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So leisten Sie im Notfall Erste Hilfe

Mit dem Messer abgerutscht, auf die heiße Herdplatte gelangt oder unglücklich gestürzt? Wir zeigen, wie Sie in Notsituationen einen klaren Kopf behalten – und effektiv Erste Hilfe leisten.

Von Ilona Kriesl

  Mit dem Messer geschnitten oder am heißen Wasser verbrannt: Der Alltag steckt voller Gefahren.

Mit dem Messer geschnitten oder am heißen Wasser verbrannt: Der Alltag steckt voller Gefahren.

Noch schnell den Tee aufbrühen, das Messer nachschärfen oder den Grill anzünden: Tagtäglich umgeben uns Dinge, an denen wir uns verletzen, verbrennen oder schneiden können. Dennoch wissen nur die wenigsten, was in Notsituationen zu tun ist.

stern.de hat gängige Notfälle gesammelt und zeigt, wie man sich als Ersthelfer am besten verhält. So bewahren Sie Ruhe, wenn etwas passiert ist und retten im Ernstfall Leben.

Knochenbrüche

Die Person klagt über Schmerzen, Arm oder Bein sind unnatürlich verkrümmt und in ihrer Bewegung eingeschränkt: Diese Anzeichen deuten auf einen Knochenbruch hin. Bei sogenannten offenen Brüchen ragt zusätzlich ein Stück des gesplitterten Knochens aus der Wunde. Was ist jetzt zu tun?

Versuchen Sie niemals, den Bruch einzurenken oder zu bewegen. Bei gebrochenem Arm stülpen Sie den unteren Teil des Hemdes über den Arm und befestigen den Stoff mit einer Sicherheitsnadel. Ist das Bein gebrochen, legen Sie den Patienten auf den Boden und stützen das Bein mit Kissen, Kleidung oder einer Tasche. Das lindert die Schmerzen. Offene Brüche decken Sie zusätzlich mit einer sterilen Wundauflage ab – geschlossene Brüche kühlen Sie mit feuchten Tüchern und Wasser. Benachrichtigen Sie den Notarzt über die Rufnummer 112. Bleiben Sie beim Patienten, bis der Rettungsdienst eingetroffen ist, beruhigen und trösten Sie ihn.

Verbrennungen und Verbrühungen

Löschen Sie brennende Kleidungsstücke umgehend mit Wasser! Ist das nicht möglich, wälzen Sie brennende Personen auf dem Boden und versuchen, die Flammen mit einer Rettungsdecke (aus dem Verbandskasten) oder einem Mantel zu ersticken. Mit der Haut verklebte Kleidung darf nicht entfernt oder abgerissen werden. Anders sieht es bei Verbrühungen aus: Hier lässt sich die Kleidung meist problemlos lösen und sollte rasch, aber vorsichtig entfernt werden.

Kleinere Verbrennungen und Verbrühungen, beispielsweise am Finger, können Sie im Anschluss für etwa zwei Minuten mit Wasser kühlen. Das lindert den Schmerz. Achten Sie darauf, die Kühlung nur auf die verletzte Körperstelle zu begrenzen. Großflächige Verbrennungen werden nicht gekühlt – sonst besteht die Gefahr einer Unterkühlung. Bedecken Sie die Wunde mit sterilen Verbandtüchern, reden Sie mit dem Patienten und trösten Sie ihn. Niemals Hausmittel auf die Verbrennung auftragen oder Brandblasen selbstständig öffnen! Hüllen Sie den Patienten in eine Decke, wenn er friert. Bei größeren Verbrennungen und bei Unwohlsein alarmieren Sie den Rettungsdienst unter der Rufnummer 112.

Vergiftungen

Vergiftungsfälle sind für den Laien oft schwer zu erkennen. Erste Hinweise geben Symptome wie Übelkeit, Erbrechen, Schmerzen in der Bauchgegend, Schwindel, Kopfschmerzen oder eine Bewusstseinseintrübung. Sehen Sie sich in der näheren Umgebung um! Finden Sie Medikamente, leere Flaschen, Giftreste oder Hinweise auf einen Suizidversuch? Alarmieren Sie den Notruf über die Rufnummer 112!

Stellen Sie das mutmaßliche Gift sicher und fangen Sie Erbrochenes in einem Behältnis auf. Das erleichtert später die Diagnose. Achten Sie auf die Atmung des Patienten und bringen Sie ihn in die stabile Seitenlage, wenn er bewusstlos wird. Kommt es zu einem Kreislauf-Stillstand oder setzt der Atem aus, beginnen Sie mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung.

Dafür knien Sie sich neben den Patienten und legen beide Hände übereinander auf den Brustkorb - und zwar auf die Mitte des Brustbeins. Mit durchgestreckten Armen und einer Frequenz von 100 bis 120 Druckstößen pro Minute beginnen Sie mit der Herzmassage. Drücken Sie dabei den Oberkörper einige Zentimeter tief ein.

Nach je 30 Druckstößen beatmen Sie den Patienten zweimal von Mund zu Mund oder Mund zu Nase. Unerfahrene Ersthelfer können sich auch auf die Herzdruckmassage konzentrieren und die Atemspende weglassen. Fahren Sie mit der Wiederbelebung fort, bis der Notarzt eingetroffen ist.

Wunden

Ziehen Sie Einmalhandschuhe an und bitten Sie die betroffene Person, sich zu setzen oder zu legen. Bedecken Sie die Wunde mit einem keimfreien Tuch. Verwenden Sie keine Desinfektionsmittel, Sprays oder Salben. Die Wunde nicht berühren oder auswaschen – so minimieren Sie das Risiko einer Infektion.

Stecken Fremdkörper (Glasscherben, Messer) in der Wunde, dürfen sie nicht entfernt werden, da sonst die Gefahr einer Verblutung besteht. Ist die Blutung nicht zu stoppen, machen Sie einen Druckverband. Dafür legen Sie ein geschlossenes Verbandpäckchen auf das Tuch und binden es unter Druck fest. Alarmieren Sie den Rettungsdienst unter der Rufnummer 112. Trösten und beruhigen Sie die Person bis zum Eintreffen des Notarztes.

Insektenstiche und Allergischer Schock

Stiche von Bienen, Wespen und Hornissen sind schmerzhaft, aber in der Regel harmlos. Gefährlich wird es dagegen bei Stichen im Mund- oder Rachenraum und bei Allergikern: Dann droht Lebensgefahr. Stiche im Mundraum müssen umgehend gekühlt werden, am besten von innen und außen. Alarmieren Sie den Rettungsdienst (Notruf: 112)! Geben Sie der Person Eiswürfel oder Eis zum Lutschen. Kühlen Sie den Hals von außen mit feuchten Tüchern oder Kühlelementen.

Symptome wie Juckreiz, Zungenbrennen, Hautschwellungen, Atemnot und Schwindel deuten auf einen Allergischen Schock infolge eines Insektenstiches hin. Rufen Sie umgehend den Rettungsdienst! Ein Allergischer Schock ist ein Notfall und kann zu einem Herz-Kreislauf-Stillstand führen.

Lagern Sie den Patienten mit angehobenen Beinen und wickeln Sie ihn in eine Decke. Hat er ein Notfallset bei sich, geben sie ihm die Arznei - in der Regel ein Antihistaminikum, ein Kortisonpräparat und eine Adrenalinspritze - in dieser Reihenfolge und noch bevor der Arzt eintrifft. Entfernen Sie den Stachel, wenn er noch in der Haut steckt. Kontrollieren Sie die Atmung und das Bewusstsein des Patienten. Wird er ohnmächtig, bringen Sie ihn in die stabile Seitenlage. Setzt die Atmung aus, beginnen Sie mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung.

Wissenschaftliche Beratung: Prof. Dr. Peter Sefrin, Bundesarzt beim Deutschen Roten Kreuz

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