Abnehmen mit Fleisch und Alkohol?

Steak und Wein trotz Diät: Mit der Montignac-Methode soll das möglich sein - wenn Sie auf einige Lebensmittel verzichten und andere richtig kombinieren. Die Diät im Check.

Praxis-Check

Egal ob Frau oder Mann, dick oder dünn, das Prinzip des Konzepts ist immer gleich: Das Frühstück sollte reichhaltig sein, das Mittagessen normal und das Abendessen eher leicht. Am Morgen gibt es zum Beispiel Müsli ohne Zucker, Vollkornknäckebrot mit zuckerfreiem Fruchtaufstrich oder Magerquark, dazu einen Kaffee mit fettarmer Milch. Zur Mittagszeit rät Montignac, Fett und Eiweiß mit guten Kohlenhydraten zu kombinieren, zum Beispiel einen großen Salat mit Olivenöldressing mit einem gegrillten Rindersteak. Am Abend bietet sich eine Gemüsesuppe oder ein Teller Spaghetti mit Tomatensauce an. Auch ein kleines Glas Rotwein ist erlaubt - Bier aber nicht, weil dessen GI zu hoch ist. Überhaupt ist der GI entscheidend, Portionsgrößen schreibt Montignac nicht vor. Gemüse etwa ist in beliebiger Menge erlaubt, so lange es sich nicht um Kartoffeln handelt.

Kostpläne und Listen helfen bei der Zusammenstellung der Speisen. In der Praxis erweist sich das als recht aufwändig, außerdem bleibt viel Spielraum: Rühreier am Morgen, Bratwurst zum Mittag und Ratatouille mit Spiegelei am Abend sind zwar theoretisch erlaubt, aber auch kalorienreich, was das Abnehmen erschweren dürfte. Montignacs Menüvorschläge hingegen enthalten viel Gemüse und moderate Mengen an Fett.

Schwieriger wird die Auswahl im Restaurant. Zwar verspricht Montignac einfaches Abnehmen - eben auch, wenn man essen geht. Doch die Verbotsliste ist lang: Pizza, alle Nudelgerichte außer Spaghetti mit Tomatensauce, weißer Reis, angedickte Saucen, Bier und alles mit Zucker, also Desserts, Cocktails, Limonade. Somit ist der Genuss in einem Restaurant eingeschränkt. Sonderbestellungen lassen sich kaum vermeiden.

Wissenschaftliche Einschätzung

Montignac zufolge entsteht Übergewicht nur dann, wenn zu viele Lebensmittel mit hohem GI gegessen werden. Die Theorie, dass zu viele Kalorien dick machen, bestreitet er. Schaut man sich aber seine Rezepte hinsichtlich ihrer Energiemenge etwas genauer an, stellt man fest, dass damit nur rund 1400 Kalorien pro Tag zusammenkommen. Somit scheint es eben doch die energiereduzierte Kost zu sein, die beim Abnehmen hilft, und nicht der GI.

Außerdem ist der GI inzwischen veraltet, die Einteilung Montignacs somit ungenau. Problematisch am GI war etwa, dass er nichts darüber aussagte, wie viele Kohlenhydrate in einer Portion eines bestimmten Lebensmittels stecken. So kam es zu teilweise fragwürdigen Schlussfolgerungen. Gekochte Karotten etwa bewertet Montignac schlecht, obwohl Möhren durchaus gesund sind. Zwar enthalten sie pro 100 Gramm rund 4 Gramm Kohlenhydrate. Doch damit der Blutzuckerspiegel tatsächlich in die Höhe schießt, müsste man schon eine unverhältnismäßig große Portion davon essen. Inzwischen spricht man daher eher von der sogenannten glykämischen Ladung oder glykämischen Last (GL) - ein bereinigter Wert, der die Portionsgröße mit einbezieht.

Essen nach der Montignac-Methode bedeutet, nicht nur die richtigen Kohlenhydrate nach dem Prinzip des Glykämischen Index auszuwählen sondern auch, reichlich Eiweiß zu essen. Im Durchschnitt macht Eiweiß etwa 21 Prozent der täglichen aufgenommenen Nahrung aus. Das ist mehr, als die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) in Bonn derzeit empfiehlt, da es gesundheitliche Bedenken gibt. Zu viel Eiweiß kann die Nieren belasten, da der Körper nur begrenzt Abbauprodukte von Eiweiß ausscheiden kann. Zudem riskieren Menschen, die zu viel Protein essen, ihren Körper mit Harnstoff, Harnsäure und Schwefel zu überlasten. "Insgesamt kann diese Diät aufgrund der unausgewogenen Nährstoffrelation nicht empfohlen werden. Bei unter 1.000 Kilokalorien am Tag ist zudem die ausreichende Versorgung mit zahlreichen Vitaminen, Ballaststoffen und einigen Mineralstoffen fraglich", sagt Antje Gahl von der DGE.

Fazit

Die Montignac-Methode ist kompliziert, zeitaufwändig und wissenschaftlich umstritten. Zwar ist es sinnvoll, Kohlenhydrate zu unterscheiden und etwa Weißmehlprodukte und Zucker zu meiden. Will man sich aber ausgewogen ernähren, sollte nicht allein der GI oder GL im Zentrum stehen. Vielmehr kommt es darauf an, wie die Nahrung zusammengestellt wird. Wichtig ist, darauf zu achten, viele Ballaststoffe und reichlich Obst und Gemüse zu sich zu nehmen und den Fettkonsum moderat zu halten.

Auch Ernährungswissenschaftlerin Ursel Wahrburg beurteilt die Montignac-Methode kritisch: "Die Theorie rund um den GI ist wissenschaftlich so nicht erwiesen", sagt sie. Montignac entwickle teilweise abstruse Regeln, die beim Abnehmen keine Rolle spielen würden. "Hält man sich aber an seine Pläne, kommt letztlich doch eine halbwegs vernünftige, kalorienreduzierte Mischkost dabei heraus." Tatsächlich landen auf dem Teller dann viel Gemüse und Obst, Vollkornlebensmittel, fettarme Milchprodukte und mageres Fleisch. Somit sei letztendlich nicht der niedrige GI der Grund für schmelzende Pfunde, sondern die reduzierte Kalorienmenge.

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