Rebellion im Darm

Kneifen im Magen, Grollen im Bauch? Das könnte am Milchzucker liegen. Fehlt ein Enzym, wird er nicht vertragen. Das ist nicht krankhaft und keine Allergie, sondern in vielen Teilen der Welt normal.

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Viele Erwachsene in Südeuropa können Milch nur schlecht verstoffwechseln©

Keine Milch zu vertragen, ist keine Seltenheit: Etwa die Hälfte der Weltbevölkerung hat Schwierigkeiten, den Milchzucker - auch Laktose genannt - zu verdauen. Ihnen fehlt das Enzym Laktase, es wird vom Körper nicht oder nur unzureichend produziert. Dieses Enzym spaltet den Milchzucker auf, sodass der Darm es weiter verarbeiten kann.

Bereits Ende des 19. Jahrhunderts fiel Ärzten auf, dass manche Menschen nach dem Genuss von Milch Magen-Darm-Beschwerden bekamen. Die Ursache dafür - der Enzymmangel - wurde jedoch erst ein halbes Jahrhundert später entdeckt.

Milchzucker ist in sehr vielen Lebensmitteln enthalten. Vor allem in Milch: Fast fünf Gramm stecken in 100 Millilitern, das entspricht einem Zuckerlöffel Laktose in einer kleinen Tasse Milch. Laktose findet sich aber auch in Pudding, Eiscreme und Käse, in Backwaren, Gewürzmischungen, Gemüsekonserven. Sogar Medikamenten und Zahnpasta wird die Substanz beigefügt.

Darmbakterien vergären den Milchzucker, Gase entstehen

Laktase spaltet den Milchzucker in seine Bestandteile auf. Fehlt das Enzym, gelangt der Milchzucker vollständig in den Darm, dort zerlegen und vergären ihn Darmbakterien. Dabei entstehen Wasserstoff, Kohlendioxid und Fettsäuren. Diese Stoffe verursachen die unangenehmen Beschwerden: Völlegefühl, Bauchkrämpfe und Blähungen, aber auch Durchfall und Übelkeit. Nur wenn diese Symptome auftreten, sprechen Fachleute von einer Laktoseintoleranz.

Ein Mangel an Laktase kann angeboren sein, das kommt aber relativ selten vor. Meist entsteht er aufgrund einer Darmkrankheit oder er wird im Laufe des Erwachsenwerdens erworben. Bei mehr als der Hälfte der Weltbevölkerung trifft Letzteres zu: Schon nach dem Abstillen verliert der Körper langsam die Fähigkeit, Milchzucker zu spalten - nur etwa fünf bis zehn Prozent der ursprünglichen Enzymaktivität bleibt erhalten.

Sizilianer vertragen Milch schlechter als Sylter

Der überwiegende Teil der asiatischen und afrikanischen Bevölkerung kann Milchzucker nicht spalten, in Europa besteht ein deutliches Gefälle von Süd nach Nord: Während jeder zweite Südfranzose oder Italiener Milchprodukte nicht gut verträgt, haben Menschen aus Mittel- und insbesondere Nordeuropa meist keine Probleme.

In Deutschland leiden etwa 15 Prozent der Menschen an einem Mangel des Enzyms, allerdings haben nur etwa die Hälfte davon Beschwerden, sind also nach der ärztlichen Definition laktoseintolerant. Die Unverträglichkeit von Milchzucker ist im Übrigen keine Krankheit und birgt auch nicht das Risiko, an anderem zu erkranken.

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