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Wie Fast Food schon nach zwei Wochen unserem Darm schadet

Nur zwei Wochen fettreiche und ballaststoffarme Ernährung reichen, um die Darmflora zu verändern, zeigt eine kleine Studie. Das Risiko für Darmkrebs stieg durch das Junk Food ebenfalls.

Von Lea Wolz

Fett und ohne Ballaststoffe: Fast Food kann krank machen

Fett und ohne Ballaststoffe: Fast Food kann krank machen

Die Studie ist extrem klein, doch sie zeigt, welchen Einfluss unsere Ernährung auf unsere Darmgesundheit hat - und wie uns der westliche Ernährungsstil, der reich an Fett und Fleisch ist, krank machen kann: Zwei Wochen lang "tauschten" 20 Afroamerikaner und 20 Afrikaner, die aus ländlichen Gegenden in Südafrika stammten, ihre Ernährungsweise. Die Amerikaner ernährten sich ballaststoffreich und fettarm, etwa mit Mais, Hülsenfrüchten, Reis und Fisch. Bei den Afrikanern hingegen kamen Speisen auf den Teller, die reich an Fett sind und wenig Ballaststoffe enthielten - darunter etwa Hamburger und Pommes oder Pancakes und kleine Würstchen.

Bereits nach zwei Wochen stellten die Forscher bei den Amerikaner fest, dass Risikofaktoren für Darmkrebs deutlich gesunken waren. Bei den Afrikanern hingegen, die sich westlich ernährten, waren sie gestiegen.

"Wir können durch unsere Ergebnisse zwar nicht definitiv sagen, dass die Änderungen in den Ernährungsweisen zu mehr Krebsfällen in der Gruppe der Afrikaner oder weniger Krebsfällen in der Gruppe der Amerikaner führen", betont Co-Studienautor Jeremy Nicholson vom Imperial College in London. Aber es gebe gut belegte Hinweise aus anderen Studien, dass die von den Forschern beobachteten Veränderungen Anzeichen für ein erhöhtes Krebsrisiko seien.

Bei den Probanden, die alle im Alter zwischen 50 und 65 Jahren waren, nahmen die Forscher vor und nach der Ernährungsumstellung Stuhlproben. Sie mussten sich zudem einer Darmspiegelung unterziehen.

Veränderte Darmflora

Darmkrebs zählt zu den häufigsten Tumorerkrankungen. Zwar ist die Zahl der Menschen, die an der Erkrankung stirbt, in den vergangenen Jahren in Deutschland rückläufig - was unter anderem auf bessere Therapien und Früherkennungsmaßnahmen zurückzuführen ist. Doch in den westlichen Ländern erkranken daran noch immer deutlich mehr Menschen als etwa in Afrika.

Dass der persönliche Lebensstil das Risiko für Darmkrebs beeinflusst, ist bekannt. Gut ist es etwa, sich ausreichend zu bewegen, ein normales Gewicht zu haben und aufs Rauchen zu verzichten. "Übergewicht und Bewegungsmangel, eine fettreiche Ernährung sowie ein geringer Gemüse-Verzehr erhöhen die Wahrscheinlichkeit zu erkranken", schreibt das Robert-Koch-Institut. Belegt ist auch, dass viel rotes Fleisch oder daraus hergestellte Wurstprodukte, Alkohol und eine ballaststoffarme Ernährung das Risiko steigern.

Insofern ist es nicht überraschend, was die Forscher um Hauptautor Stephen O'Keefe von der Universität Pittsburg im US-Bundesstaat Pennsylvania bei dem Ernährungstausch beobachten konnten. Überrascht waren sie aber über die Kürze der Zeit, in der sich deutliche Veränderungen zeigten.

Zwei Wochen nachdem die Amerikaner regelmäßig ballaststoffreiche und fettarme Kost gegessen hatten, wiesen die Forscher bei ihnen eine veränderte Darmflora nach. Die afrikanische Ernährung hatte etwa dazu geführt, dass bei ihnen mehr Bakterien vorhanden waren, die die Fettsäure Butyrat produzieren. Dieser wird ein krebsschützender Effekt zugeschrieben. Die entzündlichen Vorgänge in der Darmschleimhaut waren zurückgegangen und weniger Marker für Darmkrebs nachweisbar. Bei den Afrikanern, die sich westlich ernährten, war das Gegenteil der Fall, schreiben die Forscher in der Fachzeitschrift "Nature Communications" veröffentlichten Studie. Ihr Risiko für Darmkrebs stieg.

Die Ergebnisse "würden Hoffnung machen, dass ein vermehrter Verzehr von Ballaststoffen zusammen mit einer reduzierten Fettaufnahme" die unverhältnismäßig hohe Anzahl an Darmkrebserkrankungen in westlichen Ländern reduzieren könne, schreiben die Forscher.

Auch die Menge spielt eine Rolle

Sie weisen allerdings selbst darauf hin, dass ihre Ergebnisse in längeren und größer angelegten Studien bestätigt werden müssen. Zudem räumen die Wissenschaftler ein, dass nicht nur weniger Fett und mehr Ballaststoffe der Grund für die beobachteten positiven Effekte sein können. Auch die Reduktion des Fleischanteils könnte zu einer gesünderen Darmflora beigetragen haben. Nicht zuletzt: Auch auf die Menge der aufgenommenen Ballaststoffe - etwa aus Getreide, Hülsenfrüchten und Gemüse - kommt es an: Erst ab 50 Gramm pro Tag zeigte sich in anderen Studien ein schützender Effekt.

Ausschließen lässt sich Darmkrebs so allerdings nicht. "Selbst Menschen, die sehr gesund leben und keine angeborenen Risikofaktoren oder Vorerkrankungen haben, können an einem Tumor erkranken", heißt es beim Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums. Auch der Zufall spielt eine Rolle, wenn Fehler im genetischen Code entstehen. Eine gesunde Ernährung, Sport und der Verzicht auf Zigaretten und Alkohol sind jedoch generell keine schlechte Idee: Wer gesundheitsbewusst lebt, senkt auch das Risiko für andere Erkrankungen wie etwa Diabetes oder Bluthochdruck.

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