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Stern Logo Ratgeber Ernährung - Diäten

Das Geheimnis von "Schlank im Schlaf"

Es klingt zu schön, um wahr zu sein: Das Diät-Konzept von Detlef Pape verspricht Abnehmen im Schlaf – unter anderem, wenn man abends auf Kohlenhydrate verzichtet. Ob das funktioniert?

  Mühelos im Schlaf abnehmen? Das soll möglich sein, behauptet Detlev Pape. Man muss zur Nacht hin allerdings weitgehend auf Kohlenhydrate verzichten.

Mühelos im Schlaf abnehmen? Das soll möglich sein, behauptet Detlev Pape. Man muss zur Nacht hin allerdings weitgehend auf Kohlenhydrate verzichten.

Schlank im Schlaf– das verspricht Detlef Pape in seinem gleichnamigen Buch aus dem Jahr 2006. Der Internist und Ernährungswissenschaftler stellt darin ein Diätkonzept vor, bei dem der Biorhythmus und der Insulinspiegel im Mittelpunkt stehen. Gezieltes Essen zur richtigen Zeit soll beim Abnehmen helfen. Mittlerweile gibt es etliche Varianten der "Schlank im Schlaf"-Diät.

Das Programm richtet sich an alle Übergewichtigen mit einem Body Mass Index (BMI) über 25. Laut Autor ist das Diätkonzept sowohl für Kinder und Schwangere als auch für Menschen mit Diabetes geeignet. Allerdings empfiehlt Pape diesen Gruppen, die Diät ärztlich begleiten zu lassen.

Das Prinzip

Im Zentrum des Konzepts steht das Hormon Insulin. Die Bauchspeicheldrüse schüttet es verstärkt nach kohlenhydrathaltigen Mahlzeiten aus, damit der Blutzucker abgebaut wird. Folge: Der Organismus nimmt die Zuckermoleküle aus dem Blut auf. Das blockiert laut Pape nicht nur die Fettverbrennung, sondern regt den Körper an, Fett zu speichern. Eine sogenannte Insulin-Trennkost soll daher das Hormon niedrig halten und damit indirekt die Fettverbrennung ermöglichen.

Entscheidend ist nach diesem Prinzip, Eiweiß und Kohlenhydrate richtig zu kombinieren. Insgesamt sind drei Mahlzeiten am Tag mit einem Abstand von mindestens fünf Stunden vorgesehen. In den Pausen sind lediglich Wasser, ungesüßter Tee oder Kaffee erlaubt. Das Frühstück enthält nur Kohlenhydrate wie Brot, Müsli oder Obst. Die Mittagsmahlzeit darf in Form einer Mischkost aus Kohlenhydraten und Eiweiß bestehen. Beim Abendessen wird auf Kohlenhydrate verzichtet. Stattdessen werden eiweißhaltige Nahrungsmittel wie Fisch, Fleisch oder Milchprodukte mit Gemüse kombiniert.

In den fünfstündigen Pausen zwischen den Mahlzeiten soll die Bauchspeicheldrüse zur Ruhe kommen und der Insulinspiegel komplett absinken, damit der Körper genügend Zeit für Verdauungs- und Stoffwechselprozesse hat. Zur Nacht hin wird die Insulinausschüttung durch den Verzicht auf Kohlenhydrate bewusst niedrig gehalten: Laut Pape soll die Fettverbrennung so während des Schlafes optimal arbeiten. Der Körper bezieht der "Schlank-im-Schlaf"-Theorie zufolge die Energie für nächtliche Regenerationsprozesse aus den Fettdepots, wenn sie nicht durch die Anwesenheit von Insulin verschlossen sind.

Die Feinheiten

Am Anfang des Buches findet sich ein Test, in dem Daten zu Gesundheit und Essverhalten abgefragt werden. Gegebenenfalls wird auf eine ärztliche Betreuung verwiesen. Bevor die Diätphase starten kann, gilt es den BMI zu ermitteln, da sich nach diesem Wert die täglich erlaubte Kohlenhydratmenge berechnet. Je nach BMI reicht sie von 75 bis 125 Gramm für jeweils Frühstück und Mittagessen. Entsprechende Gegenwerte in Nahrungsmitteln sind angegeben. So enthalten drei Brötchen oder zwölf Esslöffel Müsli beispielsweise 75 Gramm Kohlenhydrate.

Der Praxis-Check

Für eine Frau mit BMI 28,7 besteht das Frühstück aus 75 Gramm Kohlenhydraten. Sie isst um 7.30 Uhr drei Vollkornbrötchen mit Konfitüre und Olivenöl-Margarine sowie einen Apfel. Damit hat sie die geforderten Menge an Kohlenhydraten aufgenommen, aber auf tierisches Eiweiß verzichtet. Nach einer fünfstündigen Pause isst sie um 12.30 Uhr zu Mittag. Auf dem Teller liegt eine Scheibe magerer Kasslerbraten, als Beilage gibt es drei große Kartoffeln und 300 Gramm Blumenkohl. Zum Nachtisch gibt es einen Milchkaffee und ein Hefeteilchen. Diese Mischkost liefert neben Eiweiß ebenfalls die geforderte Kohlenhydratmenge von 75 Gramm. Am Abend beschränkt sie ihre Mahlzeit auf eiweißhaltige Kost: Sie bereitet sich einen Salat mit Tomaten, Gurken und etwas Thunfisch zu. Auch ein Glas Wein oder Bier am Abend ist laut Pape durchaus erlaubt, weil dies angeblich der Gefäßgesundheit dient.

Damit die Muskeln nicht schwinden, sind bei diesem Diätkonzept Ausdauersport und Muskeltraining wichtig. Sport am Morgen vor der ersten Mahlzeit oder abends soll die nächtliche Fettverbrennungsphase verlängern und steigern.

Wissenschaftliche Einschätzung

Dass ein hoher Insulinspiegel die Fettverbrennung blockiert, ist nicht grundlegend falsch. Allerdings sind die Mechanismen beim Menschen noch nicht wissenschaftlich nachgewiesen. Die Einteilung in Stoffwechseltypen, die zu Beginn des Buches vorgenommen wird, erscheint völlig willkürlich.

Zudem stellt sich die Frage, wie viele Mahlzeiten am Tag sinnvoll sind: Drei größere wie bei diesem Programm oder fünf kleine, wie es noch vor einigen Jahren empfohlen wurde. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) weißt darauf hin, dass derzeit keine Empfehlung hinsichtlich der Mahlzeithäufigkeit gegeben werden kann. Vielmehr müsse die Energiebilanz am Ende des Tages stimmen.

Das Programm vermittelt jedoch den Eindruck, dass die Kombination der Lebensmittel wichtiger ist als die gesamte Kalorienmenge eines Tages. Dabei ist letztere beim Abnehmen entscheidend.

Fazit

Das Programm richtet sich zwar an eine breite Masse, ist aber - wenn überhaupt - für disziplinierte Individualisten geeignet. Viele halten die Diät wegen der fünfstündigen Pausen schwer durch. Auch der Verzicht auf Milch im Müsli, Joghurt oder Milchkaffee am Morgen ist nicht jedermanns Sache. Immer zu überlegen, welche Kombination nun die richtige ist, macht das Abnehmen kompliziert. Der wissenschaftliche Kern des Konzepts mag einleuchtend klingen, ist aber nicht eindeutig belegt.

Positiv anzumerken ist aber, dass die Empfehlungen auf einer vollwertigen Ernährung basieren und Sport eine wichtige Rolle spielt. Die Rezepte im Buch helfen, gesund und figurbewusst zu kochen. Allein dadurch verringert sich das Gewicht wohl bei vielen. Das Urteil der Ernährungsexpertin Ursel Wahrburg von der Fachhochschule Münster zu "Schlank im Schlaf": "Das Theoriegebäude ist unhaltbar, aber was am Ende auf dem Teller liegt, sieht nach ausgewogener Mischkost aus. Sofern also weniger Kalorien enthalten sind, als verbraucht werden, kann man damit durchaus abnehmen."

Carolin Mann

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