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8. Juli 2010, 15:23 Uhr

Ärzte transplantieren komplettes Gesicht

Sein Gesicht war durch eine Erbkrankheit entstellt. Nun haben Ärzte einem 35-jährigem Franzosen in einer komplizierten Operation geholfen: Sie übertrugen ihm das Gesicht eines Toten - einschließlich der Augenlider und der Tränendrüsen.

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Der französische Chirurg Laurent Lantieri leitete die zwölfstündige Operation© Patrick Kovarik

Immer wieder berichten Ärzte über spektakuläre Gesichtstransplantationen, die ihnen bei schwer entstellten Patienten geglückt sind. Seit der ersten Operation dieser Art im Jahr 2005 hat es ein gutes Dutzend weitere gegeben. Nun hat ein 35-jähriger Franzose in einer bislang einmaligen Operation das komplette Gesicht eines Toten bekommen. Einem Team um den renommierten Transplantationsspezialisten Laurent Lantieri gelang es dabei nach eigenen Angaben erstmals, in einer zwölfstündigen Operation auch die Augenlider und das komplette Tränenwegsystem zu verpflanzen.

"Dem Patienten geht es gut", sagte Lantieri, der die Operation am Henri-Mondor-Krankenhaus im Pariser Vorort Creteil leitete, der Zeitung "Le Parisien" vom Donnerstag. "Er läuft, isst, spricht. Sein Bart wächst wieder." Der junge Mann litt an einer Erbkrankheit, die sein Gesicht entstellt hatte. Für den 35-Jährigen war das Leben zuletzt die Hölle. Vor allem die Reaktionen der Mitmenschen machten ihm schwer zu schaffen. "Es ist der Blick der anderen, der nur schwer zu ertragen ist", erklärte der junge Mann bereits 2008. Seitdem hatte sich die unheilbare Erbkrankheit Neurofibromatose, die unter anderem zu quälenden Gesichtsdeformation führt, weiter verschlimmert. Vor allem die Augen seien stark betroffen gewesen, sagte Medizinprofessor Lantieri. Zwei Jahre musste der Franzose auf ein Spenderorgan warten.

Schwierige Operationen, zahlreiche Fortschritte

Eine Gesichtstransplantation gilt als eine der schwierigsten Operationen, auch weil ein hohes Abstoßungsrisiko durch das Immunsystem besteht. Teile eines fremden Gesichts waren erstmals 2005 einer Französin eingepflanzt worden. Das Gesicht der damals 38-jährigen Patientin Isabelle Dinoire war durch Hundebisse entstellt worden. Anfang April hatten spanische Ärzte bereits angekündigt, weltweit erstmals ein vollständiges Gesicht verpflanzt zu haben. Bei der Operation Ende März in Barcelona behielt der Patient allerdings seine eigenen Augen, die Augenlider und die Zunge - wie bei einer Operation, die Lantieri schon im August 2009 bei dem Opfer eines Jagdunfalls durchgeführt hatte.

Im Mai trat ein spanischer Patient an die Öffentlichkeit, dem die unteren zwei Drittel des Gesichts transplantiert worden waren. Er wagte den Schritt vor allem, um Menschen zur Organspende zu ermutigen. Bekannt geworden war auch die tragische Geschichte der Amerikanerin Connie Culp, die einen Großteil ihres Gesichts verloren hatte, als ihr Ehemann auf sie schoss.

DPA/AFP
 
 
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