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Gericht verdonnert Lidl zu Millionenstrafe

15. Januar 2013, 17:41 Uhr

2010 hatte Lidl mit Bakterien belasteten Käse verkauft, ein Mensch starb. Ein Gericht wirft dem Discounter nun Schlamperei vor - und verhängt eine hohe Geldstrafe.

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In Rohmilchkäse können sich Listerien tummeln. Vor allem für Schwangere und Menschen mit geschwächtem Immunsystem sind diese Bakterien gefährlich.©

Ende Januar 2010 rief der Discounter Lidl den Harzer Käse der Firma Prolactal zurück, weil dieser mit Bakterien - sogenannten Listerien - belastet war. Vier Konsumenten des Käses erkrankten an Listeriose, ein Mensch starb an den Folgen der Lebensmittelvergiftung.

Drei Jahre nach einem Skandal um verseuchten Käse muss Lidl Geldbußen von insgesamt 1,5 Millionen Euro zahlen. Das Amtsgericht Heilbronn verhängte die Strafe laut einer Mitteilung der Staatsanwaltschaft wegen Verstößen gegen das Lebensmittelrecht. Das Unternehmen aus Neckarsulm kündigte an, die Entscheidung anzunehmen und bedauerte, damals die Ergebnisse von routinemäßigen Untersuchungen falsch interpretiert zu haben. Zudem müssen vier Beschäftigte Geldstrafen zahlen.

In Deutschland gibt es jedes Jahr Hunderte von Listerien-Infektionen. Meistens sind verseuchte Lebensmittel der Grund für die Erkrankung. Die Bakterien können beim Menschen schwere Infektionen auslösen und bei Kranken, Geschwächten, Schwangeren oder Neugeborenen lebensbedrohlich werden. Sie werden üblicherweise durch die Pasteurisierung vernichtet, können sich aber vermehren, wenn befallene Lebensmittel eingefroren werden.

Zu später Lieferstopp

Das Unternehmen habe seine gesetzlichen Untersuchungspflichten jederzeit eingehalten, betonte ein Sprecher. Allerdings habe es auf erste Hinweise im Juni 2009 falsch reagiert. Laut Gericht hätte Lidl spätestens Ende 2009 einen Lieferstopp veranlassen müssen.

Zunächst hatte Lidl nach eigenen Angaben bei Prolactal nachgefragt und Untersuchungsergebnisse angefordert, die keinen Keimbefall nachwiesen hätten. Zudem habe Lidl die fraglichen Produkte aus dem Verkauf genommen. Den Rückruf leitete das Unternehmen allerdings erst nach einer behördlichen Warnung aus Österreich ein.

Für die vier Lidl-Mitarbeiter wurden der Staatsanwaltschaft zufolge Geldstrafen zwischen 27.000 und 58.500 Euro festgesetzt sowie zusätzlich gegen zwei von ihnen Geldbußen in Höhe von je 7000 Euro. Eine strafrechtliche Verantwortlichkeit der Beschuldigten für die Erkrankung oder den Tod von Geschädigten lasse sich nicht mit Sicherheit nachweisen, so die Staatsanwaltschaft, die Lidl nicht namentlich nennt. Der Harzer Käse ist laut Lidl seit Januar 2010 nicht mehr im Verkauf.

lea/DPA

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