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Pferdefleischskandal weitet sich aus

Die EU diskutiert an diesem Mittwoch den Pferdefleischskandal. In Großbritannien wurden Betriebe geschlossen, in Frankreich erstmals falsch deklarierte Ware entdeckt. Deutschland ist weiter außen vor.

  Tatort Frankreich: In einem Produkt des Tiefkühlprodukte-Herstellers Picard wurde nicht deklariertes Pferdefleisch nachgewiesen

Tatort Frankreich: In einem Produkt des Tiefkühlprodukte-Herstellers Picard wurde nicht deklariertes Pferdefleisch nachgewiesen

Im Zuge des Pferdefleisch-Skandals ist nun erstmals auch bei Fertiggerichten in Frankreich falsch deklariertes Fleisch entdeckt worden. Der Tiefkühlkost-Anbieter Picard teilte am Dienstag mit, in zwei Chargen Bolognese-Fertiglasagne sei Pferdefleisch nachgewiesen worden. Die Chargen waren demnach bereits vergangene Woche vorsorglich aus dem Handel genommen worden. Ähnlich haben auch Supermärkte in Deutschland gehandelt. Hierzulande gibt es bisher weiterhin keinen Befund. Die EU-Landwirtschaftsminister werden an diesem Mittwoch über den Skandal beraten.

Bislang war im Zuge des Skandals nur in Großbritannien Fertiglasagne entdeckt worden, die Pferdefleisch enthielt, obwohl auf der Verpackung Rindfleisch angegeben war. Betroffen ist der Anbieter Findus.

Betriebe in Großbritannien geschlossen

Die britische Lebensmittelaufsicht FSA verfolgt inzwischen eine erste heiße Spur. Nach einer Razzia wurden zwei Fleischverarbeitungsbetriebe in England und Wales geschlossen. Der Betreiber eines Schlachthofs in der Grafschaft Yorkshire in Nordengland steht unter dem Verdacht, geschlachtete Pferde an einen Betrieb in der Grafschaft Pembrokeshire in Wales weitergegeben zu haben. Das Fleisch wurde vermutlich zu Burger-Frikadellen und Kebabs verarbeitet. Polizisten und Lebensmittelkontrolleure beschlagnahmten in den beiden Betrieben Fleisch, Dokumente und Kundenlisten, hieß es weiter.

Eine Sprecherin des Bundesverbraucherschutzministeriums in Berlin sagte am Dienstag, es gebe weiterhin keine Anhaltspunkte, dass falsch deklarierte Fleischprodukte in den Handel gelangt seien. Ministerin Ilse Aigner (CSU) forderte eine schnelle Aufklärung des Skandals. "Was drauf steht, muss auch drin sein - darauf müssen sich Verbraucher verlassen können", stellte die Bundesministerin fest.

Supermärkte prüfen weiter ihre Eigenmarken

Deutsche Supermärkte nahmen vorsorglich Fertigmahlzeiten aus den Regalen. Die deutschen Unternehmen haben aber - anders als jene in Großbritannien und Frankreich - bislang keine Bestätigung für Pferd statt Rind in ihren Produkten.

Real stoppte den Verkauf seiner "TiP"-Lasagne und der "Mini Cheeseburger", wie ein Sprecher am Dienstag mitteilte. Zuvor hatte Kaiser's Tengelmann einen Verkaufsstopp für die "A&P"-Tiefkühl-Lasagne bestätigt. Edeka lässt derzeit "alle relevanten Eigenmarkenprodukte prüfen". Auch die zuständigen Behörden haben Lebensmittelkontrollen intensiviert.

Unterdessen hält die EU-Kommission trotz des Skandals eine Änderung der Kennzeichnungsregeln für Fertigprodukte mit Fleisch für unnötig. Es sei "verfrüht", Angaben über die Herkunft verarbeiteten Fleischs verpflichtend zu machen, sagte am Dienstag der Sprecher von Verbraucherschutz-Kommissar Tonio Borg.

Während seit dem Auftreten der Rinderkrankheit BSE die Herkunft von frischem Rindfleisch im Handel angegeben werden muss, reicht auf Fertigprodukten die Angabe, welches Fleisch verarbeitet wurde - nicht jedoch, woher es stammt. Dabei will es Borg vorerst belassen. Die Regeln zur Zurückverfolgbarkeit von Fleisch funktionierten, verteidigte der Kommissionssprecher bestehende Bestimmungen zum Umgang mit Fleisch.

Borg berät an diesem Mittwoch auf EU-Ebene über die Folgen des Skandals. Da Deutschland bisher nicht betroffen ist, plant die Bundesregierung nach Angaben von EU-Diplomaten keine Teilnahme. Das Treffen soll dem Informationsaustausch dienen. Teilnehmen sollen Vertreter von Frankreich, Großbritannien, Luxemburg, Schweden, Rumänien und Polen und der EU-Kommission. Irland, das derzeit die Ratspräsidentschaft der EU innehat, leitet das Treffen. Konkrete Beschlüsse sind allerdings nicht zu erwarten, heißt es.

dho/DPA/AFP/DPA
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