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Abnehmen in der Gruppe - oder alleine

Bei Weight Watchers zählt man keine Kalorien, sondern Punkte. Daneben gibt es immer wieder neue Ideen, Teilnehmern das Abnehmen zu erleichtern. Das aktuelle Programm heißt: "Mein Starter-Plan".

  Gemeinsam mit anderen macht das Kochen mehr Spaß - und auch das Abnehmen fällt leichter. Gruppentreffen sind inzwischen aber keine Voraussetzung mehr.

Gemeinsam mit anderen macht das Kochen mehr Spaß - und auch das Abnehmen fällt leichter. Gruppentreffen sind inzwischen aber keine Voraussetzung mehr.

Mit einer simplen Idee fing alles an. Die Amerikanerin Jean Nidetch hatte festgestellt, dass ihr das Abnehmen zusammen mit ihren Freundinnen leichter fiel als alleine, also gründete sie 1963 die Firma Weight Watchers. Bis heute sind die wöchentlichen Gruppentreffen das bekannteste und wahrscheinlich erfolgversprechendste Element dieses Diätkonzeptes. Wen das aber abschreckt: Die Treffen sind längst keine Voraussetzung mehr. Weight Watchers lässt sich auch alleine und online nutzen.

Die Weight-Watchers-Methode eignet sich für gesunde Übergewichtige mit einem Body-Mass-Index (BMI) von 25 bis 35, die nicht an Begleiterkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck leiden. Auch Kinder unter zehn Jahren sowie Schwangere, Menschen mit Essstörungen oder schwer Adipöse sind zu den Treffen nicht zugelassen.

Das Prinzip

Statt Kalorien zählen Weight-Watchers-Teilnehmer sogenannte "ProPoints", also Punkte, die früher einmal schlicht Points hießen. Jedes Nahrungsmittel oder Gericht hat einen festen ProPoints-Wert, der sich danach errechnet, wie hoch der Eiweiß-, Fett-, Kohlenhydrat- und Ballaststoffgehalt eines Lebensmittels ist.

Dieses Konzept wurde Anfang 2013 um Verhaltenstipps ergänzt und hieß fortan ProPoints Plan. Die Tipps sollten Abnehmwilligen helfen, Dickmachern besser zu widerstehen. Auch heute noch bildet der ProPoints Plan die Basis des Weight-Watchers-Programms, rückte aber etwas in den Hintergrund.

Ende Dezember 2014 stellte Weight Watchers die jüngste Neuerung vor: "Mein Starter-Plan" heißt das Programm, das den Teilnehmern noch mehr Flexibilität bieten möchte, indem es persönliche Vorlieben, Ernährungsgewohnheiten und Bedürfnisse berücksichtigt. Dafür wurden 56 neue Rezepte entwickelt, die thematisch gebündelt in folgenden Rubriken zu finden sind: "Sattmacher", "Quick & easy", "High Carb", "To go", "Veggie", "Familie" und "Low Carb". Mithilfe dieses Systems sollen die Teilnehmer schnell jene Gerichte wählen können, die am besten zu ihrer Lebenssituation passen: Muss es schnell gehen? Soll es etwas zum Mitnehmen sein? Oder ein Gericht für die ganze Familie? Auf einen Blick sind auch vegane, laktose- oder glutenfreie Rezepte herauszusuchen.

Das Zählen der ProPoints bleibt auch bei diesem Programm bestehen, es bildet die Basis. Ein Coach legt auf Grundlage einiger Faktoren wie Gewicht, Körpergröße, Geschlecht und Alter individuell fest, wie viele ProPoints der Teilnehmer pro Tag verbrauchen darf, wenn er abnehmen möchte. Dieses Budget wird regelmäßig angepasst.

Die Punktebilanz gilt für jeweils einen Tag. Dazu kommt ein Wochenextra, das der Teilnehmer einlösen kann, wenn er zum Beispiel ins Restaurant geht oder eine Feier ansteht. Das Wochenextra lässt sich beliebig zu den ProPoints einlösen. Diese gelten wiederum nur für die aktuelle Woche und lassen sich nicht in die nächste Woche übertragen.

Nach Belieben kann sich der Teilnehmer seinen Speiseplan zusammenstellen. Verboten ist nichts, solange er sein persönliches Punktebudget nicht überschreitet. Über die neuen Rezepte hinaus können Teilnehmer mit dem Mahlzeiten Coach jedes Gericht dem eigenen Geschmack und dem individuellen Punktebudget anpassen oder neue Mahlzeiten entwickeln. In der App und im Online-Programm finden sich mittlerweile ProPoints-Werte für 50.000 Lebensmittel, auch von Discountern, sowie mehr als 5.000 weitere Rezepte. Teil des Programms ist, alle verzehrten Speisen und Getränke mit den entsprechenden ProPoints-Werten zu protokollieren. Vorteil dabei ist, dass das Thema Ernährung gezielt ins Bewusstsein rückt und Fehler im Essverhalten leichter aufzuspüren sind.

Protokolliert wird aber nicht nur das Essen. Die Abnehmwilligen sollen auch Bewegung in ihren Alltag einbauen und notieren. Teilnehmer haben die Möglichkeit, Aktivitätstracker wie Fitbit einzusetzen. Der Tracker misst jede Bewegung und synchronisiert sie mit dem Weight Watchers Online Programm. So lassen sich zusätzliche Sport-Punkte hinzugewinnen. Auch die neuen Starter-Videos mit Tipps und Tricks zum Abnehmen sollen die Teilnehmer auf dem Weg zum Wunschgewicht unterstützen.

Die Gruppentreffen sind ein wichtiges Element

Neben den Elementen Ernährung, Bewegung und Verhalten sind die wöchentlichen Gruppentreffen das wohl wichtigste Element der Weight-Watchers-Methode. Getreu dem Motto "Zusammen ist man stark" besprechen und analysieren die Teilnehmer gemeinsam mit einem Coach Ernährung und Bewegungsverhalten - daher auch der Name Weight Watchers ("Gewichtsbeobachter"). Die Coachs erklären ernährungswissenschaftliche Zusammenhänge und geben Tipps zum Durchhalten.

Das ist aber längst keine Voraussetzung mehr. Wem das Abnehmen in der Gruppe nicht zusagt, das Punktezählen aber schon, hat die Möglichkeit, Weight Watchers online zu verfolgen. Außerdem gibt es ein Fernprogramm sowie Einzelcoaching oder Weight Watchers Center, eine Anlaufstelle für Interessierte. Abonnenten steht auch eine kostenlose App zur Verfügung, um im Alltag alle nötigen Informationen wie Rezepte oder Einkaufslisten schnell zur Hand zu haben.

Die Feinheiten

Nach dem Weight Watchers-Konzept abzunehmen bedeutet, in kleinen Schritten Gewicht zu verlieren. Zunächst sind zehn Prozent des Anfangsgewichts vorgesehen - und nicht mehr als ein Kilogramm pro Woche. Ziel ist, das Wohlfühlgewicht längerfristig zu halten. Dazu sollen die Teilnehmer lernen, bewusster zu essen und auch Problemsituationen, etwa den Kaffeeklatsch mit Freundinnen, den Restaurantbesuch oder eine Feier zu meistern. Zudem gibt es die Möglichkeit, zur Nachbetreuung in der Gruppe zu bleiben.

Die Methode beruht nach eigenen Angaben auf wissenschaftlichen Erkenntnissen und wird ständig weiterentwickelt. Da es ein kommerzielles Unternehmen ist, das sein Diätkonzept in aller Welt vermarktet, ist die Teilnahme nicht gratis. Für den Monatspass zahlen Abnehmwillige regulär 39,95 Euro.

Wer das Angebot online und alleine nutzen möchte: Das Online-Starterset mit App kostet als Drei-Monats-Angebot inklusive Anmeldegebühr 59,95 Euro und danach 16,95 Euro im Monat. Das Ein-Monats-Standardangebot liegt bei bei 46,90 Euro für den ersten Monat und 16,95 Euro für jeden weiteren. Daneben gibt es weitere Angebote, etwa den Internet-Assistenten (3-Monats-Einstiegsangebot: 45,85 Euro, 1-Monat-Standardangebot: 16,95 Euro) oder das Fernprogramm (129 Euro für drei Monate, 199 Euro für das Jahresabo).

Gruppenleiter sind meist ehemalige Teilnehmer. Nach Meinung mancher Experten ist es zwar fraglich, ob sie die Gruppen ohne eine langjährige Ausbildung im Ernährungsbereich optimal leiten können; das Weight-Watchers-Ausbildungsprogramm dauert sechs Monate und nicht mehrere Jahre. Es ist aber von der Industrie- und Handelskammer anerkannt, und die Coachs kennen die Abnehmprobleme aus eigener Erfahrung und sind somit authentisch.

Praxis-Check

So könnte ein Tag mit dem Weight-Watchers-Programm aussehen, wenn eine Teilnehmerin 30 ProPoints zur Verfügung hat:

Zum Frühstück isst sie einen Kickstarter-Joghurt mit Ananas, Kiwi und Sojajoghurt (insgesamt 3 ProPoints), das sie gut mit einem Basismüsli kombinieren kann (4 EL sind 4 ProPoints). Dazu gibt es ungesüßten schwarzen Kaffee (0 ProPoints). Für das Büro kann sie frische Früchte und Gemüsesticks mitnehmen, die belasten ihr Budget nicht.

Mittags gibt es einen asiatisch-scharfen Couscoussalat (insgesamt 8 ProPoints). Dafür gart sie den Couscous in Brühe, vermischt ihn mit klein geschnittenem Gemüse, hier Paprika, Frühlingszwiebeln und Mais aus der Dose, und gibt ein Dressing aus Tomatenmark, Currypaste, Essig, Sambal Olek, Salz und Pfeffer darüber. Dieser Salat lässt sich gut vorbereiten und mitnehmen.

Abends entscheidet sie sich für das Family-Putengyros (insgesamt 10 ProPoints). Dafür mariniert sie das geschnetzelte Putenfleisch in Gyrosgewürz und Öl, gart in der Zwischenzeit den Reis, und schneidet eine kleine Zwiebel, eine Paprika und Zucchini in feine Streifen. Sie brät das Fleisch und das Gemüse an und bereitet einen Dip aus gehackter Magermilchjoghurt, Minze, Knoblauch und Zitronensaft zu. Das Putengyros serviert sie mit Reis und Dip. Insgesamt ergibt das 10 ProPoints. Als Nachtisch oder zwischendurch gönnt sie sich ein Soja-Himbeer-Sorbet (1 ProPoint).

Über den Tag verteilt trinkt sie etwa 1,5 Liter Mineralwasser, für das sie sich keine ProPoints anrechnen muss.

Das macht in dieser Beispielrechnung - mit Müsli - 26 ProPoints, sodass ihr noch 4 ProPoints übrig bleiben.

Wissenschaftliche Einschätzung

Aus gesundheitlichen Gründen spricht nach Meinung der Ernährungswissenschaftlerin Ursel Wahrburg von der Fachhochschule Münster nichts gegen diese Diätmethode: "Das Weight-Watchers-Konzept basiert primär darauf, dass vor allem gut sättigende Lebensmittel mit geringer Energiedichte gegessen werden und gleichzeitig der Fettgehalt reduziert wird. Die Gewichtsabnahme erfolgt allmählich, und die Teilnehmer lernen, bewusster zu essen und ihre Ernährung langfristig umzustellen." Diese Ernährungsmethode basiere auf einer gesunden Mischkost, wobei kein Nährstoff überbetont werde oder zu kurz komme.

Fazit

Wer gerne in einer Gruppe - gemeinsam mit Gleichgesinnten - abnehmen möchte, ist bei Weight Watchers sicher gut aufgehoben. Die Methode eignet sich für alle, die eine Art von Kontrolle brauchen und deren Motivation durch den Austausch mit anderen gefördert wird. Dank der Online-Programme können aber auch Alleingänger von dem Programm profitieren.

Christine Kirchhoff, Sonja Helms

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