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Süße Versprechen

Wurst in Bärchenform, Fruchtgummis mit Vitaminen oder Knusperflakes mit Kalzium: So preist die Werbung "Kinderlebensmittel" an. Doch statt gesund sind solche Produkte meist eines: zu süß und zu fett.

Von Lea Wolz

  Bunt, süß und ungesund: Extra Lebensmittel für Kinder sind häufig Fett- und Zuckerbomben

Bunt, süß und ungesund: Extra Lebensmittel für Kinder sind häufig Fett- und Zuckerbomben

Bob der Baumeister oder Wiki der Wikinger - wer mit seinem Einkaufswagen durch den Supermarkt kurvt, findet sie in der Kühltheke genauso wie im Müsliregal. Abgebildet sind die Comic-Helden auf der Verpackung von Lebensmitteln, die speziell für Kinder hergestellt sind. Die Slogans für diese Produkte versprechen eine gesunde Ernährung und sind eingängig. Doch statt " lecker und gesund" sind die bunt verpackten Produkte häufig vor allem eines: Zuckerbomben und Fettfallen.

Gesetzlich geschützt ist der Begriff "Kinderlebensmittel" nicht. Dem Dortmunder Forschungsinstitut für Kinderernährung (FKE) zufolge ähneln sich die Produkte allerdings in vielen Punkten: Sie werben mit der Aufschrift "für Kinder", sind auffällig gestaltet oder speziell geformt. Sticker oder Spielfiguren locken die Kleinen. Vor allem bei Frühstücksflocken, Joghurt- und Milchprodukten sowie Fruchtsaftgetränken bieten die Hersteller solche - oftmals teuren - Extrawürste für Kinder an. Auch Tütensuppe, Kindertee oder panierte Geflügelwaren gehören mittlerweile zum Sortiment.

Zucker, Fett und Farbstoffe

Was wirklich in diesen Produkten steckt, hat das FKE bereits 2001 untersucht. Fast alle der 244 unter die Lupe genommenen Kinderlebensmittel waren mit Süßungsmitteln, hauptsächlich mit Zucker, versetzt. In einem Großteil fanden sich Aromastoffe. Auch die bunte Farbe war oft aus dem Chemielabor.

Die Untersuchung ist zwar schon einige Jahre alt, doch geändert hat sich seitdem nicht viel, sind sich Verbraucherschützer einig. "Zwar haben manche Hersteller die Zusammensetzung ihrer Produkte noch einmal überarbeitet", sagt Andrea Schauff von der Verbraucherzentrale (VZ) Hessen. Vor allem mit dem Einsatz von sogenannten Azofarbstoffen, die im Verdacht stehen, Aktivität und Aufmerksamkeit bei Kindern zu beeinträchtigen und daher seit 2010 mit einem Warnhinweis gekennzeichnet werden müssen, seien die Hersteller zurückhaltender. "Doch der Großteil der Kinderlebensmittel enthält noch immer zu viel Zucker, zu viel Fett, zu viel Salz und unnötige Zusatzstoffe", kritisiert die Ernährungswissenschaftlerin. Dies zeige eine Stichprobe aus dem Jahr 2009. Wirklich zu empfehlen sei keines der Produkte, so Schauff.

"Kinder werden durch solche Lebensmittel an den süßen und aromatisierten Geschmack gewöhnt", kritisiert auch Martin Rücker von Foodwatch. So werde ein falsches Geschmacksempfinden antrainiert: Wer immer stark gesüßt esse, für den schmeckten Produkte mit weniger Zucker bald fad. Problematisch auch: "Die Kinder lernen so, dass sie ihren Vitaminbedarf scheinbar auch allein mit Süßigkeiten decken können", sagt Rücker. "Den einzigen, denen Kinderlebensmittel etwas nutzen, sind die Hersteller."

Gesunder und natürlicher Anstrich

Zwischen 1997 und 2001 hat sich dem FKE zufolge der Markt an Kinderlebensmitteln verdreifacht. Aktuelle Zahlen gibt es zwar nicht. Doch Verbraucherschützer gehen davon aus, dass der Markt alles andere als schrumpft. "Die Regale sind noch immer voll von diesen Produkten", sagt Schauff. Allerdings habe sich mittlerweile die Werbestrategie geändert. Mit sogenannten "Clean Labels" würden Hersteller versuchen, auch Kinderlebensmitteln einen gesunden und natürlichen Anstrich zu geben. "Dann steht zum Beispiel 'ohne künstliche Aromen' drauf, doch zum Einsatz kommen natürliche Aromen, die auch nicht aus der Frucht stammen müssen", kritisiert die Verbraucherschützerin.  

"Kinderlebensmittel sind vollkommen überflüssig", sagt die Ernährungswissenschaftlerin Ursel Wahrburg von der Fachhochschule Münster. "Sie suggerieren häufig einen Gesundheitseffekt, den sie nicht haben." So sei zwar mit einer Schale Müsliflocken der halbe Tagesbedarf an Vitaminen zu decken, doch gleichzeitig würden die Kleinen so deutlich zu viel Zucker aufnehmen. "Die Aufmerksamkeit der Eltern wird gezielt in die falsche Richtung gelenkt", kritisiert die Ernährungswissenschaftlerin.

Mitunter hilft ein Blick auf das Inhaltsverzeichnis - und angeblich gesunde Kinderlebensmittel sind schnell als Zuckerbomben enttarnt. "Da die Zutaten nach der Menge aufgelistet werden, sollten Eltern vorsichtig sein, wenn Zucker und Fett ganz vorne stehen", sagt Wahrburg. Doch auch hier lauern Fallen. "Wenn Glukosesirup oder Maltose als erstes angegeben ist, identifizieren viele Verbraucher dies gar nicht als Zucker", sagt die Ernährungswissenschaftlerin.

  Der Markt an Kinderlebensmitteln ist groß

Der Markt an Kinderlebensmitteln ist groß

Produkte locken mit zusätzlichen Vitaminen

Um Lebensmittel attraktiv zu machen, versprechen die Hersteller gerne einen Zusatznutzen. Kinderprodukte werden daher immer öfter mit Nährstoffen angereichert. Die zugesetzten Vitamine finden sich vor allem in Müslis oder Cornflakes. Aber auch zusätzliches Kalzium im Quark soll zum Beispiel die Knochen stärken. Im Glauben, damit Wertvolles für ihre Kinder in den Einkaufswagen zu packen, greifen Eltern zu den Produkten.

Doch sinnvoll ist dies in den meisten Fällen nicht. Ein Glas Milch enthält mehr Kalzium und deutlich weniger Zucker oder Fett als zum Beispiel Schokolade mit Milchfüllung. "Werden mehrere mit Vitaminen und Mineralstoffen angereicherte Lebensmittel verzehrt, besteht die Gefahr, dass die die für Kinder empfohlene Tageszufuhr für diese Stoffe überschritten wird", sagt Schauff. Ein Zuviel an wasserlöslichen Vitaminen schade zwar nicht, weil der Überschuss ausgeschieden werde, sagt Wahrburg. "Aber der Nutzen verpufft." Den Bundesbürgern mangelt es auch gar nicht an Vitaminen, wie die zweite Nationale Verzehrstudie gezeigt hat. Wer sich ausgewogen ernährt, ist mit den meisten gut versorgt.

Keine Extrawurst

Kleine Kinder brauchen auch überhaupt keine Extrawürste. Eine Spezialkost ist nur bis zu einem Alter von einem Jahr notwendig, sind sich Ernährungswissenschaftler einig. "Dann gilt für Kinder, was für den Rest der Familie auch gilt: Die Ernährung sollte ausgewogen sein, mit viel Gemüse, Obst und Getreideprodukten, in Maßen Milchprodukte, Fleisch und Fisch und nicht zu viel Fett", sagt Wahrburg.

Dabei können auch mal Kinderlebensmittel auf den Tisch kommen. "Eltern sollten den Kindern dann allerdings bewusst machen, was diese Produkte in den meisten Fällen sind: schlichtweg Süßigkeiten", sagt Schauff.

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