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Operationen als letzter Ausweg

Vielen adipösen Menschen nützen weder Medikamente noch Diäten oder Sport. Eine Operation erscheint ihnen als einziger Ausweg. Doch ein Eingriff hilft nicht allen Betroffenen - und birgt Risiken.

  Verschiedene Operationen können extrem Übergewichtigen helfen

Verschiedene Operationen können extrem Übergewichtigen helfen

Manchmal ist das Übergewicht so enorm, dass der eigene Körper zur lebensbedrohlichen Last wird. Viele der Betroffenen können sich meist nicht einmal mehr die Schuhe selbst zubinden. Sie sind kaum noch imstande, die Wohnung zu verlassen, weil sie keine Treppen mehr steigen können oder weil sie vermeiden wollen, auf der Straße von Passanten angestarrt zu werden. Ihr starkes Übergewicht treibt sie in die Isolation. Manche Adipöse nutzen dann das letzte Mittel der Wahl: einen chirurgischen Eingriff an Magen oder Darm.

Mit anderen Methoden ist ihrem krankhaften Leibesumfang in diesem Stadium kaum beizukommen. Jenseits eines Body-Mass-Indexes von 40 nützen Medikamente, Diäten oder Sport oft nur noch wenig. Im Gegenteil belasten sie den Patienten häufig psychisch, weil er sich nach jeder beendeten Therapie das Ausgangsgewicht rasch wieder anfuttert. Denn sein Magen ist trotz eines verringerten Energiebedarfs nach wie vor drei bis viermal so groß wie der eines Normalgewichtigen, das Sättigungsgefühl setzt somit erst viel später ein.

Seit Jahren steigt die Zahl dieser Superdicken rapide. Deutschland zählt neben den USA und Kuwait zu den Spitzenreitern in punkto Fettleibigkeit. Viele der Schwergewichtigen leiden infolge ihrer Fülle an Depressionen, Diabetes, Bluthochdruck, Schlafapnoe und Gelenkverschleiß. Diese Begleiterkrankungen sind es, die behandelt werden, denn sie verschlechtern nicht nur die Lebensqualität, sondern verkürzen auch das Leben.

Der Magen wird kleiner oder der Darm kürzer

Die sogenannte Adipositas-Chirurgie setzt heute auf mehrere Prinzipien: Wenn der Magen kleiner ist, kann er weniger Nahrung aufnehmen. Wenn der Darmtrakt verkürzt ist, nimmt der Patient weniger Kalorien und Nährstoffe auf, denn es fehlt an Fläche, um sie zu resorbieren. Und wenn die Nahrung nicht mehr durch den Zwölffingerdarm gleitet, wirkt sich das sehr günstig auf bestimmte, sehr wichtige Hormone aus.

Studien zeigen, dass die Eingriffe das Risiko, an einer Folgeerkrankung des Übergewichts zu sterben, senken. Jedes abgespeckte Kilogramm steigert die Lebenserwartung um drei bis vier Monate. Dennoch rät die Deutsche Adipositas-Gesellschaft zur Vorsicht. Einige Verfahren seien mit erheblichen Risiken verbunden. „Man muss die möglichen Risiken einer Operation aber gegen die Risiken abwägen, die das Nichtstun mit sich bringen kann“, sagt Oliver Mann, Chirurg am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.

Derartige Operationen sollten grundsätzlich als letzte Möglichkeit bei stark Übergewichtigen und nur bei Erwachsenen vorgenommen werden, sagt die Deutsche Adipositas-Gesellschaft. Bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren sind operative Maßnahmen die Ausnahme. Viel wirkungsvoller seien bei ihnen vorbeugende Maßnahmen wie das Umstellen der Ernährung oder Sport, weil sich der Körper noch entwickle.

Generell gilt: Keines der Operationsverfahren reicht allein aus, um dauerhaft die Gesundheit schwer Übergewichtiger zu verbessern. Der Patient muss willens und bereit sein, sein Leben umzustellen. Immerhin ändern sich durch den Eingriff Anatomie und Verdauung enorm. Der Operierte kommt also gar nicht umhin, seine Essgewohnheiten und seinen Lebensstil zu verändern.

  Abgeschnürt: Durch das Silikonband entsteht ein kleiner Vormagen

Abgeschnürt: Durch das Silikonband entsteht ein kleiner Vormagen

Magenband

Das Magenband zählt zu den gängigen Methoden in der Adipositas-Chirurgie. Etwa 1500 solcher verstellbarer Gürtel zurren Ärzte pro Jahr um die Mägen übergewichtiger Deutscher. Früher wurde die Bauchdecke großräumig geöffnet, heute operiert der Chirurg mittels Schlüssellochtechnik. Das mindert die Risiken während des Eingriffs.

Per Laparoskop legt der Chirurg ein Silikonband um den Magen, das wie eine Schlinge einen kleinen Teil des oberen Magens vom großen Restmagen trennt. Die Nahrung sammelt sich im Vormagen und rutscht nur sehr langsam durch das enge Nadelöhr, das das Band offen lässt. Schnell ist der kleine, vordere Teil gefüllt und drückt auf die Magenwand. Schon nach wenigen Bissen stellt sich rasch ein Sättigungsgefühl ein.

Das Band lässt sich enger oder weiter stellen, je nachdem, wie schnell und wie viel der Betroffene abnehmen soll. Es zwingt ihn, weniger zu essen und sorgfältiger zu kauen. Das lässt die Pfunde schwinden. In einem Jahr sind bis zu 60 Prozent der Operierten zwei Drittel ihres Übergewichtes los. Wer jedoch mit kalorienreicher Flüssignahrung wie Cola oder Milchshakes trickst oder seine Aktivität nicht dauerhaft stärkt, also regelmäßig mehr Sport treibt, für den ist die Methode wenig Erfolg versprechend. Deshalb ist das Magenband für viele Patienten ungeeignet.

Kein unbeschwertes Dinner mit Freunden

Um das Gewicht zu halten, bleibt das Band lebenslang im Körper. Das beeinträchtigt die Essgewohnheiten und vor allem den Lebensstil: Die Magenschlinge kann zum Beispiel ein Dinner mit Freunden etwas erschweren. Er muss sich Zeit beim Essen lassen und sich darauf konzentrieren, sorgfältig zu kauen und keine größeren Klumpen herunterzuschlucken. Sonst passen die Nahrungsbrocken nicht durch den Engpass, drücken auf die Magenwand und verursachen Schmerzen. Das kann ein Gespräch ein wenig bremsen. Essen Betroffene dennoch auf Dauer mehr, als das winzige Reservoir im Magen erlaubt, kann sich die Speiseröhre dehnen. Folgen sind schmerzhafte Entzündungen und Sodbrennen.

Mitunter kann das Band im Laufe der Zeit aber auch nach oben rutschen, sodass es den Vormagen förmlich abklemmt. Der Operierte bekommt keinen Bissen mehr herunter und sollte schleunigst zum Arzt gehen. In sehr seltenen Fällen wächst das Band in die Magenwand ein und muss komplett entfernt werden.

  Geteilt und abgetrennt: Das Organ hat nur noch das halbe Volumen

Geteilt und abgetrennt: Das Organ hat nur noch das halbe Volumen

Schlauchmagen

Chirurgen können Mägen operativ verkleinern, zum Beispiel können sie aus dem beutelförmigen Organ ein schlauchförmiges machen. Betroffene mit Schlauchmagen können einfacher verdauen als jene, die sich ein Magenband haben einlegen lassen.

Um einen Schlauch aus dem Magen zu machen, entfernt der Chirurg große Teile des Magens. Die entsprechende Operationsmetode heißt Sleeve-Gastrektomie. Mit einem Schlauchmagen kann die Betroffene kleinere Portionen normal essen, denn das Organ behält seine natürliche Beweglichkeit. Daneben wird eine Produktionsstätte für ein wichtiges Hormon entfernt, das sich negativ auf das Hunger- und Sättigungsgefühl auswirkt. Doch es gibt auch Risiken: Isst der Operierte auf Dauer viel mehr, als es die enge Magenröhre erlaubt, kann sich der Magen auch wieder ausdehnen. Außerdem kann die Klammernaht, mit der die Außenseite des Magens vernäht ist, direkt nach der Operation bluten oder sich stellenweise sogar lösen - der Magen bekommt Löcher.

  Vom kleinen Vormagen rutscht die Speise direkt in den Dünndarm hinein

Vom kleinen Vormagen rutscht die Speise direkt in den Dünndarm hinein

Magenbypass

In bestimmten Fällen kombinieren Ärzte Magen verkleinernde Eingriffe mit sogenannten malabsorptiven Verfahren: Der Darmtrakt wird so umgebaut, dass weniger Nährstoffe aufgenommen werden können.

Das hierzulande gängigste Kombiverfahren ist ein Magenbypass. Dieser stellt zurzeit den besten Standardeingriff für die meisten Patienten dar. Dabei wird der Magen im oberen Teil durchtrennt. Am Eingang bleibt ein kleiner Vormagen übrig, der etwa das Fassungsvermögen eines Schnapsglases hat. Den Ausgang des Vormagens vernäht der Chirurg mit einer hochgezogenen Schlinge des Dünndarms.

Die Nahrung wird in den Dünndarm befördert, wobei der Zwölffingerdarm umgangen wird. Die Verdauungssäfte werden dann erst viel später dazu geleitet. Durch den großen Rest des Magens und den Zwölffingerdarm gelangt keine Nahrung mehr. Sie werden aber nicht entfernt, sondern bleiben mit dem Dünndarm verbunden und dienen als Zuleitung für Verdauungssäfte aus Galle und Bauchspeicheldrüse.

Je weiter unten am Dünndarm der Vormagen angenäht wird, desto stärker wirkt sich die Operation aus. Denn je kürzer das Stück Dünndarm ist, desto weniger Zeit bleibt den Verdauungsenzymen, die Nahrung in ihre Bestandteile zu zerlegen. Was nicht zerlegt werden kann, scheidet der Körper wieder aus.

Betroffene müssen lebenslang Vitaminpillen einnehmen

Etwa 75 Prozent ihres Übergewichts verlieren Patienten infolge dieses Eingriffs. Die Methode wird vor allem bei Adipösen mit einem Body-Mass-Index über 45 durchgeführt und bei stark übergewichtigen Menschen mit Diabetes Typ 2. Laut mehreren Studien müssen mehr als 80 Prozent der Zuckerkranken drei Monate danach keine Medikamente mehr nehmen.

Allerdings sind sie wegen der schlechteren Nährstoffverwertung lebenslang auf Vitamin- und Mineralstoffpräparate angewiesen, sonst können schwere Mangelerscheinungen wie Blutarmut, Haarausfall oder Osteoporose auftreten. Das nehmen manche aber gerne in Kauf, vor allem Menschen mit Diabetes, für die das tägliche Spritzen zur Blutzuckereinstellung womöglich entfällt. Zudem besteht bei diesem wie bei anderen malabsorptiven Verfahren die Gefahr, dass die komplizierten Nahtstellen zwischen Magen und Darm platzen.

  Ausgeklinkt: Ein großer Abschnitt des Dünndarms wird lahmgelegt

Ausgeklinkt: Ein großer Abschnitt des Dünndarms wird lahmgelegt

Duodenal Switch

Noch radikaler als ein Magenbypass ist ein so genannter Duodenal Switch. Bei dieser Operation näht der Arzt aus dem Magen einen schmalen Schlauch, der nur noch ein Viertel des ursprünglichen Volumens hat.

Diesen Restmagen verbindet der Chirurg mit einer Dünndarmschlinge. So wird ein großer Dünndarmabschnitt ausgeklinkt. Erst kurz vor der Einmündung in den Dickdarm kommen die Verdauungssäfte aus Bauchspeicheldrüse und Gallenblase mit dem Nahrungsbrei zusammen.

Mit diesem Eingriff lässt sich zwar der größte Gewichtsverlust erzielen – er zählt aber auch zu den riskantesten Operationen. Deshalb wird er meist nur bei sogenannten Super-Obese - Menschen mit einem Body-Mass-Index über 60 - durchgeführt.

Diese Operation greift massiv in die Stoffwechselvorgänge ein. Das kann unangenehme Begleiterscheinungen verursachen, etwa starke Durchfälle und Blähungen. Auch hier muss der Operierte lebenslang Pillen mit Vitaminen und Mineralstoffen schlucken. Tut er das nicht, können schwere Mangelerscheinungen wie Blutarmut, Haarausfall oder Osteoporose auftreten. Deshalb bleibt diese Art der Operation nur wenigen, schwer kranken Patienten vorbehalten.

  Der Schrittmacher sitzt im Bauch, die Elektroden in der Magenwand

Der Schrittmacher sitzt im Bauch, die Elektroden in der Magenwand

Magenschrittmacher

Ein neues Verfahren, das zurzeit in Studien geprüft wird, ist die Magenstimulation. Ein Magenschrittmacher gleicht einem Herzschrittmacher: Elektroden geben elektrische Impulse in das Organ. Die Elektroden des Magenschrittmachers sitzen in der Magenwand.

Die Impulse, die von ihnen ausgehen, wirken der Peristaltik entgegen, also der natürlichen Muskelbewegung, mit der der Speisebrei in Magen und Darm weitertransportiert wird. Die Nahrung wird nur langsam weiterbefördert, der Übergewichtige verspürt weniger Appetit.

Dass der Schrittmacher beim Abnehmen hilft, konnten Forscher bislang jedoch nicht beweisen. Studien belegen aber, dass der Apparat bei stark Übergewichtigen mit Typ-2-Diabetes Symptome verbessert. Vermutlich, weil dadurch der Magen-Darm-Trakt anders als zuvor Stoffwechselhormone ausschüttet.

Regt der Magenschrittmacher die Verdauung zu sehr an, können Sodbrennen, Magenknurren und unregelmäßiger Stuhlgang auftreten - von Verstopfung bis zu Durchfall. Isst der Operierte zu viel, wird ihm mitunter schlecht. Manche Betroffenen verspüren im Bereich der Magenwand ein leichtes Kribbeln direkt unter der Haut. Wie bei einem Herzschrittmacher können Metalldetektoren, wie sie etwa auf Flughäfen zu finden sind, das Gerät zusätzlich stimulieren.

Wie hilfreich diese Behandlung im Vergleich zu anderen ist, können Experten derzeit noch nicht abschätzen. Womöglich kommt dieses Verfahren, falls überhaupt, nur für eine sehr kleine Gruppe der Patienten in Betracht. "Für 98 Prozent der Patienten wird der Schrittmacher wahrscheinlich ungeeignet sein", sagt der Hamburger Chirurg Oliver Mann. Studien werden dies bald zeigen, hofft er. "Die meisten Patienten gewöhnen sich an das zunächst unangenehme Gefühl, wie man sich beispielsweise an den Lärm gewöhnt, wenn man an einer Autobahn wohnt. Danach beginnen die meisten aber wieder, mehr zu essen. Das verursacht Schmerzen. Außerdem ist die Lebensdauer der Batterien sehr begrenzt."

Kirsten Milhahn

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