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28. Mai 2010, 07:49 Uhr

Waage gegen Fahrrad

Viele Menschen wiegen zu viel, bewegen sich zu wenig und entwickeln daher Herzkreislaufprobleme, Diabetes und diverse andere Krankheiten. Was hilft? In einem Fachjournal streiten zwei Wissenschaftler über die beste Lösung.

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Die Fitness ist wichtiger als das Körperfett, meinen drei britische Forscher© Colourbox

Was nutzt der Gesundheit mehr: Aufs Gewicht achten oder sich regelmäßig bewegen? In der aktuellen Ausgabe des "British Medical Journal" vertreten zwei Forschergruppen unterschiedliche Meinungen zu dieser Frage - eine spannende Diskussion. Bewegungsmangel und Übergewicht gelten als Risikofaktoren für zahlreiche Krankheiten vom Diabetes bis zu Herzkreislaufproblemen. Viele Menschen bringen gleichzeitig zu viel Gewicht auf die Waage und sind nicht aktiv genug. Da stellt sich durchaus die Frage, an welcher Schraube gedreht werden sollte.

Der britische Sportmediziner Richard Weiler und zwei Kollegen vertreten, salopp formuliert, die These: Lieber ein fitter Dicker als ein normalgewichtiger Couch-Potatoe. Fünf Mal pro Woche eine halbe Stunde Bewegung sollte drin sein, doch 95 Prozent der Menschen in England und den USA schaffen nicht einmal das. In Deutschland dürfte die Zahl ähnlich aussehen. Damit sei Bewegungsmangel der einzige derart weit verbreitete Risikofaktor, schreiben die Forscher.

Wer sich bewegt, nimmt ab oder hält zumindest sein Gewicht, mag man jetzt sagen. Aber das stimmt nicht immer. Fünf mal 30 Minuten Bewegung pro Woche wirken sich kaum aufs Gewicht aus, aber auf die Gesundheit. So würde laut einer Untersuchung mit knapp 14.000 Teilnehmern jede Art von Bewegung, unabhängig vom persönlichen Body-Mass-Index, die Lebenszeit verlängern. Die Wissenschaftler befürchten, dass die aus ihrer Sicht unnötige Konzentration auf die Pfunde übergewichtige Menschen vom Sport abhält, der ihnen auch nützen würde, wenn sie dadurch kein Gewicht verlieren. Und sie fügen hinzu, dass medizinische Maßnahmen gegen Übergewicht - Medikamente und Operationen - Risiken mit sich bringen, während ein Bewegungsprogramm im Prinzip nur positive Nebenwirkungen hat.

Gesunde Ernährung durch die Lebensmittelpreise fördern

Der australische Forscher Timothy Gill und seine Kollegen halten dagegen: Hauptsache kein Übergewicht, meinen sie. Jede Strategie, die sich allein auf Bewegung konzentriere und das Problem Übergewicht ignoriere, sei von vornherein fehlerhaft. Der Mangel an körperlicher Aktivität sei nur ein Aspekt des Übergewicht fördernden Lebensstils, der in der Gesellschaft verbreitet sei. Sie sehen - naheliegend beim Thema - die Ernährung als weiteres wichtiges Feld. Sie schlagen weitreichende Veränderungen vor, um gesunde Ernährung zu fördern: von anderen Produktionswegen bis hin zu veränderten Preisen. Wie das aussehen könnte, führen sie nicht weiter aus. Eine Extra-Steuer auf Wurst vielleicht oder Subventionen für Bio-Möhren. Gill und seine Kollegen wollen auch für mehr Bewegung sorgen. So sollten schon bei der Stadtplanung mehr Radwege und Grünflächen geschaffen werden, damit die Bürger spazieren oder radeln.

Was bedeutet das für den einzelnen, der auf seine Gesundheit achten will? Dass sich auch die Experten nicht einig sind, sollte auf keinen Fall abschrecken. Weder von regelmäßiger Bewegung noch von gesunder Ernährung.

bub
 
 
KOMMENTARE (7 von 7)
 
Swissmiss (29.05.2010, 14:18 Uhr)
kleiner Nachtrag
Ich bin nicht der Meinung, nichts zu tun sei das beste. Grundsätzlich sollten Kinder schon lernen, sich abwechslungsreich zu ernähren (wohl das einzige, was man über gesunde Ernährung wirklich sagen kann), aber man sollte niemals die Verantwortung fürs Essen auf die Kinder abschieben. Wo wirklich Befürchtungen bestehen, dass die Kinder kreuzfalsch ernährt werden (also sehr einseitig und fast nur Zuckrigem), können stattdessen die Eltern geschult werden, zuhause das Essen doch etwas umzustellen. Aber man darf niemals einem Kind sagen, dass es zu dick ist und ihm sogar die Verantwortung dafür zuschieben (was zurzeit leider in vielen Ernährungsprogrammen an Schulen unterbewusst geschieht). Dicke Kinder wissen selbst, dass sie zu dick sind. Aber es sind noch Kinder, weshalb die Eltern die Verantwortung für die Ernährung tragen. Da nützt es nichts, dem Kind "gesunde Ernährung" in der Schule zu vermitteln, ohne das die Eltern nicht in die Pflicht genommen werden.
Swissmiss (29.05.2010, 14:11 Uhr)
@ Ryan2k
"Der Grudnstein hier MUSS in den Grundschule/Kindergärten gelegt werden !!"

Super, genau damit werden erst recht dicke Kinder produziert. Schon im Kindergarten wird einem sogar das Semeli mit etwas Butter verboten, stattdessen nur noch Volkornbrötchen mit Radisli (welches Kind isst sowas schon freiwillig gern?), leicht übergewichtigen Kindern wird schon mit 5 Jahren vermittelt, dass sie den Ansprüchen der Gesellschaft nicht nur nicht genügen, sondern für die Gesellschaft sogar gefährlich seien (Krankheitskosten!). All diese Kinder, welche im Kindergarten/Primarschule über sog. gesundes Essen informiert werden, bekommen nichts anderes gesagt: Du allein bist schuld, wenn du dick wirst/bist - dabei sind doch eigentlich die Eltern die Verantwortlichen und gerade bei Kindern wächst sich Moppeligkeit bis zur Pupertät schnell wieder aus (ja, Kinder brauchen tatsächlich eigentlich mehr Kalorien als Erwachsene, da das Wachstum unglaublich viel Energie braucht). Diesen Kindern wird schon früh jedes Selbstbewusstsein genommen. Sie lernen sich regelrecht zu hassen ("Verdammt, ich hätte eigentlich jetzt ein Rüebli essen sollen statt ein Butterbrot. Habs wieder nicht geschafft."). In der folge essen viele erst recht, da sie total frustriert sind und sich selbst hassen.

Nein, Kinder sollten bis in die Pupertät nicht mit irgendwelchen Ernährungslehren konfrontiert werden (ausser dass zuckriges nicht in der Schule akzeptiert wird wegen den kaputten Zähnen). Die Erwachsenen müssen geschult werden. Allenfalls kann man gegen Übergewicht bei Kindern wirken, indem man sie in Bewegung bringt (z.B. Sportplatz neben Schule). Essen ist zudem immer auch mit Genuss verbunden. Somit sollen Kinder in der Schule ruhig auch ein Butterbrot (aus Weissmehl) essen dürfen. Solange niemand wirklich sagen kann, was gesunde Ernährung wirklich ist, sollten erst recht keine Kinder damit belästigt werden.
anak (29.05.2010, 12:51 Uhr)
@lowbas
es ist ihr gutes recht das leben einer schildkroete dessen eines gepards vorzuziehen.
die schildkroete ist ein kaltbluetler!
von der gehirnkapazitaet mal ganz abzusehen.

Gesundheitsberater (28.05.2010, 15:43 Uhr)
alternativlos
Was heisst hier Streit? Beide Gruppen sind sich in dem Punkt einig, das die körperliche Aktivität alternativlos ist und Bewegung für die Gesundheit und Wohlbefinden unerlässlich ist.
susiwolf (28.05.2010, 10:50 Uhr)
Der B-i-l-l-i-g-h-e-i-m-e-r
Jahrelange Diskussionen - meist mit Beginn des Frühlings ... und immer wiederkehrend. Es wird langweilig.
*
Kurze Strecken -> auf's Fahrrad ... Einkaufsbummel hinter dem 'carry' herjoggen - und: Dann mit letzter Kraft den Fahrstuhl ignorieren.
Das wird ein Marathon. Und so billig.
lowbas (28.05.2010, 10:23 Uhr)
Ein Gepard
hat eine Lebenserwartung von ca. 15 Jahren. Schildkröten hingegen bis weit über 100 Jahre. Da sollte die Lösung auf der Hand liegen.
Ryan2k (28.05.2010, 09:48 Uhr)
es gibt einfach zuviele !
Es gibt einfach szu viele Dicker in DE !! Aber auch zu viele Raucher und Alkoholiker.

Ich kann alles 3 nicht ab, aber jeder soll mit seinem Körper machen was er will. Immerhin ist es sein Leben. Wobei Übergewicht denke ich am schlimmste es, da es auch zu Ausgrenzenzung ect. führen kann und dann auch noch ein psychisches Problem wird.

Der Grudnstein hier MUSS in den Grundschule/Kindergärten gelegt werden !!
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