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So werfen Sie unnötigen Ballast ab!

Am Aschermittwoch beginnt die Fastenzeit. Auf der Verzichtsliste stehen Süßes, Zigaretten und Alkohol ganz oben. Worauf Fastende achten sollten, damit die Auszeit für Geist und Körper gesund ist.

Von Kerstin Engelhard

Heilfasten: Ohne medizinische Begleitung sollte nicht länger als eine Woche gefastet werden

Heilfasten: Ohne medizinische Begleitung sollte nicht länger als eine Woche gefastet werden

In nahezu allen Religionen hat das Fasten Tradition. Für die Christen fängt am Aschermittwoch die 40-tägige Fastenzeit an. Die Tage bis zur Osternacht gelten als eine Zeit der Buße, Besinnung und Umkehr. Muslime üben sich während des Fastenmonats Ramadan von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang in Enthaltsamkeit, buddhistische Mönche und Nonnen fasten täglich ab zwölf Uhr mittags und auch im Hinduismus spielt die kontrollierte und reduzierte Nahrungszufuhr eine große Rolle.

So unterschiedlich die Zeiten auch sind, zu denen die Gläubigen fasten, sie alle versprechen sich davon Ähnliches: innere Einkehr und Stärke. Der Verzicht auf materielle Bedürfnisse soll eine Nähe zu Gott bringen.

Jeder zweite Deutsche hält es für sinnvoll, in der Fastenzeit mehrere Wochen auf ein bestimmtes Genussmittel oder Konsumgut zu verzichten: Bier, Wein oder Schokolade glauben die meisten entbehren zu können, ergab eine DAK-Umfrage. Dagegen findet das sogenannte Online-Fasten, also das Abschalten von Smartphone und Computer in der Freizeit, nur bei jedem fünften Fastenwilligen Anklang.

Längst nicht alle Menschen fasten aus religiösen Motiven. Mancher verwechselt allerdings den bewussten Verzicht mit einer Blitzdiät. Um überschüssige Pfunde loszuwerden, ist die Auszeit für Seele, Geist und Körper aber weniger geeignet, denn die meisten nehmen nach der Fastenkur schnell wieder zu.

Die ersten drei Tage sind am schlimmsten

Ohne medizinische Begleitung sollte besser nicht länger als eine Woche gefastet werden. Da sich der Körper zu Beginn der Fastenkur umstellen muss, sind zumeist die ersten drei Tage die schlimmsten. Die Gedanken kreisen noch häufig ums Essen, Schwindel oder Kopfschmerzen können auftreten, manche Menschen frieren vermehrt oder sind müde. Dies sollte sich allerdings bald geben. Dann überwiegen zumeist die positiven Gefühle, das Leben verlangsamt sich und wird intensiver. Viele Fastende fühlen sich glücklich und wohl, für manche sind die Tage ohne Nahrung gar bewusstseinserweiternd.

Bei vielen Fastenmethoden ist feste Nahrung verboten. Erlaubt sind häufig 250 bis 400 Kalorien pro Tag, die hauptsächlich in Form von Getränken eingenommen werden, statt der durchschnittlichen 1500 bis 3000 Kalorien. Die Differenz soll der Körper abfangen, indem er den Stoffwechsel reduziert und eigene Energiereserven anzapft – also Fettpolster und Muskelmasse. Leichte Bewegung wirkt dem Muskelabbau entgegen und kurbelt stattdessen den Fettstoffwechsel an.

Am Anfang stehen zumeist ein bis drei Entlastungstage, an denen ballastreiche und leicht verdauliche Kost wie Obst und Reis noch erlaubt sind. Außerdem wird begleitend zum Fasten mit Einläufen und Bittersalzen der Darm gereinigt. Häufig werden warme Leibwickel angewendet, um die Durchblutung zu fördern und den Stoffwechsel anzuregen. Wichtig ist es, während des Fastens viel zu trinken - mindestens zwei bis zweieinhalb Liter pro Tag -, um so die Flüssigkeit zu ersetzen, die ansonsten über die Nahrung aufgenommen wird. Am Ende der Fastenzeit sind drei bis vier Aufbautage, in denen sich der Körper langsam wieder an die Nahrung gewöhnt, unbedingt nötig. Wer zu schnell zum Schnitzel mit Pommes greift, überfordert seinen Magen und riskiert Krämpfe und Bauchschmerzen.

Nur unter ärztlicher Aufsicht

Fasten ist allerdings nicht für jeden geeignet: Wer Medikamente nimmt oder chronisch krank ist, sollte besser gar nicht oder nur unter ärztlicher Aufsicht auf Nahrung verzichten. Dies gilt auch für Menschen, die an starkem Übergewicht, extremen Allergien, Depressionen oder Essstörungen leiden. Schwangere oder stillende Frauen, Kinder, Herzkranke, HIV-Infizierte oder Menschen mit starkem Untergewicht sollten ganz auf das Fasten verzichten.

Ob alleine oder in der Gruppe - zumeist folgen Fastende einer bestimmten Methode. Besonders bekannt sind das Heilfasten nach Buchinger, die F.-X.-Mayr- oder die Schroth-Kur. Die Auswahl geschieht dabei häufig nach dem Bauchgefühl, wobei die unterschiedlichen Kuren nicht für jeden geeignet sind.

Heilfasten nach Buchinger

Die bekannteste Fastenmethode dürfte das Heilfasten nach Dr. Otto Buchinger sein. Der ehemalige Sanitätsoffizier der Kaiserlichen Marine kurierte sich durch Fasten angeblich selbst von schwerem Gelenkrheuma. Beim Buchinger-Fasten sind Tee oder Wasser, in Maßen auch Säfte und Gemüsebrühe erlaubt - aber keinerlei feste Kost. Nach zwei Entlastungstagen mit leichter Kost wie Reis, Obst und Gemüse wird der Darm mit Hilfe von Bittersalz und Einläufen geleert. Bewegung an der frischen Luft gehören ebenfalls zum Programm. Wer die klassische Buchinger-Kur über drei Wochen probieren möchte, sollte eine entsprechende Fastenklinik aufsuchen. Über kürzere Etappen und mit Hilfe eines Ratgeberbuches lässt sich diese Methode auch zu Hause ausprobieren.

Kritische Bewertung

Gesunde Menschen können problemlos eine Woche nach Buchinger fasten. Um den Lebensstil zu ändern und die Ernährung langfristig umzustellen, ist diese Methode geeignet. Erwiesen ist auch, dass eine stationäre Fastenkur über vier Wochen Rheumaschmerzen lindert oder gegen Bluthochdruck hilft. Wichtig ist in diesem Fall allerdings, dass das Buchinger-Fasten medizinisch begleitet wird. Auch Menschen mit Diabetes Typ 2 profitieren davon, da ihr Körper wieder sensibler auf die Insulinzufuhr reagiert.

Tee- und Wasserfasten

Wer nach dem Prinzip "Ganz oder gar nicht" an das Fasten herangeht, zieht vielleicht das reine Wasser- und Teefasten in Erwägung. Doch bei einer solchen Null-Kalorien-Diät werden dem Körper so gut wie keine Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente zugeführt. Für eine kurze Zeit, etwa eine Woche, kann der Körper diesen Mangel mithilfe seiner Reserven ausgleichen. Bei längeren Fastenperioden kommt es aber zum Muskelabbau, Kreislaufproblemen und Schwächegefühlen. Außerdem benötigt der Körper Mineralstoffe für Knochen und Zähne. Abgesehen davon kann das Durchhalten schon bei moderaten Fastenmethoden schwerfallen und das viele Trinken geradezu anwidern. Ein Saft bietet daher durchaus willkommene Abwechslung im wässrigen Einerlei.

Kritische Bewertung

Das Teefasten ist eine sehr strikte Art des Fastens, die Eingriffe in den Stoffwechsel sind stark. Jeder, für den schon die Buchinger-Kur nicht das Richtige war, sollte daher besser darauf verzichten.

Schroth-Kur

Die Schroth-Kur, die der Fuhrmann und spätere Naturheilkundler Johann Schroth entwickelt hat, ist um einiges liberaler als das strikte Teefasten: Denn dabei darf sogar Wein getrunken werden. Diese Methode hat drei wichtige Bestandteile: Neben dem Heilfasten, bei dem eine fettfreie, salz- und eiweißarme Diät erlaubt ist, zählen Trocken- und Trinktage sowie Schrothsche Dunstwickel dazu. Abendliche Ganzkörperwickel sollen ähnlich wie Saunagänge den Stoffwechsel ankurbeln, die Ausscheidung von Giftstoffen über die Haut fördern und so den Körper "entschlacken". An den Trink- und Trockentagen wird im Wechsel wenig und reichlich Flüssigkeit getrunken - neben Tee, Heilwasser oder Fruchtsäften sind als Getränk auch trockene Weine erlaubt.

Kritische Bewertung

Die Schroth-Kur ist ausdrücklich nicht geeignet für trockene Alkoholiker, schwangere und stillende Frauen, Kinder, Jugendliche, Patienten mit Essstörungen sowie Menschen mit Krebs oder Infektionskrankheiten. Der Glaube, dass beim Fasten im Körper „Schlacke“ gelöst und entsorgt wird, ist schlichtweg falsch. Da sich die Darmschleimhaut ständig erneuert, lagert sich dort nichts ab, nicht verwertbare Stoffe werden ständig über die Nieren oder den Darm ausgeschieden. In Deutschland ist das Originalverfahren nicht nur aus diesem Grund wissenschaftlich umstritten. Nach gängiger Meinung schaden auch die Trockentage und der Alkohol dem Körper mehr als dass sie ihm nutzen. Viele Ärzte lehnen daher diese Kur ab, wissenschaftliche Studien zur Wirksamkeit liegen nicht vor.

Die F.-X.-Mayr-Kur

Der österreichische Arzt Franz Xaver Mayr entwickelte ein Kurverfahren zur Darmsanierung mit den drei Stufen "Schonung, Säuberung und Schulung": Heilfasten und Diät sollen das Verdauungssystem entlasten, viel Flüssigkeit und Darmreinigungen den Körper "säubern", langsames Essen das Essverhalten verbessern. Die mindestens dreiwöchige Kur beginnt mit reinem Tee- und Wasserfasten, dem eine Darmsäuberung vorangestellt ist. So soll der Körper gereinigt werden, bevor die gesündere Ernährung einsetzt.

Darauf folgt die Semmeldiät: Eine altbackene Semmel zum Frühstück, 40- bis 60-mal gekaut, soll das langsame und bewusste Essen fördern und den Darm entlasten. Eine Schonkostdiät mit viel Gemüse, reifem Obst, frischen Kräutern, wenig Fett und Salz und selten Fleisch schließt sich an. Über den Tag sind drei bis fünf Liter Wasser, Kräutertee und Gemüsebrühe erlaubt. Eine tägliche Bauchmassage soll die Verdauung fördern.

Kritische Bewertung

Die Mayr-Kur eignet sich für Menschen jeden Alters, sogar für Kinder. Auch Schwangere können mit dieser Methode fasten. Psychisch Kranke und Menschen mit akuten, infektiösen Krankheiten sollten allerdings besser darauf verzichten. Da mit der Mayr-Kur unter anderem das bewusste und langsame Essen trainiert wird, eignet sie sich auch, um die Ernährungsgewohnheiten dauerhaft umzustellen - zum Beispiel auf die Schonkost aus reifem Obst, frischen Kräutern, wenig Fett, Salz und Fleisch. Mindestens drei Wochen sollte mit dieser Methode gefastet werden, wobei es ratsam ist, dies unter fachkundiger Anleitung durchzuführen.

Praxis-Check

Ein typischer Fastentag besteht im Wesentlichen aus der Frage, welche Flüssigkeit wann eingenommen wird. Morgens ist es beispielsweise ein Rosmarintee, über den Vormittag Wasser. Mittags steht eine Kartoffelbrühe aus einer halben kleinen Kartoffel, einer halben Möhre und etwas Lauch auf dem Programm - durch ein Sieb geseiht, mit ein wenig Gewürzen (ohne Salz) abgeschmeckt und mit Wasser nebenbei genossen.

Nach einem Nachmittagsspaziergang tut ein Ingwertee gut. Für den frühen Abend ist eine Traubensaftschorle aus 1/3 Saft und 2/3 Wasser vorgesehen. Oder Sie gießen den Saft unverdünnt in ein Weinglas und genießen ganz langsam den Luxus - zwischendurch nippen Sie Wasser. Zu einem nicht zu heißen abendlichen Vollbad passt ein Zitronenmelisse- oder Lavendeltee, vielleicht mit einer Messerspitze Honig.

Schwieriger Start

Die Umstellung braucht Zeit. Viele Fastende klagen daher zu Beginn über Kopfschmerzen, Übelkeit, Kreislaufschwäche und - vor allem - Hunger. Während der ersten zwei bis drei Tage werden zunächst die verbliebenen Kohlenhydrate in der Leber abgebaut. Dann wird das Eiweiß aus den Muskeln und Fett aus den Depots an Bauch und Hüfte verbrannt. Der Körper fährt seinen Energieverbrauch gleichzeitig langsam zurück.

Ab dem vierten Tag wird es zumeist leichter. Die Konzentration der Stresshormone Adrenalin und Cortisol im Körper nimmt ab, das Glückshormon Serotonin ist vermehrt verfügbar. Gerüche und Geschmacksrichtungen werden intensiver wahrgenommen, viele Fastende fühlen sich unbeschwert, besonders wach und klar im Kopf. Bei einigen Menschen lässt die Zeit der Einkehr verdrängte Trauer oder Unsicherheit hochkommen. Viele Fastende hoffen auf eine reinigende Wirkung des Fastens. Tatsächlich werden Fettdepots abgebaut und dort abgelagerte Gifte freigesetzt, die der Körper ausscheiden kann. Fasten ist allerdings kein Wellnessurlaub, sondern ein Eingriff in den Stoffwechsel mit starken Auswirkungen auf Körper und Psyche. Wer das Fasten ausprobieren will, sollte sich für diese Zeit am besten Urlaub nehmen und den Alltag hinter sich lassen.

Fazit

Fasten ist keine Diät. Wer langfristig seine Ernährung umstellen will, kann den guten Vorsatz nach einer Fastenwoche allerdings zumeist leichter umsetzen. Nach einer Woche Brühe oder Schonkost wird das Essen langsamer und bewusster eingenommen, der Verzicht auf den Schokoriegel fällt ebenfalls leichter. Nicht zuletzt macht die Grenzerfahrung stolz - und stärkt bei einer Ernährungsumstellung das Durchhaltevermögen. Wer das Fasten ausprobieren will, sollte erst einmal klein anfangen - und eine gute Woche auf Nahrung verzichten. Es müssen ja nicht gleich die 40 Tage sein, die Jesus in die Wüste ging, um dort zu hungern.

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