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Wie ein Marktbesuch eine Epidemie auslöste

Wissenschaftler haben herausgefunden, wie sich die aktuelle Ebola-Epidemie wahrscheinlich ausgebreitet hat. Ein harmloser Marktbesuch war der Anfang.

  Der Ausbruch in Westafrika mit rund 730 Toten ist der schwerste, seitdem die Krankheit vor fast 40 Jahren entdeckt worden ist

Der Ausbruch in Westafrika mit rund 730 Toten ist der schwerste, seitdem die Krankheit vor fast 40 Jahren entdeckt worden ist

Alles beginnt mit einem Marktbesuch im westafrikanischen Guinea. Die Frau aus dem Norden Liberias hält sich für einige Zeit dort auf, kommt im Gedränge mit vielen Menschen in Kontakt. Als sie in ihr Heimatdorf zurückkehrt, fühlt sie sich krank und angeschlagen. Ihre Schwester kümmert sich um sie. Beide ahnen nicht, dass es sich um die tödliche Krankheit Ebola handelt.

Noch bevor die Frau an der Seuche stirbt, steckt sie auch ihre Schwester an. Auch diese fühlt sich bald krank, bekommt Angst, dass sie das gleiche Schicksal ereilt. In Panik eilt sie aus dem Haus. Sie möchte zu ihrem Mann, der als Wanderarbeiter auf einer entfernten Plantage arbeitet. Sie nimmt ein Taxi bis in die Hauptstadt Monrovia, danach reist sie bei einem jungen Mann auf einem Motorrad weiter. Die traurige Bilanz: Mindestens fünf weitere Menschen stecken sich bei der Frau an - und sterben. Auch sie selbst überlebt die Krankheit nicht, die in 60 bis 90 Prozent aller Fälle zum Tod führt.

Ansteckung wegen Unkenntnis

Wissenschaftler gehen davon aus, dass auf diese Weise der Ebola-Ausbruch im März von Guinea ins benachbarte Liberia übergeschwappt ist. Der von Seuchenexperten nachgezeichnete Fall zeigt, wie schnell sich ein Erreger ohne Gegenmaßnahmen verbreiten kann. "Das Wichtigste ist eine gute Überwachung derjenigen, die in Kontakt mit einer infizierten Person gekommen sind oder einem solchen Kontakt ausgesetzt gewesen sein könnten", sagt der britische Infektionsspezialist David Heymann vom "Royal Institute of International Affairs". Am besten sei es, alle Kontakte nachzuzeichnen, was allerdings gerade bei der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel schwierig ist.

Vor allem zu Beginn einer Seuche steckt ein Kranker in Unkenntnis seiner Infektion meist viele andere Menschen an. Auch medizinisches Personal wird dann oft Opfer der heimtückischen Krankheit, da die unspezifischen Anfangssymptome wie Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen und Übelkeit nicht mit Ebola in Verbindung gebracht werden. Nach einigen Tagen kommen innere und äußere Blutungen hinzu.

ivi/Reuters/Reuters

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