So sinnvoll ist die Blutgruppendiät

Eine kühne Theorie: Unsere Blutgruppe soll verraten, ob wir Steinzeitjägern, Nomaden oder Ackerbauern ähneln - und auch die Ernährung bestimmen. Wie sinnvoll ist das Konzept?

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Praxis-Check

Nach dem Konzept der Blutgruppendiät variiert die Ernährungsform sehr stark innerhalb der verschiedenen Blutgruppen. Zwei Beispiele für einen möglichen Speiseplan:

Für Menschen der Blutgruppe Null gibt es zum Frühstück ein getoastetes "Essener-Brot" (Fladenbrot aus gekeimten Weizenkörnern) mit Butter oder Mandelmus, eine Banane, dazu 170 Milliliter Gemüsesaft sowie grünen oder Kräutertee. Auf dem Mittagsteller landen ein Bio-Rinderbraten (170 Gramm) und ein Spinatsalat. Dazu gibt es einen Apfel oder Ananasscheiben. Als Nachmittags-Imbiss dürfen sich die Abnehmwilligen ein Stück Quionoa-Apfelkuchen gönnen. Ein Lammragout mit Spargel, gedämpften Brokkoli und Süßkartoffeln gibt es zum Abendessen. Der Nachtisch: frisches Obst, zum Beispiel Blaubeeren, Kiwi und Weintrauben.

Menschen der Blutgruppe A beginnen den Tag mit Haferschrot, Sojamilch und Ahornsirup oder Melasse. Außerdem sollten sie dem Aufstehen Wasser mit Zitrone, Grapefruitsaft, Kaffee oder Kräutertee nach trinken. Mittags gibt es einen griechischen Salat, bestehend aus Kopfsalat, Stangensellerie, Lauchzwiebeln und Gurke, angemacht mit Fetakäse, Zitrone und frischer Minze. Außerdem landen ein Apfel und eine Scheibe Weizenkeimbrot auf dem Teller. Als Nachmittagssnack schlägt D'Adamo Reiskekse mit Erdnussbutter und zwei Pflaumen vor. Am Abend essen die A-Typen eine Lasagne mit Tofu-Pesto und Brokkoli. Zum Nachtisch gibt es Joghurteiscreme. Über den Tag verteilt können Kaffee oder Kräutertee getrunken werden.

Auch im Praxischeck gewinnt die Blutgruppendiät nicht. Ihr Nachteil: Vorgeschlagene Rezepte sind häufig schwer nachzukochen, da die Zutaten oft sehr exotisch sind. Zudem ist die Zubereitung zeitaufwendig. Das Mitkochen für andere gestaltet sich schwierig, wenn verschiedene Blutgruppentypen zu berücksichtigen sind. Restaurantbesuche fallen ins Wasser und nur wenige Speisen sind zum Mitnehmen ins Büro geeignet.

Wissenschaftliche Einschätzung

"Diese Diät entbehrt jeder wissenschaftlichen Grundlage", sagt Antje Gahl von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung in Bonn. Ernährungsexperten beurteilen die meisten pflanzlichen Lektine als unbedenklich, eine Verklumpung von Blutzellen wurde bislang in keinem einzigen Fall festgestellt. Viele von D'Adamo genannte Lebensmittel haben nicht die von ihm genannte Blutgruppenspezifität. Belege dafür, dass sich die Blutgruppendiät auf bestimmt Erkrankungen positiv auswirkt, fehlen ebenfalls. Selbst die Basis, auf der das Abnehmkonzept basiert, nämlich die historische Reihung der Blutgruppen, ist bislang unbewiesen.

Fazit

Die Blutgruppendiät gewährleistet nicht für alle Blutgruppentypen eine gesunde und ausgewogene Ernährung. Beispielsweise fehlen auf dem Speiseplan der Blutgruppe Null Milch- und Getreideprodukte. Zudem führt das Konzept nicht dazu, dass Abnehmwillige ihr Ernährungsverhalten sinnvoll umstellen. Finger weg von dieser Diät!

Christine Kirchhoff
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