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26. Mai 2011, 22:10 Uhr

"Unsere Ernte ist sauber"

Gemüse- und Salatbauern wie Christian Behn sind die Leidtragenden der Ehec-Angst: Die Kunden meiden ihre Produkte. Dem Robert-Koch-Institut wirft der Landwirt vor, "unfundierte Thesen" zu verbreiten. Von Peter Neitzsch

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Bis zu 70 Prozent weniger Gemüse- und Salat verkauft der Hamburger Landwirt Christian Behn, seit in Deutschland die Ehec-Angst grassiert.© Peter Neitzsch

Die Schreckensmeldung kam am Mittwoch um 19 Uhr. Als Christian Behn die Warnung des Robert-Koch-Instituts vor dem Verzehr von frischem Gemüse aus Norddeutschland hörte, war ihm klar, dass es noch schlimmer werden würde. "Gestern Nachmittag um diese Zeit dachte ich: Wir kriegen die Kurve", sagt der Hamburger Salat- und Gemüsebauer. "Dann kam diese Horrormeldung und der Umsatz ist um 70 Prozent eingebrochen."

Seit Anfang der Woche Gemüse und Salat in den Verdacht kam, den Krankheitserreger Ehec zu übertragen, kämpft Behn um den Ruf seiner Produkte. Am Donnerstag hat er über die Erzeugergemeinschaft Hamburg erneut Proben eingeschickt. "Wir machen das freiwillig, um zu zeigen: Passt mal auf Leute, das, was wir haben, ist sauber." Dabei hatte die Stadt Hamburg erst am Montag auf dem Großmarkt Proben von allen Erzeugern genommen. Ergebnis: Nirgends fanden sich Spuren des Ehec-Erregers.

Christian Behn produziert bereits in der vierten Generation Salat und Gemüse für die Großstadt. Steht tagsüber auf dem Feld und in der Saison von Mitternacht bis sechs Uhr morgens auf dem Hamburger Großmarkt, wo er die Ernte verkauft. Auf dem Hof der Behns am Elbdeich reihen sich Kopfsalat, Feldsalat, Chinakohl, Blumenkohl und Kohlrabi bis zum Horizont aneinander. Um von einem Feld zum anderen zu kommen, nutzt Behn das Rad.

Die Gegend rund um Ochsenwerder ist die Gartenbauecke Hamburgs, neben Gemüse und Salat werden hier vor allem Blumen angebaut. Mit rund fünf Hektar Fläche und einer Million Pflanzen im Jahr gehört Behns Hof zu den kleineren Betrieben. Seine Ware - zu zwei Dritteln Salate - vermarktet er ausschließlich selbst. Die Kunden sind Einzelhändler, Gastronomen und Großküchen. Vor allem der Einzelhandel sei vorsichtig und nehme weniger ab, berichtet der Landwirt. "Die müssen viele Fragen von verunsicherten Kunden beantworten. Sie selbst sind von der Qualität unserer Produkte genauso überzeugt wie wir."

"Bei anhaltender Verunsicherung müssen wir Ware schreddern"

Und das aus gutem Grund: Wie alle Landwirte, die direkt die Gastronomie beliefern, muss sich Behn nach dem strengen QS-Prüfsystem für "Qualität und Sicherheit" richten. Düngen mit Mist oder Gülle, die Überträger von Keimen sein könnten, ist nach den QS-Richtlinien nicht erlaubt. Stattdessen kommt Mineraldünger zum Einsatz. "Das Gemüse wird mit Stadtwasser gewaschen, Schneidemesser werden desinfiziert und die Verpackungen aufwändig gereinigt." Seit in Deutschland die Ehec-Angst grassiert, werden dennoch etliche Bestellungen storniert. "Man kann das ein wenig mit Tschernobyl vergleichen", sagt Behn. "Auch damals waren die Landwirte nicht die Verursacher, aber sie hatten den Schaden."

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An der gelben Pfandkiste der Erzeugergemeinschaft Hamburg erkennt der Kunde, ob das Gemüse aus der Region kommt - oder aus Spanien.© Peter Neitzsch

Und das ausgerechnet in der Hochsaison von Mai bis August: "Jetzt sind alle Pflanzen groß. Es ist Grillwetter, die Leute essen Salat", sagt Behn. Die Nebensaison geht zwar noch bis Dezember, aber der größte Umsatz ist dann vorbei - ab Advent sind die Gewächshäuser leer. Maximal eine Woche länger als geplant können die Pflanzen auf dem Feld stehen, dann ist die Ernte nicht mehr zu gebrauchen: "Das ist wie ein Förderband, das man nicht anhalten kann. Da ist es unmöglich zu reagieren, um den Markt zu entspannen." Noch musste Behn kein Gemüse vernichten, aber er sagt: "Bei anhaltender Verunsicherung der Verbraucher müssen wir unsere Ware schreddern."

Aufgeatmet hat Christian Behn deshalb nicht, als am Donnerstag um 13 Uhr die Entwarnung kam: Der Erreger kam über Salatgurken aus Spanien nach Deutschland. "Die Verbraucher werden weiterhin skeptisch bleiben. Als Laie wäre ich das vermutlich auch." Umso mehr ärgert sich der Landwirt über Institutionen, die "unbedacht unfundierte Thesen verbreiten". Natürlich verstehe er auch die andere Seite: "Niemand will sich vorwerfen lassen, nichts unternommen zu haben. Aber in diesem konkreten Fall halte ich die Warnung für Blödsinn."

Von Peter Neitzsch
 
 
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