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Mit anderen trainieren, ohne sie zu treffen

Für viele Sportler und Fitnessfans ist das Netz ein virtuelles Stadion geworden. Soziale Netzwerke und Apps ermöglichen sportliche Wettkämpfe, ohne sich zu begegnen.

Von Franziska Weigelt

  Jogger laufen an der Hamburger Alster - und vergleichen sich mit der ganzen Welt

Jogger laufen an der Hamburger Alster - und vergleichen sich mit der ganzen Welt

  • Franziska Weigelt

Laufschuhe, Trainingsanzug und Hanteln sind nicht mehr die einzigen Sportgeräte, um in Form zu kommen oder überschüssige Pfunde loszuwerden. Viele Hobbysportler machen sich außerdem fit mit Hilfsmitteln wie RunKeeper, Daily Burn oder Fitocracy. Internetforen und Communities für Bewegungsfreudige gibt es schon lange im Netz - jetzt aber wird Sport zum interaktiven sozialen Erlebnis. "Fitness Social Networks" haben einen Zulauf wie sonst Muckibuden nach den fetten Weihnachtstagen. Mobile Apps, die sportliche Leistungen messen, gibt es wie Sand am Meer. Mithilfe ihres Smartphones können sich Jogger per GPS eine neue Laufroute erstellen lassen oder andere Läufer aus der Nachbarschaft kennenlernen. Wir stellen drei kostenlose Netzwerke und ihre Strategien vor.

  Bei RunKeeper kann man über die Suchfunktion Laufrouten von anderen Nutzern aufspüren

Bei RunKeeper kann man über die Suchfunktion Laufrouten von anderen Nutzern aufspüren

RunKeeper, das soziale Netzwerk für Ausdauersportler

Das IT-Onlinemagazin "Techcrunch" nennt RunKeeper das "Facebook of Fitness", das sich am Besten für Jogger oder Radfahrer eignet. Innerhalb von vier Jahren hat sich das Angebot von einer einzelnen iPhone-App zum Multitalent entwickelt. Seine verbesserte Laufzeit auf Facebook zu posten, ist nur eine der Möglichkeiten, die die Plattform bietet. Auch Essgewohnheiten, Bewegungsrhythmus und sogar soziale Interaktion werden erfasst und lassen sich statistisch auswerten.

Mithilfe neuer Apps wird dieses System ständig um neue Funktionen erweitert. Je nach Interesse kann man sein persönliches Profil ausbauen. Je mehr Apps man verwendet, desto genauer und aussagekräftiger ist die eigene Fitnessstatistik. Die App "GKSleep" zum Beispiel erfasst sogar Schlafdauer und -intensität. Entspricht mein Schlafprofil meinem Fitnessprofil? So entsteht der Eindruck, als ob man seinen Körper wie den eines Rollenspielcharakters stählen könnte.

  Bei DailyBurn kommt man in den Geschmack eines persönlichen Trainers

Bei DailyBurn kommt man in den Geschmack eines persönlichen Trainers

Personalisierte Videos statt DVDs

Das Fitnessnetzwerk DailyBurn verfolgt seit Kurzem eine neue Fitness-Strategie. Ähnlich wie bei RunKeeper kann man mithilfe von Apps Informationen zu den Themen Ernährung und Training herunterladen. Das Prinzip des kostenlosen Planers erinnert an "Weight Watchers Online". Gegen eine monatliche Gebühr von 9,99 US-Dollar kann man sich außerdem für das "personalisierte Fitnessprogramm" anmelden. Hinzu kommen nun Fitnessvideos, die als HD-Streams abrufbar sind. Bei der Anmeldung müssen Benutzer wie bei einem Eingangstest im Sportstudio rund ein Dutzend Fragen zu Gewicht, Ernährung und Trainingsziel beantworten. Sogar das Geschlecht des im Video auftretenden Fitnesstrainers kann man festlegen. Schließlich gibt es sechs Vorturner, die einen mit Rat und Tat unterstützen wollen.

  Die Fitocracy-Pinnwand erinnert an Facebook

Die Fitocracy-Pinnwand erinnert an Facebook

Ein neuer Star am Fitness-Himmel

Das im Jahr 2010 gegründete Netzwerk Fitocracy befindet sich noch in der Beta-Version, hat aber bereits über 230.000 registrierte Benutzer. Was dem Unternehmen noch fehlt, sind Smartphone-Apps. Sie sollen demnächst auf den Markt kommen.

Ähnlich wie bei Facebook erstellt sich der Fitocracy-Benutzer zunächst ein persönliches Profil. Der Benutzer stellt sich auf seiner Pinnwand mit einem Bild und Interessen dem Netzwerk vor. Gleichzeitig kann er auch Gruppen beitreten und Freundschaften mit anderen Nutzern schließen. Das gegenseitige Austauschen und Motivieren wirkt wie eine Art Druckmittel, um das eigene Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. Gleichzeitig können Mitglieder - wie bei Twitter - anderen Nutzern folgen und ihren Fortschritt beobachten. Konkurrenz motiviert.

Abnehmen wird zum Spiel

Bei Fitocracy wird nicht in verbrauchten Kalorien gerechnet, sondern es gibt Punkte und Levels. Der Nutzer kann sich aus einer langen Liste, die nach Körperteilen geordnet ist, Fitnessübungen aussuchen. Auf diese Weise stellt er sich ein eigenes Sportprogramm zusammen. Für jede absolvierte Übung gibt es Punkte aufs Konto. Auch für Bewegungen im Alltag kann man Punkte sammeln, zum Beispiel beim Spazierengehen oder Treppensteigen. Hat man eine bestimmte Punktzahl erreicht, steigt man ein Level auf. Um Level zwei zu erreichen, benötigt man 100 Punkte. Der Sprung von Stufe drei auf Stufe vier Level kostet schon 500 Punkte. Für das Erfüllen bestimmter Aufgaben ("Quests") gibt es zusätzlich Extrapunkte

Fitocracy hat Witz. Bei der Aufgabe "Evolve" zum Beispiel muss man Übungen absolvieren, die auf Pokemon-Figuren basieren. Auch die "Achievements" haben Unterhaltungswert - sie tragen einfallsreichen Namen wie "Let's Get Outta Here" oder "These Legs Don't Stop". Achievements stellen eine Art Meilenstein in der sportlichen Entwicklung des Benutzers dar und sind in Form von Symbolen auf der eigenen Pinnwand sichtbar. Sie sind die "Fleißsternchen" der Fitness-Plattform.

Netzwerke vs. Apps

Fitocracy macht die eigene Fitness zum Spiel. Daily Burn bietet persönliche Trainer, die einem mit Rat bei Seite stehen. Und bei RunKeeper können Hobbysportler mit ihren Facebook-Freunden um die Wette rennen, egal wo auf der Welt sie sich gerade befinden.

Eine Gemeinsamkeit der drei vorgestellten Fitness-Netzwerke ist die Einbindung von Smartphone-Apps. Weil die Apps nicht selten von Drittanbietern stammen, kann man sie auch ohne Verwendung des Netzwerks nutzen. Die kostenlose App RunKeeper hat erstaunlich viele Optionen, um das eigene Lauftraining professionalisieren. Die DailyBurn-App verfügt im Gegensatz zu anderen Kalorienzähler-Apps über eine bebilderte Ernährungsdatenbank. Das macht das Kalorienzählen treffsicherer, da die angegebenen Essensbezeichnungen oft vage sind. Sucht man zum Beispiel "Toast" erhält man rund zehn Produkte zur Auswahl. Ein Manko ist jedoch, dass die Ernährungsdatenbank fast nur amerikanische Lebensmittelprodukte enthält.

Während es im App-Bereich auch viele deutschsprachige Anwendungen gibt, sind deutschsprachige "Fitness Social Networks" spärlich gesät, die sich auf gleichem Niveau wie die hier vorgestellten befinden. Ein empfehlenswertes Fitnessportal ist Runtastic, das mit dem Angebot von RunKeeper zu vergleichen ist. Zurzeit bietet das österreichische Unternehmen sechs Apps an, welche die Sportarten Joggen, Walking, Fahrradfahren und Wintersport abdecken und stellt seit Kurzem sogar eigenes Fitness-Zubehör her.

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