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Stern Logo Gesundheits-Mythen im Check - Tatsache oder Trugschluss?

Ist es gesund, viel Wasser zu trinken?

Mindestens sechs Gläser Wasser pro Tag sollte man trinken, heißt es. Wenn man Durst spüre, sei es schon zu spät, warnen Ernährungsexperten. Stimmt das wirklich? Brauchen wir so viel Flüssigkeit?

Von Lydia Klöckner

  Viel Wasser trinken ist gesund, heißt es. Stimmt das?

Viel Wasser trinken ist gesund, heißt es. Stimmt das?

Macht abends essen dick? Ist es schädlich, den Deckel des Joghurtbechers abzulecken? Gibt es süßes Blut? Der stern nimmt in loser Reihenfolge Alltagsmythen unter die Lupe. Zuerst lassen wir Sie, die Leser, darüber abstimmen. Auf der nächsten Seite finden Sie die Auflösung des Mythen-Checks.

Ist es gesund, möglichst viel Wasser zu trinken?

Lesen Sie auf der nächsten Seite, ob es wirklich gesund ist, viel Wasser zu trinken.

  Viel Wasser trinken ist gesund, heißt es. Stimmt das?

Viel Wasser trinken ist gesund, heißt es. Stimmt das?

Wasser gilt als Wunderelixier: Trinken sei gut für Gesundheit, mache schlank und wecke den Geist, heißt es in Diätratgebern und Lifestylemagazinen. Einige Mineralwasserfirmen beteuern mitunter gar, dass ihr Produkt den Körper von Giften reinwasche, für "pure Lebensfreude" sorge oder den Teint zum Strahlen bringe. Doch auch seriöse Experten erinnern unermüdlich daran, wie wichtig reichlich Flüssigkeit für die Gesundheit sei. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) beziffert die erforderliche Menge auf rund 1,5 Liter pro Tag - also etwa sechs bis acht Gläser. Trinken solle keineswegs nur, wer Durst habe. "Das Durstgefühl ist Ausdruck einer negativen Wasserbilanz, es sollte nur in Ausnahmefällen der Stimulus zur Flüssigkeitsaufnahme sein", heißt es in der Empfehlung.

Aber stimmt das? Muss man wirklich so viel trinken - auch ohne Durst zu haben?

Ohne Wasser kann kein Mensch überleben - das steht wohl außer Frage. "Mengenmäßig ist Wasser der wichtigste Bestandteil des menschlichen Körpers: Erwachsene bestehen im Mittel zu 50 bis 60 Prozent aus Wasser", erklärt Ernährungswissenschaftlerin Antje Gahl von der DGE. Wasser ist in all unseren Körperflüssigkeiten enthalten: In der Tränenflüssigkeit, ohne die unser Auge vertrocknen würde. Im Blut, das nur in flüssiger Form durch den Körper fließen und unsere Organe und Muskeln mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgen kann. Und auch im Urin, der alle Stoffe, die unser Körper nicht verwerten kann, über die Harnwege hinausschleust.

Um all diese lebenswichtigen Prozesse aufrecht zu erhalten, muss ständig Flüssigkeit nachgeliefert werden. Laut Berechnungen der DGE gehen dem Körper beim Atmen, Wasserlassen, Schwitzen und über den Darm jeden Tag 2,65 Liter Wasser verloren. Ein Teil dieses Defizits - etwa 875 Milliliter - gleichen wir schon über die Nahrung aus. Und auch die sogenannten Mitochondrien, die Kraftwerke unserer Zellen, geben bei bestimmten chemischen Prozessen Wasser ab, wenn auch nur etwa 335 Milliliter pro Tag. Den Rest des Bedarfs müssen wir laut DGE durch Trinken decken. Nötig seien etwa 1,44 Liter, am besten in Form von Wasser oder ungesüßten Kräuter- und Früchtetees, so die Empfehlung.

Wer etwa anderthalb Liter Wasser am Tag trinkt, ist - wenn die Rechnung stimmt - also zweifellos auf der sicheren Seite. Mehr zu trinken als der Durst gebietet, ist laut manchem Experten aber Unsinn. "Es ist schwer zu glauben, dass uns die Evolution mit einem chronischen Wasserdefizit ausgestattet hat, dass wir über eine zwanghafte Flüssigkeitsaufnahme kompensieren müssen", schreibt der Physiologe Heinz Valtin von der Universität Dartmouth in einem Essay im American Journal of Physiology. Der Durst setze bei gesunden Menschen ein, wenn die Blutkonzentration um zwei Prozent steige, von einer Dehydrierung - also Wassermangel - spreche man aber erst ab fünf Prozent. Durst komme also nicht zu spät, sondern genau rechtzeitig, so Valtin.

Man darf auch Kaffee trinken

Wer mehr trinkt, als er Durst hat, wird dadurch weder klüger noch schöner oder gesünder. Und es muss auch nicht immer Wasser sein. Kaffee darf in die tägliche Wasserbilanz ebenfalls eingerechnet werden. Als Durstlöscher eignen sich koffeinhaltige Getränke zwar nicht, da zu große Mengen davon den Blutdruck erhöhen können. Die Sorge, dass Kaffee den Körper "entwässert", ist aber unberechtigt: Wer Kaffee zu sich nimmt, scheidet bis zu 84 Prozent der aufgenommenen Flüssigkeit innerhalb eines Tages über den Urin aus. Wer reines Wasser trinkt, kommt auf 81 Prozent. Der Unterschied liegt bei gerade einmal drei Prozent - ist also getrost zu vernachlässigen.

Auch die "entgiftende Wirkung" des Wassertrinkens konnte bislang keine Studie belegen, schreiben die Mediziner Dan Negoianu und Stanley Goldfarb in einem Überblicksartikel zum Thema. "Einge gesteigerte Wasseraufnahme kann zwar einen Einfluss auf die Reinigungsvorgänge der Niere haben." Ob dieser Einfluss auch klinisch relevant sei, also tatsächlich eine Wirkung auf die Gesundheit habe, sei bislang nicht wissenschaftlich belegt.

Studien deuten sogar daraufhin, dass übertriebenes Trinken dem Körper schaden kann: Bei Marathonläufern und anderen Sportlern kam es gar schon zu "Wasservergiftungen", weil sie aus Angst vor Dehydration zu viel getrunken hatten. Dringt zu viel Wasser in die Zellen, kann sie das regelrecht zum Platzen bringen. Die Folgen: Schwindel, Übelkeit und Erbrechen. Im schlimmsten Fall werden sogar die Organe geschädigt.

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