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Interview

Sportpsychologe erklärt: Das macht Joggen im Herbst zum Highlight

Die dunkle Jahreszeit macht träge. Doch der Sportpsychologe Michele Ufer weiß, wie der Schalter zum Laufen umgelegt werden kann.

Von Klaus Dahlbeck

Ein Mann und eine Frau joggen vor herbstlicher Kulisse

Joggen im Herbst und Winter ist ein besonderes Erlebnis, weiß Sportpsychologe Michele Ufer

Herr Ufer, warum werden wir im Winter zu Stubenhockern?

Wenn es draußen kalt und dunkel ist, bewegen wir uns weit weg von unserer Wohlfühltemperatur und außerhalb der Komfortzone. Die Dunkelheit lässt uns mehr an Schlaf und Ausruhen denken als an Aktivität. Außerdem nährt die Dunkelheit neben einer Urangst auch konkrete Ängste. Dass wir die Strecke durch den Wald oder Park nicht finden, dass wir stolpern und uns verletzen oder – besonders bei Frauen – die Angst vor unliebsamen Begegnungen und Übergriffen. Dazu kommt, dass wir einfach weniger sehen und uns der Mangel an Eindrücken den Spaß an der Sache verdirbt.

Wie bekommen wir unseren Hintern runter vom Sofa?

Wir müssen uns in Erinnerung rufen, wie gut uns die frische Luft tut. Und dass wir uns nach einem Lauf draußen meist besser fühlen. Es gib Studien aus der Naturpsychologie, die sich mit Auswirkungen der Natur auf den Menschen befassen. Darin wurde belegt, dass Aufenthalte in der Natur stressmindernd wirken und Erholung in der Natur besser funktioniert als in städtischer Umgebung. Das spricht aus meiner Sicht klar dafür, nicht im Fitnessstudio auf dem Laufband zu joggen sondern zum Laufen wirklich raus in die Natur zu gehen.

Kann Selbstbelohnung die Motivation steigern?

Was die Motivation angeht – da kommt es auf den Einzelfall an. Einigen helfen Strukturen wie Lauftreffs, aber nicht jeder mag es, in der Gruppe zu laufen. Natürlich könnte man sich nach getanem Sport für die Anstrengung mit etwas Schönem belohnen. Aber besser wäre es, das Laufen gar nicht erst als Anstrengung, als eine Art von Arbeit zu sehen, sondern als etwas, das uns guttut. Routinen, fixe Tage und Uhrzeiten helfen dabei, dem Laufen einen selbstverständlichen Platz im Wochenablauf einzuräumen. Eine gute Strategie ist außerdem, individuell attraktive Ziele mit dem Laufen zu verknüpfen. Zum Beispiel in Bezug auf Gesundheit, Wohlbefinden, Figur oder Leistungsfähigkeit.

Was macht Laufen in der Dunkelheit zum ?

Durch das Laufen in der Dunkelheit mit einer Stirnlampe entsteht im Lichtkegel ein sehr begrenztes Blickfeld. Das erleichtert es uns, in eine Art Flow-Zustand zu geraten. Zugleich sind unsere Sinne im Vergleich zum Laufen im Hellen deutlich geschärft. Man spürt im Körper die Reaktion auf jedes Rascheln im Unterholz oder auf ein plötzlich aufleuchtendes Paar Katzenaugen. Ich bin bekennender Herbst-Winterläufer und empfinde es als besonders eindrücklich mit diesen aufgestellten Antennen unterwegs zu sein. Außerdem gefällt mir die Ruhe, denn es sind weniger Leute unterwegs. Da habe ich das Gefühl, mit mir und der Natur allein zu sein.

Michele Ufer ist Sportpsychologe und Autor des Buches "Mentaltraining für Läufer: Weil Laufen auch Kopfsache ist" (Meyer & Meyer Verlag, 272 Seiten, 19,95 Euro)

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