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Besessen vom Essen

Egal, ob Nahrung als Feind oder als Freund gilt: Stehen Kalorien und Nährstoffe allein im Mittelpunkt des Denkens, wird das Essen zu einem Problem und das zwanghafte Tun zu einer Krankheit.

  Wer dauernd Gegessenes wieder erbrechen möchte, hat eine Essstörung

Wer dauernd Gegessenes wieder erbrechen möchte, hat eine Essstörung

Sie knabbern den ganzen Tag über an einer Scheibe Knäckebrot und essen keinen Kekskrümel, ohne vorher die Nährwertangaben auf der Packung studiert zu haben. Oder sie können vier Stücke Torte auf einmal verschlingen. Immer wenn Menschen ein extremes Essverhalten an den Tag legen und sich über das definieren, was sie essen, sprechen Fachleute von einer Essstörung.

Experten schätzen, dass mehrere hunderttausend Deutsche essgestört sind. Sie haben die Grenze vom bewussten Essen zur Krankheit überschritten. Die Themen Nährwert, Kalorien, Figur und Körpergewicht haben die Kontrolle über ihr Leben übernommen.

Essstörungen haben verschiedene Formen, es gibt:

Magersucht - die Sucht zu hungern

An Magersucht erkranken vor allem Mädchen und junge Frauen. Getrieben von der Angst zuzunehmen, wollen sie nur eines: dünn, dünner und noch dünner werden. Für dieses Ziel fasten und joggen sie bis zur völligen Auszehrung. Selbst wenn sie nur noch Haut und Knochen sind, können sie nicht aufhören zu hungern. Manche sind so unterernährt, dass sogar die Regelblutung ausbleibt.

Bulimie - Leben zwischen Fressen und Erbrechen

Bulimiekranke leiden regelmäßig unter Essattacken. Sie schlingen in Windeseile mehr Nahrungsmittel herunter, als Gesunde in der gleichen Zeit schaffen würden, und viel mehr, als sie selbst für angemessen halten. Wer unter Ess-Brech-Sucht leidet, kann diese Anfälle nicht kontrollieren. Weil die Betroffenen panische Angst vor Übergewicht haben, versuchen sie nach einem Fressanfall, die Kalorien wieder loszuwerden. Viele erbrechen sich regelmäßig, andere schlucken Abführmittel oder treiben exzessiv Sport. Frauen leiden zehn Mal häufiger unter Bulimie als Männer. Anders als Magersüchtige sind Bulimikerinnen meist normal- oder leicht übergewichtig.

Ess-Sucht - Kontrollverlust vor dem Kühlschrank

Typisch für die Esssucht sind regelmäßig auftretende Essanfälle, bei denen die Betroffenen riesige Mengen Nahrung in sich hineinstopfen. Sie können diese Anfälle nicht kontrollieren, kennen kein Gefühl für Hunger oder Sättigung und hören erst auf, wenn der Bauch schmerzt. Anders als Bulimiekranke versuchen Esssüchtige nicht, die Dickmacher durch Erbrechen, Sport oder Medikamente wieder loszuwerden. Deshalb nehmen Esssüchtige mit der Zeit immer mehr zu.

Orthorexie - besessen von der richtigen Ernährung

Vor rund zehn Jahren definierte ein US-amerikanischer Arzt eine neue Essstörung: die Orthorexie, die krankhafte Fixierung auf gesunde Ernährung. Wer darunter leidet, dem geht es nicht um die Menge, sondern um die Qualität der Nahrungsmittel. Orthorektiker sind Experten in Sachen Ernährungs- und Warenkunde. Sie wissen, welche Vitamine Sojamilch enthält, wie viel Natrium in Bio-Lauch steckt und definieren sehr streng, was sie für gesund halten. Diese Regeln einzuhalten, wird für die Betroffenen zum Zwang, sie bestimmen ihren Tagesablauf. In der Fachwelt ist Orthorexie bis heute nicht als Krankheit anerkannt.

Nina Buschek

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