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Ein Dickmacher erobert die Welt

Bubble Tea ist das Trendgetränk der Saison. Jetzt gibt es den klebrigen Mix auch bei McDonald's – die Kinder sind von dem bunten Gebräu begeistert, Ernährungswissenschaftler entsetzt.

Von Gernot Kramper

  Bubble Tea gibt es in unzähligen Geschmacksrichtungen, aber immer ist er süß.

Bubble Tea gibt es in unzähligen Geschmacksrichtungen, aber immer ist er süß.

Neonfarben, fette Strohhalme und ganz bunte Kugeln - Bubble Tea packt die knallbunte Manga-Ästhetik in den Getränkebecher. Vor einigen Tagen stieg auch McDonald's ins Teegeschäft ein. Um seine McCafé zu bewerben, passe das "Trendgetränk des Jahres" ideal, verkündete Matthias Becker, Marketingvorstand McDonald's Deutschland.

Bubble Tea jetzt auch im Fastfood-Restaurant. Was soll es, könnte man sagen. In deutschen Großstädten gibt es spezielle Bubble-Bars seit etwa zwei Jahren. Und trotzdem setzt McDonald's ein alarmierendes Zeichen: Was hier ins Sortiment gelangt, ist im Mainstream der Gesellschaft angekommen. Zudem wird jetzt offensiv mit dem Klebe-Tee geworben, während die kleinen Bars eher von Mund-Propaganda leben. Deutschland kann sich also darauf einrichten, dass Bubble-Tea auch zukünftig im Speiseplan deutscher Teenager verwurzelt bleibt.

Sensorisches Feuerwerk

Worum handelt es sich eigentlich? Das fröhlich-bunte Gemisch im Becher besteht aus Tee und Sirup und wird häufig mit Joghurt oder Milch gemischt. Der Clou sind erbsengroße, gummiartige Perlen in bunten Farben. Meist sind die Kügelchen als besonderes Geschmackserlebnis mit Sirup gefüllt. Manchmal bestehen sie aus geschmacksneutralem Tapioka, einem Stoff, der aus der Maniokwurzel hergestellt wird. Dem Schlürfen der Kugeln mit dem breiten Strohhalm dürfte der Bubble Tea einen Großteil seiner Beliebtheit verdanken. Denn er wird nicht einfach getrunken, durch seine Konsistenz wird er gesaugt und gelutscht. Zusammen mit dem Zuckerflash und den verschiedenen Artomastoffen verschafft Bubble Tea ein arg süßes Sinneserlebnis - das viele Erwachsene allerdings als überzuckert und künstlich zurückweisen. Bubble-Tea bietet dem Kunden zudem unendliche Kombinationsmöglichkeiten bei den Geschmacksrichtungen - McDonald's zählt 250.

Obendrein taugt der Tee auch als Gimmick. Teenies können den Halm als Blasrohr benutzen und die Kügelchen verschießen. Die "Bild"-Zeitung rief schon den Notstand wegen der Spuckattacken aus. Kein Wunder, dass das Wunder-Gebräu Milchshakes und andere Softdrinks verdrängt.

Kalorienbombe mit Nebenstoffen

Aber der Tee macht nicht nur Spaß, er hat es auch in sich: Angela Clausen von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen spricht von einer "Zuckerbombe". Schon mit einem 300-ml-Becher nimmt man bis zu 500 Kilokalorien zu sich, warnt sie. Die gleiche Menge Cola enthält 150 Kilokalorien. Bei McDonald's gibt es allerdings eine Diätvariante: Je nach Zusammensetzung soll der 0,3 Literbecher dort 135 bis 225 Kilokalorien enthalten - das entspräche anderen gesüßten Softdrinks. Hauptproblem ist der Sirup, der dem Mix erst Geschmack und Konsistenz verleiht.

Für eine Gesellschaft, die unter Fettleibigkeit leidet, ist die Tee-Innovation aus Asien ein schwerer Schlag. Ernährungswissenschaftler raten seit Jahren zu Wasser anstelle von Limonade. Sie müssen nun erleben, dass der Dickmacher aus dem Becher ihre Bemühungen konterkariert. Es ist zu befürchten, dass die Bubble-Kalorien zum allzu üppigen Kinder-Tagesmenü einfach hinzukommen. Denn Bubble Tea ist das Coffee-to-go-Erlebnis für Teenies. Beim gemütlichen Schlendern werden nun lustvoll die Sirupkügelchen eingesaugt - praktischerweise sind die Deckel mit dem Becher verschweißt, damit die bunte Brühe nicht überschwappt.

Dabei sind nicht nur die zusätzlichen Kalorien des Tees problematisch. Verbraucherschützerin Clausen stört auch, dass niemand genau weiß, was im Tee eigentlich drin ist. Der Grund: Das Gebräu wird nicht standardisiert hergestellt, sondern in der Bar angemischt. "Es gilt daher als lose Ware, deshalb ist die Deklarationspflicht vermindert", so Angela Clausen. Damit können sich auch Farb- und Konservierungsstoffe oder Aromen und Säuerungsmittel im Becher befinden. Bei einer Stichprobe hatte die Verbraucherzentrale Bayern genau diese Stoffe in dem Tee gefunden, ohne dass sie immer klar gekennzeichnet worden sind. Außerdem fürchtet die Expertin, dass giftige Weichmacher durch die Transportverpackung in den Tee gelangen könnten.

Im Internet sind die Reaktionen auf den Bubble Tea von McDonald's geteilt. Der Gutschein, der den Tee auf 1,99 Euro verbilligt, wird erwartungsgemäß begrüßt. Einhellig wird kritisiert, dass der Deckel bei McDonald's nur aufgesetzt und nicht verklebt wird. Einige Kunden urteilen, der Fastfood Tee schmecke wie in anderen Bars auch, anderen ist der kalorienärmere Tee nicht aromatisch und süß genug.

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