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Gelähmter kann wieder gehen - dank seiner Nasenzellen

Polnischen Ärzten und Britischen Forschern ist gelungen, was als nahezu unmöglich galt: Mithilfe von Geruchszellen regenerierten sie das Rückenmark eines Gelähmten - nun kann er wieder laufen.

  Darek Fidyka war nach der Durchtrennung seines Rückenmarks von der Brust abwärts gelähmt. Nun kann er wieder laufen.

Darek Fidyka war nach der Durchtrennung seines Rückenmarks von der Brust abwärts gelähmt. Nun kann er wieder laufen.

Dem Polen Darek Fidyka war seit seinem Unfall vor vier Jahren ein Leben im Rollstuhl vorbestimmt. Sein Rückenmark war bei einer Messerattacke fast ganz durchtrennt worden, seither war er von der Brust abwärts gelähmt. Dass er jemals wieder ein Gefühl in seinen Beinen haben, geschweige denn laufen können würde, galt als ausgeschlossen. Doch einem Team aus polnischen Chirurgen und britischen Wissenschaftlern gelang eine medizinische Sensation: Sie transplantierten Riechzellen aus der Nase in das beschädigte Rückgrat und führten dadurch eine Regeneration seines Rückenmarks herbei.

Für die Behandlung entnahmen die Chirurgen am Wroclaw Universitätsklinikum dem Patienten olfaktorische Hüllzellen aus dem Riechkolben im Inneren des Schädels. Die Zellen wurden zunächst in einer Kultur angereichtert und dann ober- und unterhalb des Rückenmarks transplantiert.

Bis auf einen dünnen Strang Narbengewebes auf der rechten Seite war das Mark vollständig durchtrennt. Daher wurde aus dem Fußgelenk des Patienten außerdem vier dünne Streifen Nervengewebes entnommen und in die linke Seite des Rückenmarks verpflanzt. Die olfaktorische Hüllzellen bildeten im Verlauf der Therapie eine Art Brücke, die die Nervenzellen ober- und unterhalb der verletzten Stelle wieder zusammenwachsen ließ. Dies war 2012 bereits in Tierversuchen gelungen, mit Fidyka wurde diese Methode erstmals an einem Menschen durchgeführt.

"Ich fühle mich wie neugeboren"

Fidyka war, bevor er 2012 die Zelltherapie begann, seit fast zwei Jahren gelähmt. Aussicht auf Besserung hatte er trotz intensiver Physiotherapie nicht. Im Laufe der Therapie verabreichten ihm die Ärzte 100 Mikro-Injektionen ins Rückenmark. Erste Erfolge zeichneten sich bereits nach drei Monaten ab, als sein linkes Bein begann, Muskelmasse aufzubauen. Drei weitere Monate später konnte Fidyka mithilfe von Beinstützen erste zaghafte Schritte an einem Barren machen. Heute, zwei Jahre nach der Therapie, kann der 40-jährige mithilfe eines Gehgestells wieder laufen.

Das sei ein unbeschreibliches Gefühl, sagte Fidyka der BBC. "Wenn du fast die Hälfte deine Körpers nicht mehr spüren kannst, bist du verloren. Doch wenn das Gefühl dann zurückkommt, fühlt es sich an, als würdest du neu geboren." Noch seien die Gehversuche ermüdend. "Aber ich glaube, dass es möglich ist, dass ich eines Tages unabhängig sein werde."

"Beeindruckender als die Mondlandung"

Pawel Tabakow, der das Team polnischer Neurochirurgen leitete, sagte, es sei unglaublich zu sehen, wie etwas, das für unmöglich gehalten wurde, nun Realität geworden sei. "Beeindruckender als die Tatsache, dass Menschen auf dem Mond herumlaufen", beschreibt auch Geoff Raismann, Leiter des britischen Forscherteams von der Londoner Universität den Erfolg dieser Methode zur Regeneriung von Rückenmark. Raismann hatte sie zusammen mit seinem Team entwickelt. Die Ergebnisse veröffentlichten die Experten im Fachmagazin "Cell Transplantation".

Für die Therapie konnten Zellen aus dem patienteneigenen Riechkolben, an dessen Ende sich die Riechnerven befinden, verwendet werden. Das sei entscheidend für den Erfolg gewesen, so die Forscher. Somit habe nicht die Gefahr einer Abstoßung bestanden und Medikamente zur Unterdrückung einer Immunabwehr, wie sie bei Transplantationen für gewöhnlich eingesetzt würden, seien daher nicht notwendig gewesen.

Der Erfolg muss sich erst noch bewähren

Die Wissenschaftler wollen jedoch noch keine falschen Hoffnungen schüren. Diese Therapie müsse zunächst wiederholt werden, um mit Sicherheit sagen zu können, dass man mit ihrer Hilfe Rückenmark regenerieren kann. Die Forscher hoffen, dass sie in den kommenden Jahren zehn weitere Patienten in Polen und Groß Britannien behandeln können.

Mirja Hammer

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