Ratgeber Fitness - schwungvoll durchs Jahr

Trendsport mit Nebenwirkungen

Yoga liegt im Trend, und niemand bezweifelt die positive Wirkung auf Körper und Geist. Doch Vorsicht: Wer die Sache falsch angeht, riskiert Verletzungen. Von Sonja Helms

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Den gewünschten Effekt bringt Yoga nur, wenn man ihn richtig ausführt©

Auch wenn dem Yoga mittlerweile ein gewisser Lifestyleflair anhaftet und einige vielleicht nur deshalb damit anfangen, weil es "irgendwie gut tut" oder im Fitnessstudio ein Kurs angeboten wird: Die meisten Menschen kommen aus gesundheitlichen Gründen damit in Berührung. Manch einer ist überarbeitet, erschöpft oder schläft schlecht und verspricht sich vom Yoga in erster Linie Entspannung. Ein anderer leidet vielleicht unter Rückenschmerzen, Verspannungen, Kreislaufbeschwerden oder Gelenkproblemen - und wünscht sich eine Verbesserung seiner Situation, einen gesünderen, stärkeren, heilen Körper.

Ihnen allen kann Yoga Gutes tun. Yoga entspannt Muskeln, kräftigt und strafft sie. Er regt den Stoffwechsel an, wirkt auf das Nervensystem und darüber auf den Körper. Blutwerte können sich verbessern, sogar auf das Immunsystem wirkt sich regelmäßige Praxis positiv aus, haben Studien gezeigt. Und das alles ohne Nebenwirkungen? Nur bei richtiger Anwendung. "Ähnlich wie bei Medikamenten macht die Dosis das Gift", sagt Prof. Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule Köln. "Yoga ist sehr hilfreich, allerdings unter zwei Voraussetzungen: Man braucht ein gewisses Körpergefühl, das entwickelt sich erst mit der Zeit, und einen guten Lehrer."

Den zu finden, kann eine Herausforderung sein. Nicht etwa, weil es so wenige, sondern weil es so viele Yogalehrer gibt. In Deutschland praktizieren mindestens drei Millionen Deutsche regelmäßig Yoga, schätzt der Berufsverband der Yogalehrenden in Deutschland (BDY). Mit der steigenden Nachfrage ist in den vergangenen Jahren auch das Angebot gewachsen - die Zahl der Lehrkräfte, die in Deutschland Yoga anbieten, hat sich in den letzten 20 Jahren verfünffacht und liegt laut BDY bei mehr als 10.000. Schon die Vielfalt der Stile ist verwirrend. Ashtanga-, Bikram-, Kundalini-, Iyengar- oder Power-Yoga: Wer weiß schon, hinter welchem Namen sich was verbirgt, geschweige denn, welche Art ihm am besten gefällt?

Gefährliches Selbststudium

Wer es ernst meint, wird daher zu Beginn nicht umhin kommen, ein paar Schulen und Stile zu testen, bis er das richtige für sich gefunden hat. Oder den richtigen Lehrer, denn ohne den geht es nicht. Nur aus Büchern oder von DVDs zu lernen, davon raten Experten dringend ab - selbst Buchautoren, wenn sie seriös sind. Die Gefahr, sich dabei zu verletzen, ist sehr groß - aus verschiedenen Gründen.

"Die meisten Menschen sind an bestimmten Stellen des Körpers steif und an anderen überbeweglich", sagt Marina Pagel, die mit ihrem Partner in Hamburg ein Iyengar-Studio betreibt. Der Körper kompensiert das normalerweise. Beim Yoga geht es aber eben darum, diese Schwachstellen zu erkennen und an ihnen zu arbeiten. "Gerade zu Beginn haben viele Leute noch kein ausgeprägtes Körpergefühl", sagt die Iyengar-Lehrerin, die Yoga seit rund 20 Jahren praktiziert. Das sei wie bei kleinen Kindern, die gerade laufen lernen: Wenn man nicht darauf achtet, was sie so treiben, könnten sie hinfallen oder sich die Finger klemmen. "So ähnlich sind viele Yogaschüler. Wenn sie keine Anleitung bekommen, würden sie sich verletzen."

Im besten Fall passiert nichts, wenn man eine falsche Haltung einnimmt. Bei entsprechender Vorschädigung oder bei ständiger Wiederholung kann es jedoch unangenehme Folgen haben. Möglich sind Muskelzerrungen oder Sehnenansatzreizungen, Bänderdehnungen, Blockaden der kleinen Wirbelgelenke. Knorpel oder Bandscheiben können bei dauerhafter Fehlbelastung empfindlich reagieren.

"Manche Haltungen beanspruchen den Körper auch sehr stark und sind etwa unter dem Aspekt der Herz-Kreislauf-Regulation problematisch", sagt Froböse. "Wenn Untrainierte plötzlich in einen Kopfstand gehen, kann es zu einer deutlichen Steigerung der Herzarbeit kommen, die nicht jeder gut verträgt." Es sei ohnehin ratsam, ab dem 35. Lebensjahr den Arzt aufzusuchen, bevor man als Couchpotatoe mit einer neuen Sportart anfängt. Davon abgesehen sollten Anfänger ohnehin keinen Kopfstand machen - solche Übungen sind Fortgeschrittenen vorbehalten. In offenen Kursen kann ein guter Lehrer daher auch immer den Leistungsgrad seiner Schüler einschätzen und wird Neulinge nicht plötzlich mit zu schwierigen, und daher gefährlichen Übungen konfrontieren, sondern sie darauf vorbereiten.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, warum eine gute Qualifikation der Yogalehrer und Achtsamkeit beim Üben so wichtig sind.

Wie gut ist der Lehrer? Der BDY hat einige Kriterien aufgestellt, die eine qualifizierte Lehrkraft erfüllen sollte: Sie muss mindestens 25 Jahre alt sein, den Eindruck einer weitgehend gefestigten Persönlichkeit vermitteln und eine gute Allgemeinbildung haben. Sie sollten erfahren im Umgang mit Menschen und in der Lage sein, individuelle Situationen wahrzunehmen. Außerdem sollten sie mindestens drei Jahre selbst schon unter Anleitung Yoga praktiziert haben. Eine BDY-Ausbildung dauert vier Jahre und umfasst 720 Unterrichtseinheiten. Die verteilen sich unter anderem auf Fächer wie Hatha-Yoga, Meditation, Psychologie, medizinische Grundlagen sowie Geschichte und Philosophie des Yoga.

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