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19. Mai 2010, 17:15 Uhr

Zulassung von Fleischkleber gestoppt

Schinken ist nicht gleich Schinken. Manchmal handelt es sich dabei um mit Enzymen zusammengeklebte Fleischstücke. Jetzt hat das EU-Parlament dafür gesorgt, dass ein weiteres Klebeenzym nicht zugelassen wird. Billiges Formfleisch ist damit allerdings nicht vom Tisch.

Formfleisch, Klebefleisch, EU-Parlament, Transglutaminase

Gewachsenes Fleisch oder Klebeschinken? Für Verbraucher ist das kaum zu erkennen© Uwe Zucchi/DPA

Bei manchem Lachs-, Nuss- oder luftgetrocknetem Schinken vergeht Verbrauchern der Appetit. Statt Spitzenqualität wird hier Zusammengepuzzeltes geliefert: Kleine Fleischstücke werden mit Enzymen zu größeren zusammengeklebt. Nun hat das Europaparlament die Zulassung eines umstrittenen Enzyms für das sogenannte Klebefleisch vorerst gestoppt. Die EU-Volksvertretung lehnte am Mittwoch mit knapper Mehrheit einen Verordnungsentwurf der EU-Kommission ab, mit dem das Enzym Thrombin als Lebensmittelzusatzstoff zugelassen werden sollte.

Mit dem Veto wandte sich die Straßburger Volksvertretung gegen eine mögliche Irreführung der Verbraucher. Ein aus Fleischresten zusammengeklebter Schinken soll nicht als hochwertiger Vollschinken verkauft werden dürfen, befanden die Parlamentarier. "Das ist allerdings nur ein Teilerfolg", sagt Anne-Katrin Wiesemann von der Verbraucherzentrale Sachsen. "Dadurch wird Formfleisch nicht vom Markt verschwinden."

Formfleisch muss gekennzeichnet werden

Denn um Form- oder Klebefleisch herzustellen, wird bereits ein anderes Enzym verwendet: Transglutaminase. "Als Zutat ist der Einsatz dieses Enzyms in Deutschland erlaubt", sagt Wiesemann. Auf Thrombin sind die Hersteller daher gar nicht angewiesen, wenn sie billiges Fleisch oder günstigen Schinken herstellen wollen. "Handelt es sich um Formfleisch, sind Hersteller allerdings verpflichtet, das kenntlich zu machen", sagt Wiesemann. Sie rät Verbrauchern daher, die Verpackung und die Zutatenliste genau zu studieren.

Thrombin wird da in nächster Zeit als Lebensmittelzusatzstoff jedenfalls nicht draufstehen. Vor der Abstimmung im Europaparlament hatte EU-Gesundheitskommissar John Dalli zwar noch für ein Ja zu der Zulassung des Enzyms geworben. Das aus Schweineblut gewonnene Enzym sei gesundheitlich unbedenklich, sagte er. Zudem gebe das Klebeverfahren Verbrauchern die Möglichkeit, billigeres Fleisch zu kaufen. Nach dem Veto des Europaparlaments muss die Kommission nun einen neuen Entwurf vorlegen.

"Täuschung der Verbraucher"

Doch gegen die Zulassung des Fleischklebers stimmten vor allem Vertreter der linken Fraktionen und die Grünen. "Ein Steak muss ein Steak bleiben", sagte der Vorsitzende des Umweltausschusses, Jo Leinen (SPD). Das Zusammenkleben von Kleinstfleischteilen sei "unappetitlich, gesundheitlich nicht unbedenklich und eine klare Täuschung der Verbraucher", erklärte die Verbraucherschutzexpertin der sozialistischen Fraktion, Dagmar Roth-Behrendt (SPD). Konservative und Liberale lehnten das Verbot hingegen ab. Sie forderten stattdessen eine klare Kennzeichnung von mit Thrombin zusammengeklebten Fleischstücken. Das Enzym sei tierischen Ursprungs und nicht gefährlich, betonte die CDU-Abgeordnete Renate Sommer. Allerdings dürfe dem Verbraucher nicht vorgegaukelt werden, er kaufe ein Stück gewachsenen Schinken, wenn es sich in Wirklichkeit um zusammengeklebte Schinkenstücke handele. Thrombin und ähnliche Zutaten tierischen Ursprungs würden von Metzgern "seit Jahrhunderten" verwendet, etwa zur Herstellung von Blut- und Leberwurst, betonte der FDP-Abgeordnete Holger Krahmer.

Dies bestätigte eine Expertin des Gesundheitsausschusses. Nach ihren Angaben werden Thrombin und ähnliche Stoffe bereits bei der Herstellung von Lebensmitteln, etwa Wurstwaren, eingesetzt - allerdings als sogenannte "technische Hilfsmittel", nicht als Lebensmittelzusatzstoffe. Die sozialistische Fraktion will nach Angaben einer Sprecherin daher erreichen, dass die EU-Kommission auch die "technischen Hilfsmittel" der Lebensmittelindustrie unter die Lupe nimmt. Derzeit gebe es da einige "rechtliche Lücken", die noch zu schließen seien.

lea/DPA/AFP
 
 
KOMMENTARE (8 von 8)
 
Freddylein (20.05.2010, 10:26 Uhr)
Typisch....
das die FDP so etwas als normal bezeichnet. Die steht ja auch nicht auf der Verbraucherseite....
Swissmiss (20.05.2010, 09:51 Uhr)
das resultat von billig
Guten Qualität schliesst bei gewissen Lebensmitteln billig aus. Ein Stück weit sind die Deutschen auch selbst schuld, dass ihnen solche Lebensmittel wie Klebefleisch und Analogkäse vorgestzt werden. Ein guter Käse besteht nun mal aus unmengen Milch und je nach dem einer langen Lagerung. All dies kostet. Ähnliches gilt beim Fleisch: Die Aufzuch der Tiere verschlingt viel Zeit und unmengen an Energie. Also auch kostenintensiv.
In andern Ländern würden die Menschen solche Dinge gar nicht kaufen, da sie für Qulität zu zahlen bereit sind. Ergo findet man sie gar nicht oder kaum in den Läden. Allerdings finde ich es nicht mehr als fair, solche Verfahren auf der Verpackung zu deklarieren. Jeder hat das Recht drauf zu erfahren, was er überhaupt kauft und isst.
Bruddler07 (20.05.2010, 09:42 Uhr)
Formfleisch
gibt es seit fast 30 Jahren, es gibt knapp ein Dutzend Methoden aus der 'guten Praxis des Metzgerhandwerks' um wertvoll Fleischstücke zu verbinden. Erst die heute übliche Skandalisierung einer weiteren Methode als 'Klebefleisch' macht das Ganze auf einmal zum 'Verbrechen'. Letztlich wird die Hype von interessierten Gruppen wie foodwatch inszeniert, die nur an der Steigerung ihres Spendenaufkommens interessiert sind und wissen, daß bei entsprechender Medienpräsenz Politik und viele Verbraucher über jedes Stöckchen springen...
meg04vi (20.05.2010, 09:34 Uhr)
Das ist nur die Spitze vom Eisberg
Die wirklich wiederlichen Machenschaften gehen munter weiter. In dem Buch "Die Fleischmafia" wird das hervorragend dargestellt. Wer es gelesen wird nie wieder auf den Gedanken kommen Industriefleisch zu essen!
Corazito3333 (20.05.2010, 09:03 Uhr)
Verbrauchertäuschung
Wo Formfleisch drin is, muß Formfleisch draufstehen....... dto. Analogkäse.
Aber es geht darum Verbraucher zu täuschen, also wird ein Wort eine Bezeichnung gesucht, die das verschleiert!!!
DarkSpir (20.05.2010, 08:40 Uhr)
Verschwinden muss es nicht...
...aber Kennzeichnen finde ich gut. Und zwar nicht so Lari-Fari wie beim Käse. Wenn es Formfleisch ist, darf es auch nur Formfleisch heißen, meinetwegen "Formfleisch in Schinkenform" oder "Schinkenähnliches Formfleisch". Auf der Packung mit den Tofu-Bratwürsten steht ja auch nicht groß Bratwurst und in den Zutaten auf der Rückseite klein Tofu drauf.

Wenn dann auf dem Käse tatsächlich auch nur "Analogkäse (mit Gouda-Geschmack)" vorne drauf steht, bin ich vollauf zufrieden.

Aber ich glaube, der Industrie geht es gar nicht darum, günstige Lebensmittel mit geringerer Qualität herzustellen. Es geht der Industrie darum, den Verbraucher zu täuschen, ihn dazu zu bringen ihr Produkt für ein echtes Produkt zu halten und aufgrund des niedrigeren Preises vorzugsweise dieses Produkt zu kaufen. Es geht NICHT darum, dass der Kunde sieht "Aha, das ist Analogkäse. Mir ist das egal, ich achte nur auf den Preis". Ich denke "Verbrauchertäuschung" ist das einzige Wort, was das treffend beschreibt. Traut sich nur keiner in den Mund zu nehmen.
Corazito3333 (19.05.2010, 23:48 Uhr)
Billiges Foirmfleisch und Analogkäse brauchen wir.....
billig halt und wir wollen doch daß die "uNTERNEHMER2 was verdienen, also fressen wir gerne Analogkäse und Formfleisch....
ganzbaf (19.05.2010, 22:58 Uhr)
Na ja.

Mit ein bisschen Glück verschwinden EU UND Formfleisch.
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