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11-Jähriger isst nur Müsli, Fleisch, Kartoffeln, Äpfel und Gurke - und erblindet

Den Jungen quälten zunächst trockene Augen. Dann nahm auch sein Sehvermögen immer weiter ab. Was war Schuld an dem schrittweisen Erblinden des Kindes?

Kanada: Elfjähriger erblindet wegen Vitamin A-Mangel

Frühstücksflocken, Fleisch, etwas Obst und Gemüse: Das waren die einzigen Lebensmittel, von denen sich der 11-Jährige ernährte

Bereits seit längerem klagte der Junge aus über trockene Augen. Dann begannen sich die Symptome an seinen Augen auszuweiten: Er wurde nachtblind, reagierte empfindlich auf helles Licht und sah auch am Tage immer schlechter. Zuletzt konnte das Kind nur noch Dinge in einem Abstand von 30 Zentimetern sehen. Seine Eltern brachten ihn in ein Kinderkrankenhaus in Toronto, Kanada. Was war die Ursache für die rätselhafte Krankheit des Jungen?

Über den Fall berichten Mediziner um Dustin Jacobson von der "University of Toronto" im Fachblatt "Jama Pediatrics". Die kanadischen Ärzte standen zunächst vor einem Rätsel: Der Junge hatte in der Vergangenheit keine besonderen Probleme mit den Augen gehabt - sie waren weder gerötet gewesen, hatten nicht geeitert oder waren in irgendeiner Weise verletzt. Auffällig war jedoch, dass der Junge unter Neurodermitis und etlichen Lebensmittelallergien litt. 

Strikte Diät mit schweren Folgen

"Er hatte eine besonders schwere Form von Neurodermitis. Einige Patienten versuchen, übliche Lebensmittel-Allergene wie Soja, Milch und Erdnüsse wegzulassen, um die Beschwerden zu verbessern", zitiert das kanadische Portal "GlobalNews" den Mediziner Jacobson. Das war auch bei dem kanadischen Jungen der Fall: Die Mutter des Jungen hatte sämtliche Lebensmittel vom Speiseplan gestrichen, von denen sie glaubte, sie könnten die Neurodermitis des Jungen verschlimmern. Außerdem sei der Junge im Umgang mit Lebensmitteln eher wählerisch gewesen, so Jacobson weiter. Über einen längeren Zeitraum hatte das Kind nur Kartoffeln, Schweinefleisch, Lamm, Äpfel, Gurken und Müsli gegessen.

Die strenge Diät des Jungen hatte fatale Folgen: Durch die einseitige Ernährung entwickelte das Kind einen schweren A-Mangel. Im Auge des Kindes entdeckten die Mediziner trockene Stellen, die auf einen Mangel hindeuteten. Eine Blutuntersuchung bestätigte den Verdacht. Daraufhin verabreichten die Ärzte dem Jungen mehrfach hochdosiertes Vitamin A.

Die Therapie schlug an, zumindest teilweise: "Das Sehvermögen besserte sich, aber es ist derzeit noch nicht absehbar, inwiefern die entstandenen Schäden rückgängig zu machen sind", so Jacobson gegenüber "GlobalNews". "Möglicherweise hat der Junge ein Leben lang mit schlechtem Sehvermögen zu kämpfen."

In welchen Lebensmitteln steckt Vitamin A?

Ein Mangel an Vitamin A ist in Industrienationen vergleichsweise selten und eher ein Problem in Entwicklungsländern, in denen die Versorgung mit frischen Lebensmitteln nicht immer gewährleistet ist. Das fettlösliche Vitamin spielt im Körper unter anderem eine wichtige Rolle für den Sehprozess und das Immunsystem. Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) steckt das Vitamin vor allem in farbintensivem Gemüse wie Karotten, Feldsalat und Grünkohl. Auch Süßkartoffeln, Fisch, Leber und Butter sind wichtige Vitamin A-Lieferanten.

Das Beispiel des kanadischen Jungen zeige, wie wichtig es sei, auf eine ausgewogene Ernährung zu achten, so Jacobson weiter.


ikr