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So sinnvoll ist die Blutgruppendiät

Eine kühne Theorie: Unsere Blutgruppe soll verraten, ob wir Steinzeitjägern, Nomaden oder Ackerbauern ähneln - und auch die Ernährung bestimmen. Wie sinnvoll ist das Konzept?

  Sammler oder Jäger? Bei der Blutgruppendiät richtet sich der Speiseplan nach der Ernährung unserer Vorfahren

Sammler oder Jäger? Bei der Blutgruppendiät richtet sich der Speiseplan nach der Ernährung unserer Vorfahren

Die Blutgruppendiät stammt von dem amerikanischen Naturheilkundler Peter D'Adamo. Seiner Theorie zufolge sollte sich die Ernährung eines Menschen nach seiner Blutgruppe richten. D'Adamos Diätkonzept, das er bereits 1996 in seinem Buch "Vier Blutgruppen - Vier Strategien für ein gesundes Leben" ("Eat Right 4 Your Type") vorgestellt hatte, fand nicht nur in den USA zahlreiche Anhänger: Sein Buch wurde in über 50 Sprachen übersetzt und verkaufte sich weltweit mehr als sieben Millionen Mal. Doch Ernährungsexperten kritisieren die Blutgruppendiät heftig.

Im Dezember 2013 hat die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) zuletzt betont, dass die beworbenen gesundheitlichen Effekte wissenschaftlich nicht belegt seien. Sie beruft sich auf eine Analyse von Forschern des belgischen Roten Kreuzes, die im Jahr 2013 systematisch alle Datenbanken nach Studien zu diesem Thema durchforstet hatten. Sie kamen zu dem Schluss, dass es derzeit keinen Beweis für einen Nutzen der Blutgruppendiät gebe.

Das Prinzip

Die Diät basiert auf der Annahme, dass die Blutgruppe eines Menschen seine körpereigene Chemie bestimmt. Verfechter dieses Abnehmkonzepts haben deswegen für die vier Blutgruppen des Menschen A, B, AB und Null vier verschiedene Ernährungskonzepte aufgestellt.

Die Speisepläne basieren auf den jeweiligen Lebens- und Ernährungsformen unserer Vorfahren, die angeblich der jeweiligen Blutgruppe angehörten: Der steinzeitliche Jäger soll die Blutgruppe Null gehabt haben. Als die Menschen sesshaft wurden und Landwirtschaft betrieben, sei die Blutgruppe A entstanden. Die Nomadenvölker, die sich hauptsächlich von Milch und Fleisch ihrer Tiere ernährten, waren D'Adamos Theorie zufolge Träger der Blutgruppe B. Der Typ AB sei entstanden, als sich die Bevölkerungsstämme der Blutgruppen A und B vermischten.

Mithilfe spezieller Speisepläne könnten seiner Meinung nach Krankheiten vermieden, sogar geheilt werden. Auch das optimale Körpergewicht stelle sich mit diesem Ernährungskonzept ein, so D'Adamos Theorie. Seine Erklärung: Jede Blutgruppe reagiere auf bestimmte Eiweiße in der Nahrung anders. Sogenannte Lektine könnten dafür sorgen, dass Blutzellen verklumpen, was wiederum den Stoffwechsel verlangsame und so Gewichtsprobleme begünstige. Der Verzehr der als "falsch" identifizierten Lebensmittel führe demnach zu ähnlichen Unverträglichkeitsreaktionen wie eine falsche Bluttransfusion.

Ernährungsexperten kritisieren die Blutgruppendiät heftig, da die zugrunde liegenden Theorien in den meisten Punkten wissenschaftlich nicht haltbar seien. Zwar können bestimmte pflanzliche Eiweiße in messbaren Konzentrationen in die Blutbahn gelangen. Die meisten pflanzlichen Lektine sind jedoch völlig unschädlich. Nur einige wenige sind für den Menschen unverträglich - in rohem Zustand. Bis heute gibt es keine Studien, die einen Nutzen der Blutgruppendiät beweisen würde.

Die Feinheiten

D'Adamo hat für jede Blutgruppe eine individuelle Ernährungsform vorgeschlagen. Nahrungsmittel unterteilt er in die Kategorien "sehr bekömmlich", "neutral" und "zu meiden".

Blutgruppe Null:

Träger dieser Blutgruppe sollten D'Adamo zufolge auf Weizen, Getreide und Hülsenfrüchte verzichten. Auch Milchprodukte sind für die Blutgruppe des steinzeitlichen Cro-Magnon-Menschen tabu. Empfohlen werden dagegen tierische Eiweiße wie sie in rotem Fleisch und Fisch vorkommen. Auch Obst und Gemüse gelten als geeignet.

Blutgruppe A: Auf die Jäger und Sammler folgten Ackerbauern und Viehzüchter, die damals vor allem Gemüse und Getreide zu sich nahmen. Dementsprechend empfiehlt das Konzept der Blutgruppendiät eine vegetarische Ernährung mit reichlich Obst und Gemüse. Fisch sollte selten auf dem Speiseplan stehen.

Blutgruppe B:

Die Blutgruppe B sei jene der Mongolen der Steppe Eurasiens gewesen, die Tiere und auch deren Erzeugnisse wie beispielsweise Milch oder Käse verspeisten. Getreide und Hülsenfrüchte sollten Träger der Blutgruppe B in ihrem Speiseplan meiden - genauso wie Tomaten, Sesamkörner und Hühnchenfleisch. Grünes Gemüse, Eier, Lamm sowie Kaninchen- und Wildfleisch eigneten sich dagegen gut, um gesund zu leben und an Gewicht zu verlieren.

Blutgruppe AB: Träger der Blutgruppe AB entstanden nach Meinung des Naturheilkundlers bei der Vermischung von Ackerbauern und Steppenmongolen. Diese Mischtypen vertragen Eier, Getreide und Milchprodukte. Nur auf Schweinefleisch sollten sie möglichst verzichten.

Lebensmittel, die der angeblich "natürlichen" Ernährung widersprechen, sind laut der Blutgruppendiät Gift für den Körper. "Da wir trotz jahrelanger Verstöße gegen diese Regeln aber immer noch am Leben sind, stellt sich die Frage nach Sinn und Unsinn dieser Diät", schreibt Stiftung Warentest in ihrem Sonderheft Diäten.

Praxis-Check

Nach dem Konzept der Blutgruppendiät variiert die Ernährungsform sehr stark innerhalb der verschiedenen Blutgruppen. Zwei Beispiele für einen möglichen Speiseplan:

Für Menschen der Blutgruppe Null gibt es zum Frühstück ein getoastetes "Essener-Brot" (Fladenbrot aus gekeimten Weizenkörnern) mit Butter oder Mandelmus, eine Banane, dazu 170 Milliliter Gemüsesaft sowie grünen oder Kräutertee. Auf dem Mittagsteller landen ein Bio-Rinderbraten (170 Gramm) und ein Spinatsalat. Dazu gibt es einen Apfel oder Ananasscheiben. Als Nachmittags-Imbiss dürfen sich die Abnehmwilligen ein Stück Quionoa-Apfelkuchen gönnen. Ein Lammragout mit Spargel, gedämpften Brokkoli und Süßkartoffeln gibt es zum Abendessen. Der Nachtisch: frisches Obst, zum Beispiel Blaubeeren, Kiwi und Weintrauben.

Menschen der Blutgruppe A beginnen den Tag mit Haferschrot, Sojamilch und Ahornsirup oder Melasse. Außerdem sollten sie dem Aufstehen Wasser mit Zitrone, Grapefruitsaft, Kaffee oder Kräutertee nach trinken. Mittags gibt es einen griechischen Salat, bestehend aus Kopfsalat, Stangensellerie, Lauchzwiebeln und Gurke, angemacht mit Fetakäse, Zitrone und frischer Minze. Außerdem landen ein Apfel und eine Scheibe Weizenkeimbrot auf dem Teller. Als Nachmittagssnack schlägt D'Adamo Reiskekse mit Erdnussbutter und zwei Pflaumen vor. Am Abend essen die A-Typen eine Lasagne mit Tofu-Pesto und Brokkoli. Zum Nachtisch gibt es Joghurteiscreme. Über den Tag verteilt können Kaffee oder Kräutertee getrunken werden.

Auch im Praxischeck gewinnt die Blutgruppendiät nicht. Ihr Nachteil: Vorgeschlagene Rezepte sind häufig schwer nachzukochen, da die Zutaten oft sehr exotisch sind. Zudem ist die Zubereitung zeitaufwendig. Das Mitkochen für andere gestaltet sich schwierig, wenn verschiedene Blutgruppentypen zu berücksichtigen sind. Restaurantbesuche fallen ins Wasser und nur wenige Speisen sind zum Mitnehmen ins Büro geeignet.

Wissenschaftliche Einschätzung

"Diese Diät entbehrt jeder wissenschaftlichen Grundlage", sagt Antje Gahl von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung in Bonn. Ernährungsexperten beurteilen die meisten pflanzlichen Lektine als unbedenklich, eine Verklumpung von Blutzellen wurde bislang in keinem einzigen Fall festgestellt. Viele von D'Adamo genannte Lebensmittel haben nicht die von ihm genannte Blutgruppenspezifität. Belege dafür, dass sich die Blutgruppendiät auf bestimmt Erkrankungen positiv auswirkt, fehlen ebenfalls. Selbst die Basis, auf der das Abnehmkonzept basiert, nämlich die historische Reihung der Blutgruppen, ist bislang unbewiesen.

Fazit

Die Blutgruppendiät gewährleistet nicht für alle Blutgruppentypen eine gesunde und ausgewogene Ernährung. Beispielsweise fehlen auf dem Speiseplan der Blutgruppe Null Milch- und Getreideprodukte. Zudem führt das Konzept nicht dazu, dass Abnehmwillige ihr Ernährungsverhalten sinnvoll umstellen. Finger weg von dieser Diät!

Christine Kirchhoff

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