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Baby starb an Mangelernährung - Eltern bekommen Bewährung

Sie dachten, er vertrage weder Gluten noch Laktose und gaben ihm nur Milchalternativen - bis ihr Sohn verhungerte. Ein belgisches Gericht hat die Eltern eines sieben Monate alten Babys zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Richterin Mieke Butstraen verliest das Urteil gegen die Eltern des toten Babys aus Belgien

"Es ist klar, dass die Angeklagten schon stark gestraft sind": Richterin Mieke Butstraen verliest das Urteil gegen die Eltern des toten Babys.

Weil sie ihrem Kind ohne einen Arzt zu konsultieren nur pflanzliche Milchalternativen gaben, sind die Eltern eines sieben Monate alten Babys in Belgien für den Tod des Säuglings verantwortlich gemacht worden. Ein Gericht in Dendermonde verurteilte die Mutter und den Vater, die ihr Kind belgischen Medien zufolge mit Buchweizenmilch, Quinoamilch, Reismilch und Hafermilch fütterten, am Mittwoch zu sechs Monaten Haft auf Bewährung.

"Die Angeklagten wussten, dass es ihrem Kind schlecht geht, aber sie weigerten sich, rechtzeitig medizinische Hilfe zu suchen", erklärte die Vorsitzende Richterin Mieke Butstraen dem belgischen Sender RTBF zufolge. Der des Kindes ist ihren Ausführungen zufolge auf die systematische Gabe von ungeeigneter Nahrung zurückzuführen. Zudem hätten sie bewusst keinen Arzt aufgesucht. Für ihre Annahme, der Säugling leide an einer Laktoseintoleranz und einer Glutenunverträglichkeit, hätten die Eltern keinen medizinischen Beweis gehabt.

Eltern suchten Hilfe bei einem Homöopathen

"Es ist klar, dass die Angeklagten schon stark gestraft sind, weil sie mit dem Wissen leben müssen, für den Tod ihres Sohnes, den sie aufrichtig geliebt haben, verantwortlich zu sein", zitiert die "Washington Post" Richterin Butstraen.

An dem Tag, an dem Lucas starb, suchten seine Eltern laut dem britischen Sender BBC zuerst einen Homöopathen auf. Er riet ihnen demnach einen Krankenwagen zu rufen und in eine Klinik zu fahren. Als sie dort ankamen, sei der Junge tot gewesen.

Zum Zeitpunkt seines Todes im Juni 2014 war der sieben Monate alte Junge dehydriert und wog nur 4,3 Kilogramm. Der Anwalt der Eltern, die belgischen Medien zufolge einen Naturkostladen betrieben, sagte, seine Mandanten hätten den alarmierenden Zustand des Säuglings nicht bemerkt. Seine Gesundheit habe sich wie ein Jo-Jo verändert; manchmal sei der Junge dünner geworden, dann habe er wieder zugenommen. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Haftstrafe von 18 Monaten gefordert. Die Eltern können das Urteil anfechten.

mad/AFP