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Internetkonzerne entdecken die Kranken

Google und Microsoft wollen Geld mit Gesundheitsakten verdienen: Patienten sollen ihre Daten ins Netz stellen, um Ärzten auf Augenhöhe zu begegnen. Ein Konfliktfeld bleibt jedoch der Datenschutz. Und Experten warnen, dass klassische Phishing-Methoden auch auf diesem Gebiet funktionieren.

Von Michael Carlin und Helene Laube

Bescheidenheit wird man Steve Case kaum nachsagen können, jenem Marketinggenie, der als AOL-Chef einst die größte Übernahme aller Zeiten einfädelte und 165 Milliarden Dollar für Time Warner auf den Tisch legte. Die Euphorie hat sich längst gelegt, die New-Economy-Blase ist geplatzt, doch Internetlegende Case greift erneut an. "Revolution Health" hat er sein Unternehmen getauft, das eine neue Epoche einläuten soll. Er sei fest entschlossen, "ein chaotisches Gesundheitssystem mit dem Aufbau einer Firma anzupacken, die die Welt verändern kann", verkündet Case selbstbewusst - und kann auf mächtige Mitstreiter zählen.

Google und Microsoft haben ebenfalls den Gesundheitsmarkt entdeckt. "Ich bin zu Microsoft gegangen, weil sie mir gesagt haben, wir könnten die Welt verändern", sagt Meera Kanhouwa, Medizinische Direktorin der Health-Solutions-Sparte. Und auch Google-Chef Eric Schmidt stapelt nicht tief, wenn er das neue Geschäftsfeld beschreibt: "Sechs Milliarden Menschen könnten profitieren."

Die Geburt des mündigen Patienten

Die Euphorie der IT-Giganten gründet auf einem starken Verbündeten: dem Patienten. War er in der Vergangenheit ein andächtiger Heilsempfänger, der seinem Arzt blind folgte, soll er künftig eine stärkere Rolle annehmen. Er soll auf Augenhöhe mit den Ärzten reden können. "Patient Empowerment", wie dies US-Wissenschaftler nennen, soll Kranken zu mehr Mitbestimmung verhelfen und ihnen eine stärkere Verantwortung geben.

Die Geburt des mündigen Patienten, so die Überzeugung der Konzerne, wird in der Zukunft vor allem auf Informationstechnologie basieren. Längst ist das Internet zu einer wichtigen Quelle geworden. Die Marktforscher von Harris Poll haben in den USA ermittelt, dass vor acht Jahren 27 Prozent der Erwachsenen manchmal oder regelmäßig im Netz nach medizinischen Informationen suchen. Im vergangenen Jahr waren es bereits mehr als die Hälfte.

Und von diesen geben 58 Prozent an, ihre Rechercheergebnisse anschließend auch mit dem Arzt zu besprechen. Diese "Cyberchonder", wie sie in der Harris-Studie genannt werden, hätten "großes Potenzial, das Arzt-Patienten-Verhältnis und den medizinischen Alltag zu verändern".

"Ein Patient, der sehr gut informiert ist, tritt in der Regel seinem Arzt gegenüber anders auf", sagt auch Peter Leiberich, Arzt für Innere Medizin, Psychotherapeut und Chefarzt der Inntalklinik im bayerischen Simbach. Solch ein Patient könne sehr viel besser über seine Therapie mitreden, etwa ob medizinische Möglichkeiten in speziellen Fällen überhaupt genutzt werden sollten. "Wenn der Arzt einem Krebspatienten eine Chemotherapie vorschlägt, der Patient aber erwidern kann, dass diese Chemo nur in 30 Prozent der Fälle wirklich anschlägt, dann ist ein partnerschaftliches Verhältnis gegeben", sagt Leiberich, der mit Gesundheitsinformationen im Internet Erfahrung hat: Er ist medizinischer Leiter des Internetportals "Hungrig Online", das Magersüchtigen Hilfe bietet. Seit acht Jahren tauschen sich hier Patienten aus, teilweise moderiert von Psychologen.

Wie beim Onlinebanking

Doch die IT-Konzerne wollen die Menschen nicht nur dazu bringen, sich im Internet schlau zu machen. Patienten sollen auch ihre persönlichen Gesundheitsdaten ins Netz stellen - um so die Versorgung zu verbessern. In einem durch Benutzername und Passwort geschützten Bereich, dem Onlinebanking ähnlich, soll die komplette Krankenakte bereit liegen. Zugang gewährt werden kann Ärzten, Kliniken, Therapeuten oder, für Notfälle, auch Familienangehörigen und Freunden.

Revolution Health ist das bisher umfangreichste Angebot der neuen Projekte, die den Gesundheitsmarkt verändern sollen. Die Website besteht vor allem aus beratenden Texten zu rund 1500 Krankheiten, einer Arzt- und Kliniksuchmaschine sowie einem Forum für Kontakte zu Experten und anderen Nutzern. Allerdings sind die Möglichkeiten für Nutzer, in den persönlichen Krankenakten relevante medizinische Daten zu hinterlegen, bisher überschaubar: Sie beschränken sich auf Impfungen, die Blutgruppe, Gewicht und den Body-Mass-Index. Zur Vorbereitung eines Arztbesuchs fasst das System die Daten auf Knopfdruck zu ausdruckbaren Seiten zusammen. Geld verdient Revolution Health mit Anzeigen auf der Website. Das Unternehmen hat aber auch andere Einnahmequellen: Viele Nutzer bezahlen Mitgliedsbeiträge für Premiumdienste.

Im Revolution Health Store werden zudem Produkte verkauft - von Diabetikerspritzen, Vitaminen und Babyflaschen bis hin zu Windeln, Hustensaft und Aknesalbe. Überdies erhält Revolution Health Kommissionen von Versicherungen, wenn individuelle Nutzer oder Unternehmen Krankenversicherungen über die Tochtergesellschaft RHG Insurance Services abschließen. Die Website präsentiert sich - ähnlich wie die erfolgreiche Plattform Myspace - als Web-Community, spezialisiert auf Patienten und Gesundheitsbewusste.

Projekt Healthvault startet erste Tests

Microsoft konzentriert sich mit dem Projekt Healthvault, von dem bisher nur eine Testversion besteht, stärker auf Gesundheitsakten, die Patienten ihren Ärzten zugänglich machen können, um sie zu aktualisieren: Wer sich registriert, bewegt sich - anders als in der aufwendig und bunt gestalteten Welt von Revolution Health - in einem nüchternen, aber übersichtlichen Umfeld. Medizinische Werte lassen sich zurzeit nur über Programme eingeben, die sich als Weiterleitung auf externen Seiten von Drittanbietern entpuppen. Einer davon ist beispielsweise die amerikanische Heart Association. Sie verlangt eine erneute namentliche Registrierung. Die eingegebenen Herz-Kreislauf-Daten werden automatisch mit der Healthvault-Akte synchronisiert - kostenlos. Das ist nicht bei allen Microsoft-Partnern so. Die Firma Capmed zum Beispiel verlangt für das Abspeichern von Notfalldaten wie Kontaktinformationen, Allergien und Impfungen pro Jahr 9,95 Dollar.

Grad Conn, der bei Healthvault die Produktstrategie verantwortet, bezeichnet diese Vernetzung als "interaktive Werbung" für Dienstleistungen oder medizinische Geräte aus dem zweiten Gesundheitsmarkt. Innerhalb der Internetpatientenakten werde auch künftig keine Werbung erscheinen. Geld sollen Textanzeigen bringen, die neben Suchergebnissen eingeblendet werden, sagt Conn, "ähnlich wie bei Google".

Google Health ohne Werbung

Google selbst, das mit diesem Anzeigenkonzept in den vergangenen Jahren sehr erfolgreich war, will dagegen werbefreie Zonen schaffen. Die künftige Patientenakte Google Health, von der bisher lediglich Screenshots veröffentlicht wurden, soll zunächst auf Werbung verzichten. Profitieren will das Unternehmen davon, dass durch Google Health die zentrale Startseite für die Internetsuche noch häufiger besucht wird. So funktioniert derzeit schon das werbefreie Angebot Google News. Der Internetkonzern, der fast seinen gesamten Umsatz mit Werbeerlösen bestreitet, schließt Anzeigen bei Google Health aber nicht aus. Das Projekt sei nicht als reines System für persönliche Krankenakten zu verstehen, sagt Google-Chef Schmidt. Es sei eine Plattform, auf der "viele Dienste aufgebaut werden können. Die echte Innovation entsteht durch diese Plattform".

Seit Mitte Februar läuft ein Pilotprojekt mit der Cleveland Clinic in Ohio, die mit dem Programm "eCleveland Clinic MyChart" bereits mehr als 100.000 Patienten ihre Daten online selbst verwalten lässt. 1500 von ihnen testen jetzt bis Ende April Google Health, indem sie Daten wie Rezepte, Allergien und Therapiepläne zwischen ihrer in der Klinik angelegten elektronischen Krankenakte und den Google-Servern hin- und herschicken.

Eine leicht anzulegende Zugangsberechtigung auf einer Internetseite - mehr ist nicht nötig, um die neuen Angebote zu nutzen. Die US-Softwarekonzerne geben damit ein deutlich höheres Tempo vor als Politik und Selbstverwaltung in Deutschland, die seit Jahren um die elektronische Gesundheitskarte ringen - und damit ebenfalls den Informationsfluss verbessern wollen. Offiziell soll das Projekt zwischen 1,4 und 1,6 Mrd. Euro kosten - eines der weltweit größten IT-Vorhaben im Gesundheitswesen.

Doch es hinkt dem Zeitplan bereits Jahre hinterher. Zwar wurde Ende 2007 die Telekom-Tochter T-Systems mit dem Aufbau der Dateninfrastruktur beauftragt. Trotzdem verstreicht in diesem Monat ein weiterer Termin zur Einführung der Karte, die einmal ein Schlüssel zur digitalen Patientenakte werden soll. Zusätzlich zu Basisdaten wie Name, Geburtsdatum und Versicherung sollen irgendwann auch Angaben zur persönlichen Krankengeschichte gespeichert werden können.

Neben der Finanzierung ist noch immer umstritten, welche Institutionen mit dem Betrieb der Server betraut werden und wer Zugang zu den Daten hat. Kaum denkbar erscheinen hierzulande weitergehende Funktionen, etwa der direkte Zugriff der Patienten auf ihre eigenen Daten oder Administratorrechte für den Zugang von beliebigen Dritten, wie es die US-Konzerne planen.

Die Deutschen haben bereits Erfahrung

Dabei haben die Deutschen längst Erfahrungen mit webbasierten Patientenakten gesammelt. Bereits vor sieben Jahren startete die Uni Münster Akteonline.de, um den Nutzen von patientengeführten elektronischen Gesundheitsakten zu klären. Die Auswertung ergab vor drei Jahren ein positives Ergebnis. Elektronische Gesundheitsakten erlaubten "dem Nutzer eine aktivere Rolle im Gesundheitsmanagement", sagt Frank Ückert, medizinischer Informatiker, der die Studie leitete. "Das Verständnis von Therapien und Diagnosen wird erhöht."

Auch Intercomponentware (ICW), eine Ausgliederung des Softwarekonzerns SAP, kam vor acht Jahren mit der Gesundheitsakte Lifesensor auf den Markt. Für 5 Euro im Monat bietet das Unternehmen seitdem den Zugang zu digitalen Akten an - ähnlich jenen, die nun Microsoft und Google aufbauen. Allerdings verfolgt ICW eine andere Strategie: "Im Unterschied zu Microsoft und Google bieten wir keine zentralisierte Akte an, die von Patienten und Ärzten eigens mit Daten bestückt werden muss", sagt Vorstandschef Peter Reuschel. "Uns geht es auch um die Integration der vorhandenen Patientenakten bei niedergelassenen Ärzten und Krankenhäusern. Diese Systeme müssen miteinander reden können. Und es geht darum, diese Daten für Patienten verständlich aufzubereiten.

Großer Vorteil für die Patienten

Den deutschen Markt haben die amerikanischen IT-Giganten zwar noch nicht im Visier, aber selbst wenn sie direkte Konkurrenten würden, brächte das Reuschel nicht aus der Ruhe: "Die neuen Aktivitäten der US-Konzerne sehen wir prinzipiell positiv, weil sie Angebote dieser Art breiter bekannt machen, als uns das gelingen könnte." Die Deutschen könnten auf jahrelange Erfahrung zurückgreifen, wie Systeme bei Ärzten, Kliniken oder Apotheken ineinander greifen könnten. Der Nutzen der Onlineakten steht für Reuschel außer Zweifel: "Durch die elektronische Gesundheitsakte können Patienten sehr viel stärker in die Versorgung einbezogen werden." Die regelmäßigen Log-Ins der Nutzer zeigten, dass es keine Datenfriedhöfe seien wie die herkömmlichen Akten bei Ärzten und Therapeuten. Die Frage, wie Patienten ihre Daten im Detail einsetzen, soll jetzt ein Forschungsprojekt der Barmer Ersatzkasse klären. Den Lifesensor-Account bekommen Barmer-Versicherte für knapp 2 Euro pro Monat, sie nehmen anonym an der Studie teil. "Wir stellen ein zunehmendes Interesse der Bürger fest, sich über Gesundheitsthemen zu informieren", sagt Barmer-Vorstandschef Johannes Vöcking. "Ich schätze, dass es in fünf bis sechs Jahren rund 300.000 Versicherte sein könnten, die die neue elektronische Gesundheitsakte nutzen."

Auch die Münsteraner Forscher hatten bereits eine ähnliche Studie erarbeitet. Dabei zeigte sich: "Die Funktionen, die die Patienten selbst mit Daten befüllen mussten, sind während unseres Projekts kaum genutzt worden", sagt Ückert. Aufgrund dieses Befunds zweifelt der Wissenschaftler daran, dass Microsoft und Google weltweit erfolgreich sein können. "Als Geschäftsmodell funktionieren elektronische Patientenakten in Deutschland nur schwer."

Ückert sieht zwei Möglichkeiten: Man könne zum einen Nischen besetzen, beispielsweise mit Angeboten für chronisch Kranke. Allein in den USA gibt es 50 Millionen Patienten mit Bluthochdruck und mehr als 20 Millionen Diabetiker. "Oder man setzt auf den Massenmarkt der heranwachsenden neuen Generation, die technikaffiner ist. Bei Google habe ich überhaupt kein Problem, diesen langen Atem zu unterstellen."

Doch selbst die Amerikaner, die es gewohnt sind, Gesundheitsdienstleistungen auch als Konsumgut zu betrachten, sind bislang zurückhaltend. Die wenigsten verfügen über eine online verwaltete Krankenakte: Laut Microsoft-Manager Conn sind es gerade einmal ein Prozent der Bevölkerung. Eine der vielen Hürden sei der Umstand, dass sich die Akten und Daten bei unterschiedlichen Kliniken, Ärzten und den Patienten befinden und oft nicht in digitaler Form vorhanden seien.

Sorge um Datenschutz

Ein wesentliches Konfliktfeld bleibt der Datenschutz. Es ist das zentrale Streitthema in der Debatte um die deutsche Gesundheitskarte - nun erhält es auch in den USA immer größere Aufmerksamkeit. Das zeigen nicht zuletzt die Beteuerungen der IT-Manager selbst. "Unser Modell sieht vor, dass der Eigentümer der Daten die Kontrolle darüber hat, wer sie sehen kann", sagte Google-Chef Schmidt bei der Präsentation der Onlineakte.

Auch Microsoft-Manager Conn versichert, die Suche auf Healthvault sei sicherer als jene mit der regulären Microsoft-Suchmaschine: "Ohne ausdrückliche Zustimmung des Nutzers bekommen Dritte keinen Zugang zu den Daten." Gerade Google aber steht mit seinen zahlreichen Diensten seit Jahren in der Kritik. "Die kommerziellen Anbieter dieser online verfügbaren persönlichen Krankenakten sind kaum reguliert", warnt Joy Pritts, Chefin des Center on Medical Record Rights and Privacy an der Georgetown University in Washington.

"Außerdem braucht man ein rechtswissenschaftliches Diplom, um ihre Privacy-Richtlinien zu lesen und um zu verstehen, was sie mit den Nutzerdaten anstellen dürfen." Pritts empfiehlt Patienten, genau zu überlegen, welche Daten sie online stellen, und das Kleingedruckte zu lesen. "Kaum einer tut das, vor allem nicht online", sagt Pritts.

Vorsicht vor Phishing-Methoden

Das bestätigt ein Experte, der sich nicht nur mit Google, sondern auch mit Informationstechnologie in der deutschen Gesundheitsbranche auskennt. Beim Chaos Computer Club, der einst als mysteriöse Hackervereinigung galt, sich aber längst einen guten Ruf erarbeitet hat, ist Rainer Glück sehr skeptisch: "Das Versprechen, etwa von Google, die Daten zu schützen, ist zweifelhaft."

Für Glück, der selbst schon Analysesoftware für große Datenbanken von Krankenversicherungen und Kassenärztliche Vereinigungen geschrieben hat, ist klar: "Die klassischen Phishing-Methoden, die man vom Onlinebanking kennt, funktionieren hier genauso. Wie kann man sich sicher sein, dass der Patient wirklich der einzige ist, der diese Daten sieht? Man kann es nicht." Für die Werbe- und Marketingabteilungen sämtlicher Gesundheitsdienstleister seien diese Daten hochinteressant, aber auch für die Pharmaindustrie. "Darüber hinaus wären Datensätze, die Patienten auch noch selbst pflegen, für Krankenversicherungen unschätzbar wertvoll, um ihre Risiken besser zu kalkulieren."

Franz-Josef Bartmann, Vorsitzender des Ausschusses Telematik der Bundesärztekammer, sieht genau in solch einer Nutzung der Daten den Sinn der neuen US-Projekte: "Wir dürfen nicht zulassen, dass Patientendaten zur Handelsware werden." Jeder könne einer Weitergabe zwar widersprechen, aber es sei leicht möglich, bei der Einrichtung des Zugangs zu vergessen, das entsprechende Häkchen zu setzen. "Reiner Altruismus, um Menschen etwas Gutes zu tun, ist in diesen Strukturen nicht denkbar." Die großen US-Konzerne werben daher intensiv um Vertrauen - und entwerfen die Vision eines mündigen Patienten, der durch die Technik mehr Macht im Gesundheitssystem erhält: Die Vision des Patient Empowerment. "Vertrauen ist für Google die wichtigste Währung im Internet", sagt Google-Chef Schmidt. "Anders können wir mit diesen Angeboten gar nicht erfolgreich sein", sagt auch Microsoft-Manager Conn.

Trotz aller Bedenken wegen der Datensicherheit teilen diese Vision auch die Kritiker. "Unter dem sozialen Aspekt ist es sehr zu begrüßen, wenn Menschen über ihre eigenen Daten verfügen können", sagt etwa Glück vom Chaos Computer Club. Patient Empowerment bedeute aber auch, dass die Patienten mehr Verantwortung für ihre Daten übernehmen - und sich genau überlegen, was sie online stellen.

Qualitätssteigerung für die Behandlung

Ähnlich sieht es auch Wolfram-Arnim Candidus. Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Versicherte und Patienten empfindet Misstrauen gegenüber kommerziellen Anbietern. Die Weiterentwicklung elektronischer Gesundheitsakten sei jedoch im Grundsatz nicht nur sinnvoll, sondern auch nötig. "Die schnelle Verfügbarkeit der Fakten zum Gesundheitszustand senkt die Risiken in der Behandlung.

Die Diagnose und Therapie wird beschleunigt. Und gleichzeitig wird die Qualität der Behandlung und die Wirtschaftlichkeit verbessert", sagt Candidus. "Wir brauchen die elektronischen Akten, sonst steigt der Kassenbeitrag bald auf 20 Prozent." Patienten sollten aber gemeinsam mit dem Arzt entscheiden, welche medizinischen Daten hinterlegt werden - und welche nicht.

Denn wie leicht diese missbraucht werden können, zeigt ein aktueller Fall: Die private Signal-Krankenversicherung soll von den gesetzlichen Kassen IKK Hamburg und IKK Weser-Ems Versichertendaten erhalten und damit Telefonwerbung für Zusatzpolicen gemacht haben. Die Staatsanwaltschaften in Hamburg und Oldenburg ermitteln. Die Versicherungen äußern sich dazu nicht. "Dass es sich auch um medizinische Daten gehandelt hat, ist nicht ausgeschlossen", sagt ein Behördensprecher.

FTD

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