Weg mit den Pillen!

24. Januar 2013, 06:10 Uhr

Sie sollen die Konzentration fördern, stark und schlau machen: Nahrungsergänzungsmittel für Kinder sind zahlreich - und teuer. Stiftung Warentest hat untersucht, ob sich der Kauf lohnt.

Sich richtig zu ernähren, ist eigentlich kinderleicht: Auf den Tisch kommen sollte viel Obst, Gemüse und Getreideprodukte, in Maßen Fleisch, Fisch, Eier, Milch, Käse und Joghurt. Sparsamkeit ist bei Butter, Margarine, Bratfett und Ölen angebracht. Wer sich so ernährt, ist eigentlich auf der sicheren Seite und ausreichend mit Vitaminen und Mineralien versorgt - was in Deutschland bei den meisten Kindern der Fall ist, wie die Eskimo-Studie zur Kinderernährung gezeigt hat.

Doch die Industrie bietet viele Nahrungsergänzungsmittel extra für Kinder an. Beworben werden die Kapseln, Pastillen und Pillen mit hehren Versprechen: So sollen sie etwa Konzentration fördern, schlau oder ausgeglichen machen. Doch was ist dran? Halten die Produkte wirklich, was sie versprechen? Und lohnt es, dafür Geld auszugeben?

Stiftung Warentest hat zwölf dieser Mittel, die angeblich gut für die grauen Zellen sein sollen, untersucht und kommt zu einem ernüchternden Ergebnis. Alle getesteten Nahrungsergänzungsmittel schnitten schlecht ab: "wenig geeignet", so lautet das Fazit der Tester.

Wer schlau ist, verzichtet

So wirbt etwa der "Rotbäckchen-Saft Lernstark" mit einem Kind, das mit prallen Bäckchen vom Etikett der Flasche lächelt. Der Saft, der über drei Euro kostet, soll die geistige Entwicklung und Konzentration unterstützen, indem er Eisen- und B-Vitamine liefert. Doch davon haben die meisten Kinder ohnehin schon genug, schreibt Warentest. Ein Mangel müsse gar nicht ausgeglichen werden.

Nicht viel anders sieht es bei den anderen elf Präparaten aus, die Omega-3-Fettsäuren enthalten, mitunter zusätzlich angereicht mit Omega-6-Fettsäuren und weiteren Vitaminen, Mineralstoffen oder Spurenelementen. Sieben der untersuchten Produkte gelten als Nahrungsergänzungsmittel, vier werden als "ergänzende bilanzierte Diäten" zum Einsatz bei Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörung, kurz ADHS, beworben.

"So kauen die Schlauen", preist etwa die Firma Doppelherz ihre "Gel-Tabs Omega-3 Junior" an. Ein Slogan, der einer wissenschaftlichen Überprüfung nicht standhält, so Warentest. Ebenso ohne Beleg: das Versprechen, dass die Kapseln "Zappelex" von Emcur die Gehirnfunktion unterstützen.

Außer Frage steht, dass unser Gehirn die Omega-3-Fettsäuren braucht. Doch diese sollten aus der Nahrung gewonnen werden - etwa aus fetten Seefischen wie Lachs, Hering oder Makrele oder aus Lein-, Raps- oder Sojaöl. Auch ein paar Walnüsse täglich reichen, um den Bedarf an Omega-3-Fettsäuren zu decken. Dass die Fettsäuren in Tabletten-, Pillen- oder Drageeform helfen, sei hingegen nicht ausreichend belegt, schreibt Warentest. Im Gegenteil: Immer mehr Studien entzaubern die vielfach beworbenen Omega-3-Kapseln.

Besser als Tablettenschlucken ist fürs Hirn etwa Bewegung - und eine ausgewogene Ernährung. Ein kluger Kinderkopf braucht daher keine Pillen, betont auch Stiftung Warentest.

Mehr zu dem Test erfahren Sie unter www.test.de.

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