Wenn Obst krank macht

Fruchtzucker süßt Äpfel, Honig und Limo: Die natürliche Süße genießt einen guten Ruf, doch sie kann den Darm auch stressen und krank machen. Das Problem: Fruktose versteckt sich in vielen Produkten. Von Ilona Kriesl

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Früchte sind gesund? Nicht für alle Menschen. Wer unter einer Fruchtzucker-Unverträglichkeit leidet, wird nach dem Genuss von Obst etwa von Bauchschmerzen geplagt.©

Die Säure stieg Tobias Volke bis in den Rachen hinauf, die Speiseröhre brannte, der Magen schmerzte und rebellierte: Jahrelang litt der 32-Jährige an heftigem Sodbrennen. Die Schmerzen zehrten an seinen Kräften, er fühlte sich antriebslos und schlapp. Um seinen gereizten Magen zu beruhigen, aß er viel Obst und Gemüse, schluckte säurehemmende Tabletten. Doch die Beschwerden verstärkten sich. "Zuletzt hatte ich das Gefühl, die Schmerzen würden mich innerlich auffressen", erinnert sich der Münchner. Vor gut einem Jahr fand ein Arzt dann die Ursache des Übels: eine sogenannte Fruktosemalabsorption – eine Unverträglichkeit gegenüber Fruchtzucker.

Die Fruktose steckt in vielen natürlichen Lebensmitteln: In Honig, Obst, Fruchtsäften, Marmeladen und sogar in Gemüse. Auch Lebensmittelhersteller haben den fruchtigen Süßmacher für sich entdeckt. Er ist um etwa 20 Prozent süßer als Haushaltszucker, günstig und leicht zu verarbeiten. Kaum ein Softdrink, Schokoladenriegel, Joghurt oder Eis wird daher ohne Fruktose hergestellt. Der Fruchtzucker soll in erster Linie das Kaufverhalten beeinflussen. Werbesprüche wie "mit der Süße aus Früchten" verführen zum Griff in das Supermarktregal und suggerieren: Dieses Produkt ist naturbelassen und gesund.

Doch was der Lebensmittelindustrie Vorteile bringt, kann dem Verbraucher schaden: Denn unsere Verdauung ist für eine zu große Menge an Fruchtzucker nicht ausgelegt. Etwa 35 Gramm des Süßmachers verarbeitet unser Körper in der Stunde meist problemlos - eine Menge, die in sechs Äpfeln oder zwölf Orangen steckt. Wer viel Obst isst und zudem zu Softdrinks greift, kann das zu spüren bekommen. Durchfall, Blähungen, Bauchschmerzen oder Sodbrennen sind die unangenehmen Folgen.

Der Grund: Unser Körper kann die Fruktose nur in begrenzten Mengen aus dem Darm in den Körper schleusen. Dafür ist ein Transporteiweiß mit dem Namen GLUT-5 zuständig. Gelangt zu viel Fruktose mit dem Speisebrei in den Darm, ist dieses Transportsystem überfordert. Ein Teil der Fruktose bleibt unverdaut und wandert in den Dickdarm, wo sich Bakterien über ihn hermachen. Dabei produzieren sie Gase wie Methan, Wasserstoff und Kohlendioxid – es rumort und zwickt in Bauch und Darm.

Durchfall, Blähungen, Völlegefühl

Wenn die Verdauung rebelliert, steckt nicht gleich eine Unverträglichkeit hinter den Beschwerden. Selbst gesunden Menschen macht eine Überdosis an Fruktose zu schaffen. Wer jedoch schon auf eine geringe Menge Obst empfindlich reagiert, ständig unter Durchfall, Blähungen und Völlegefühl leidet, könnte tatsächlich an einer Intoleranz leiden. Mediziner sprechen dann wie im Fall von Tobias Volke von einer Malabsorption. Hier schlägt der Darm schon bei kleinen Mengen Alarm. Schuld ist auch hier wieder das Transporteiweiß GLUT-5: Bei Betroffenen ist der Fruktose-Transporter nur in geringen Mengen vorhanden oder gar defekt. Etwa jeder dritte Erwachsene leidet an einer Malabsorption, die Bandbreite der Beschwerden schwankt jedoch stark von Fall zu Fall.

Eine schwere und seltene Form der Fruktoseunverträglichkeit ist dagegen die sogenannte hereditäre Fruktoseintoleranz. Dabei handelt es sich um eine angeborene Stoffwechselstörung. Schon im Säuglingsalter reagieren Betroffene empfindlich auf Fruktose: Sie erbrechen und entwickeln Leber- oder Nierenfunktionsstörungen. Etwa eines von 20.000 Neugeborenen leidet an dieser extremen Form.

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