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Warum der Body-Mass-Index überholt ist

Lange galt der Body-Mass-Index als bestes Maß für ein gesundes Gewicht. Heute halten Forscher es für wichtiger, wie viel Fett der Körper hat und wo es sitzt. Dem BMI allein sollte man nicht vertrauen.

Von Christine Blohme

Abnehmen und schlank bleiben: Die besten Ratschläge
  Erfolgreiches Abnehmen beginnt im Kopf: Beobachten Sie Ihr Essverhalten, um ungünstige Gewohnheiten und Ihre Motivation zu durchschauen.

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Es scheint ganz einfach: Sie bringen Ihren BMI, den Body-Mass-Index, auf 27 und halten ihn dort. Das Gewicht in Kilogramm geteilt durch die Größe in Metern zum Quadrat: Bei einer Größe von 1,75 Meter bedeutet das ein Gewicht von 83 Kilogramm. Damit haben Sie im mittleren Alter das Gewicht erreicht, das die höchste Lebenserwartung garantiert - zumindest theoretisch.

Die Hamburger Gesundheitswissenschaftlerin Ingrid Mühlhauser ermittelte diesen Wert 2009 in einer großen Übersichtsarbeit. Doch was für die statistische Mehrheit zutrifft, lässt sich nicht so einfach auf den einzelnen Menschen übertragen. Ist der BMI überhaupt dazu geeignet, das optimale Gewicht herauszufinden?

Ein Statistiker einer amerikanischen Lebensversicherung entdeckte bereits 1942 einen Zusammenhang zwischen der Lebensdauer und dem Körpergewicht. 1997 definierte dann die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine heute noch weltweit genutzte BMI-Einteilung. Danach ist normalgewichtig, wessen Wert zwischen 18,5 und 24,9 liegt. Bei einem BMI über 30 beginnt die Fettleibigkeit, unter 18,5 geht man von Untergewicht aus.

Keine voreiligen Schlüsse

Inzwischen widersprechen immer mehr Studien diesen starren Kategorien. In Mühlhausers Übersichtsarbeit wurden riesige Datenmengen aus einer Fülle von Einzelstudien ausgewertet. Dabei zeigte sich: Die Menschen in der Übergewichtskategorie starben nicht früher als Normalgewichtige. Eine starke Aussage, die den Empfehlungen zum vermeintlich gesündesten Gewicht - dem Normalgewicht - massiv widerspricht. Doch Vorsicht: Solche Resultate machen zwar Schlagzeilen, die Wirklichkeit ist aber wesentlich komplexer. So kann ein höherer BMI bei einigen Krankheiten die Lebenserwartung verringern, bei anderen verbessern. Und mitunter ist gar kein Einfluss festzustellen.

Auch beim Untergewicht verschieben sich die Grenzen. Nicht erst ein BMI von weniger als 18,5, dem Grenzwert nach WHO, sondern bereits ein Wert unter 22, also im vermeintlichen Normalgewichtsbereich, verschlechtert nach Mühlhausers Untersuchung die Lebenserwartung.

Der BMI hat große Schwächen

Es kommt noch dicker. Die Amerikanerin Katherine Flegal und ihre Kollegen werteten 2012 die Daten von über 2,8 Millionen Menschen aus: Sie fanden für die Übergewichtigen (BMI 25 bis 30) sogar eine deutlich verringerte Gesamtsterbewahrscheinlichkeit im Vergleich zur Gruppe der Normalgewichtigen.

Wie lassen sich diese Resultate erklären? In Fachkreisen hat es sich längst herumgesprochen: Der BMI hat große Schwächen, darunter leidet seine Aussagekraft. Denn in die Berechnung geht nur das Gesamtgewicht ein, nicht, woraus es besteht. Muskeln sind dichter und damit schwerer als Fettgewebe. So kann ein trainierter Sportler wegen seines hohen Muskelanteils, der äußerst positiv auf Gesundheit und Lebenserwartung wirkt, als übergewichtig eingestuft werden. Auch die Bewegungsgewohnheiten werden nicht beurteilt, obgleich sie die Wahrscheinlichkeit, krank zu werden, stark beeinflussen. Trainierte mit leichtem Übergewicht sind meist gesünder als schlanke Bewegungsmuffel. Und wie das Fett am Körper verteilt ist, wird ebenso wenig einbezogen wie das Lebensalter.

Probleme bei Bestimmung des individuellen Optimalgewichts

Dabei verändert sich mit zunehmendem Alter der Körper gravierend. Der Fettanteil steigt, Körperwasser, Knochen- und Muskelmasse nehmen ab. Ab 60 schreitet dieser Umbau stark voran, dann kann die fettfreie Körpermasse um bis zu 40 schwinden. Im Schnitt haben Frauen in diesem Alter fünf Kilogramm weniger davon als in jüngeren Jahren, Männer gar zwölf. Und es ist in erster Linie wertvolle Muskulatur, die sich da verflüchtigt. Auf der Waage macht sich dieser Verlust oft gar nicht bemerkbar. Häufig steigt das Gewicht sogar an, weil anstelle der verschwundenen Muskeln zusätzliches Fettgewebe aufgebaut wird.

Der geringere Muskelanteil ist der Hauptgrund dafür, dass mit zunehmendem Alter der Grundumsatz sinkt. Gemeint sind damit die Kalorien, die der Körper mit lebensnotwendigen Vorgängen verzehrt: etwa für Atmung, Herzschlag und die Versorgung der Gewebe. Die Muskulatur verbraucht auch in Ruhe mehr Energie als Fettgewebe, daher sinkt der Grundumsatz etwa vom 30. Lebensjahr an mit jedem Lebensjahrzehnt um ungefähr drei Prozent. Ein 50-Jähriger benötigt täglich rund 200 Kilokalorien weniger als ein 20-Jähriger. Isst man weiterhin wie gewohnt, kann bereits ein Becher Fruchtjoghurt am Tag mit seinen 220 Kilokalorien dazu führen, dass man kontinuierlich an Körperfett zulegt.

Der Ort, an dem das Fettgewebe sitzt, beeinflusst Gesundheit und Lebenserwartung - auch dann, wenn nach BMI gar kein Übergewicht vorliegt. Wer seine Polster eher um die Körpermitte trägt, gehört zu den "Apfeltypen"; ein Muster, das zwar bei Männern häufiger anzutreffen ist, aber durchaus nicht nur. Beim "Birnentyp" hingegen findet sich das Körperfett besonders an Oberschenkeln und Gesäß. Fett ist nicht gleich Fett, der "Apfel" ist gesundheitlich betrachtet eindeutig im Nachteil. Viszerales Fettgewebe, also jenes im Bauch, ist hormonell aktiv und fördert damit das Risiko für eine Vielzahl von Krankheiten wie Herzinfarkt und Diabetes. Wie es mit der eigenen Fettverteilung aussieht, lässt sich ganz einfach über den Taillenumfang herausfinden. Schon allein der regelmäßige Blick in den Spiegel hilft, das ungesunde Bauchfett zu kontrollieren. Auch Normalgewichtige, die sich wenig bewegen, sollten sich beobachten.

Bewegung erhöht die Lebenserwartung

Das alles macht deutlich: Nach BMI ein individuell optimales Gewicht für ein langes Leben zu bestimmen geht häufig schief. Nur bei Menschen in den extremen BMI-Bereichen ist die Studienlage eindeutig: Bei Werten über 35 und unter 18,5 ist das Risiko erhöht, früher zu sterben. Um den persönlichen gesunden Bereich einzugrenzen, heißt es, genauer hinzusehen - und dazu den wesentlich aussagekräftigeren Taillenumfang zu messen.

Ob abnehmen sinnvoll ist oder nicht, kann der Hausarzt am besten beurteilen. Er wird dazu weitere Fakten zusammentragen: Welche Krankheiten gab und gibt es in der Familie, welche hat der Patient selbst, und welche zusätzlichen Risikofaktoren bringt er mit? Besonders für Menschen im BMI-Bereich "Übergewicht" (25 bis 30) kann die Empfehlung unterschiedlich ausfallen. Hat ein Familienmitglied zu hohen Blutdruck und bereits einen Herzinfarkt erlitten, wird der Mediziner eher zum Abnehmen raten als bei einem gesunden Menschen, der aber stark raucht.

Über alle Gewichtsklassen hinweg gilt: Ein bewegungsreicher Lebensstil mit regelmäßigem Training erhöht die Lebenserwartung. Für den 70-Jährigen mit einem BMI zwischen 25 und 30 ist gewöhnlich gut dosiertes Krafttraining gesünder als Abnehmen. Muskeln lassen sich auch mit 80 Jahren noch aufbauen, wenn auch langsamer als in jungen Jahren. Und wer spätestens von der Lebensmitte an für einen guten Muskelanteil sorgt, verbessert so nicht nur die Aussichten, lange zu leben, sondern auch gesund und frei von Einschränkungen zu bleiben. Denn die Frage ist nicht nur, wie alt wir werden, sondern vor allem, wie wir alt werden.

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