab eine Umfrage, die der stern beim Forsa-Institut in Auftrag gab. Doch es gibt auch Skeptiker: Nicht wenige Eltern halten Impfungen gegen Kinderkrankheiten wie Masern, Röteln und Mumps für unnötig, einige betrachten sie sogar als gefährlich. Immer wieder verbreiten sich Impfmythen - so geschehen gestern Abend beim ARD-Talk "Hart aber fair", in dem die Gäste leidenschaftlich über das Für und Wider von Impfungen debattierten. Wir erklären, was an den Behauptungen dran ist.

1. Die Wirkung von Impfungen wurde nie belegt

Impfstoffe sind meist abgetötete oder abgeschwächte Formen von Krankheitserregern. Sie machen den Körper nicht krank, sondern provozieren ihn nur: Als Schutzreaktion bildet er Abwehrstoffe, sogenannte Antikörper gegen die Keime. Kommt der Geimpfte nun mit echten Erregern in Berührung, steht bereits eine ganze "Polizeimannschaft" bereit, die die Schädlinge dingfest machen kann, bevor sie den Körper krank machen - so die Theorie. Impfgegner bezweifeln indes, dass das wirklich funktioniert: Die Schulmedizin sei bis heute den Nachweis schuldig geblieben, dass Impfungen überhaupt wirken, liest man auf diversen Internetseiten von Skeptikern.

Das ist allerdings eine grobe Pauschalisierung. Es kommt zwar durchaus vor, dass sich einzelne, neu entwickelte Impfstoffe in klinischen Studien als nicht wirksam herausstellen. Alle in Deutschland verfügbaren Impfstoffe mussten sich aber in Wirksamkeitsstudien bewähren - sonst hätten sie es gar nicht auf den Markt geschafft. Nach dem deutschen Arzneimittelrecht erhält ein Impfstoff nämlich nur dann eine Zulassung, wenn seine Wirksamkeit in Studien nachgewiesen wurde. Die Pneumokokken-Impfung "PCV7", die in Deutschland für Kinder unter zwei Jahren empfohlen wird, wurde zum Beispiel an fast 40.000 Kindern getestet - und schützte 97 Prozent von ihnen vor einer Infektion.

Impfungen allgemein als "unwirksam" zu bezeichnen ist schlicht absurd: Seit der Einführung der Polio-Vakzine ist die Kinderlähmung in Europa so gut wie ausgerottet. Ähnliches gilt für Keuchhusten.

2. Impfungen bergen Risiken wie beispielsweise an Autismus zu erkranken

Jedes Arzneimittel, das wirkt, hat auch Nebenwirkungen - Impfstoffe bilden leider keine Ausnahme. Einige Vakzinen führen zu Schwellungen und Rötungen, manche sogar zu leichtem Fieber, Verdauungsproblemen und anderen - teilweise auch gefährlicheren - Beschwerden.

Impfgegner gehen allerdings noch einen Schritt weiter: Sie behaupten, der Kombinationsimpfstoff gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR) verursache Autismus - eine längst widerlegte Behauptung, die auf den Mediziner Andrew Wakefield zurückgeht: Er hatte im renommierten Fachmagazin "Lancet" eine Untersuchung veröffentlicht, die einen Zusammenhang zwischen der Vakzine und der Entwicklungsstörung belegte. Rund fünf Jahre später musste er die Studie allerdings zurückziehen, weil herauskam, dass seine Ergebnisse teilweise gefälscht und manipuliert waren. Auch spätere Studien fanden keine Hinweise darauf, dass die MMR-Impfung zu Autismus führt.

Die Gefahr, mit der Masernimpfung eine Gehirnentzündung herbeizuführen, besteht zwar - sie ist aber minimal: "Sie befällt etwa einen von einer Million Geimpften, dagegen ist bei den echten Masern jedes tausendste Kind betroffen", so das Berliner Robert-Koch-Institut.

3. Impfungen sind unnötig - der natürliche Schutz durch die Muttermilch reicht aus

Die gute Nachricht: Schon während der Schwangschaft wird das Kind über den Blutkreislauf mit Antikörpern der Mutter versorgt. Weitere Abwehrstoffe bekommt es nach der Geburt über die Muttermilch - sofern die Mutter stillt. Dieser sogenannte Nestschutz schützt den Säugling allerdings längst nicht gegen alle Krankheitserreger. Schließlich kann die Mutter nur Abwehrstoffe gegen Infektionen weitergeben, die sie selbst hatte oder gegen die sie geimpft wurde. Zudem bleiben die Antikörper nach dem Abstillen nur noch eine begrenzte Zeit im Körper des Kindes.

4. Impfungen schützen vor Krankheiten, die es doch gar nicht mehr gibt

Zugegeben: Von Kindern, die an Kinderlähmung oder Diphtherie erkranken, hört man eher selten. Fachleute gehen allerdings davon aus, dass wir das überhaupt erst der Einführung von entsprechenden Impfstoffen zu verdanken haben. Die Deutschen haben dank der Impfungen eine sogenannte "Herdenimmunität" gegen die Erreger entwickelt. Würden aber von nun an alle auf die Impfungen verzichten, könnten die Krankheiten wieder zurückkehren - etwa wenn Erkrankte aus anderen Ländern die Keime einschleppten.

5. Die Krankheit selbst zu durchleben, schützt besser als eine Imfpung

In den 1950er und 60er Jahren veranstalteten Eltern regelrechte "Masernparties", um ihre Kinder auf "natürliche Weise" gegen Masern abzuhärten: Sie brachten sie mit bereits erkrankten Kindern zusammen, um eine Ansteckung herbeizuführen. Die Theorie dahinter ist simpel: Die Erkrankung selbst löst die gleiche Schutzreaktion aus wie die Impfung. Der Körper bildet Antikörper, um sich gegen die Keime zu wehren, die ihn befallen haben.

Allerdings ist die Erkrankung mit deutlich größeren Gefahren verbunden als die Impfung. "Ungefähr bei einem von 1000 Kindern, die an Masern erkranken, entwickelt sich eine Entzündung des Gehirns", warnt etwa das Robert-Koch-Institut. Diese führt oft zu bleibenden Hirnschäden und manchmal auch zum Tod, wie etwa der traurige Fall der vierjährigen Aliana zeigte. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zählen die Masern bis heute zu den häufigsten Todesursachen bei Kleinkindern.

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