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16. April 2010, 16:19 Uhr

Keine Panik wegen der Vulkanasche

Nichts geht mehr über Europa, Flugzeuge bleiben am Boden. Ein Lungenfacharzt erklärt, ob die Aschewolke aus Island für Menschen gesundheitsschädlich sein kann.

© Charité Zur Person Der Lungenfacharzt Professor Karl-Christian Bergmann ist Leiter der allergologisch-pneumologischen Ambulanz am Allergie-Centrum der Berliner Charité. Er ist Mitglied der Europäischen Stiftung für Allergieforschung (Ecarf) und gehört zum Vorstand der Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst.

Herr Professor Bergmann, die Aschewolke aus Island bewegt sich auf Deutschland zu. Geht davon eine gesundheitliche Gefahr für die allgemeine Bevölkerung aus?

Nein, im gegenwärtigen Moment geht davon keine Gefahr aus. Es besteht also kein Grund zur Panik. Die Staubwolke ist momentan noch sehr hoch, acht bis zehn Kilometer. Wenn Teilchen herunterkommen, dann nur als ein feiner Staubfilm, sehr stark verdünnt und in kleinen Mengen. Ich gehe davon aus, dass das zu keinen Reaktionen in der Lunge führt, auch nicht bei Asthmatikern, die ja bereits vorbelastet sind.

Die britische Gesundheitsbehörde hat Menschen mit Atemwegserkrankungen zur Vorsicht gemahnt, sogar die WHO schlägt Alarm. Ist die Aschewolke nicht gerade für diese Gruppe besonders gefährlich?

Diese Menschen würden zumindest als erstes merken, wenn Staubteilchen besonders konzentriert niedergehen, weil die Bronchien von Asthmatikern entzündet sind, was wiederum dazu führt, dass sie besonders empfindlich reagieren. Aber gegenwärtig dürften die Staubteilchen in Deutschland keine Gefahr darstellen - weder bei Allergikern, noch bei Asthmatikern. Solange die Wolke nicht tiefer runterkommt, müssen wir uns keine Gedanken machen.

Was würde denn passieren, wenn die Wolke tiefer sinkt? Auf was müssen Asthmatiker dann achten?

Asthmatiker sollten dann überprüfen, ob sie mehr Reizhusten haben oder eine Verengung der Atemwege. Ist das der Fall, sollten die Betroffenen besser nicht zuviel Zeit an der Luft verbringen und sich wenig körperlich belasten.

Was passiert, wenn solche Teilchen in die Atemwege gelangen?

In der Regel enthalten solche Aschewolken kleine, kristalline Staubteilchen ohne chemische Wirkung. Sind diese Partikel groß genug, werden sie in der Nase abgefangen und ausgeschneuzt. Sind sie klein genug, gelangen sie in die Bronchien, werden von dort mit kleinen Härchen, dem sogenannten Flimmerepithel, wieder nach oben befördert und ausgespuckt oder runtergeschluckt. Bei Menschen, deren Lungentätigkeit schon beeinträchtigt ist, kann das zu Reizungen führen und zum Beispiel zusätzliche Asthmaanfälle auslösen.

Auch Pollenallergikern könnte der Staub Probleme bereiten, befürchten Experten. Die Ascheteilchen könnten sich an die Pollen heften und diese aggressiver machen. Ist das möglich?

Prinzipiell ja. Die Teilchen müssten dafür allerdings sehr klein sein. Wir beobachten intensiv, ob sich das Verhalten der Pollen ändert und ob sich Staubteilchen daran ablagern. Ergebnisse sind allerdings erst in den kommenden Tagen zu erwarten.

Welche Krankheitssymptome könnten durch den Aschestaub hervorgerufen werden?

Als erstes leiden Augen, Nase und Atemwege. Die Augen sind gerötet und tränen vermehrt. Die Nase juckt, die Partikel lösen einen Niesreiz aus. Ein weiteres Symptom, an dem gut zu erkennen ist, dass etwas in der Luft liegt, ist ein trockener Reizhusten.

Was kann man tun, wenn man diese Symptome bemerkt?

Wer eine Vorerkrankung hat, ist in der Regel schon ausreichend mit den notwendigen Medikamenten wie einem Asthmaspray versorgt. Wer ansonsten gesund ist und schlimme Symptome aufweist, sollte einen Lungenarzt, einen Allergologen oder einen Kinderarzt aufsuchen. Das sind aber alles Ratschläge, die jetzt noch keine Rolle spielen. Von der jetzigen Aschewolke geht keine Gesundheitsgefahr aus, sie wird erst dann gefährlich, wenn der Staub in viel größeren Mengen sinkt. Es bleibt natürlich abzuwarten, wie sich die Lage auf Island und die Wetterlage in den kommenden Tagen entwickeln. Noch ist der Vulkan weiter aktiv und schleudert Asche in die Luft. So wie das Wetter momentan ist, sieht es allerdings danach aus, dass die Aschewolke bestenfalls erst einmal über uns hinweggetragen wird und nur wenige Teilchen absinken.

Interview: Lea Wolz
 
 
KOMMENTARE (10 von 18)
 
SpringbokCT (17.04.2010, 17:50 Uhr)
Tja, bei mir läuft heute auch nur die Turbine des Rasenmähers, hoffentlich setzt sich kein Vulkanstaub darin fest.

Auch bei einer NATO-AirForce Übung fliegt normal kein einziges Flugzeug.
STR_EDDS (17.04.2010, 17:19 Uhr)
@SpringbokCT: Tja - wäre wunderschön, heute mit der FK 14 zu gurken. Freie Kontrollzonen, ein Plausch mit dem Lotsen... Aber leider hat der heimische Garten Priorität.
.
@jugen: Bei dieser Übung fliegen keine Jets zwischen 6k und 10k mtr. Höhe. Die eingeplanten E-3A (a.k.a. AWACS) werden nur auf NTM geprüft. zudem findet der größte Teil der Übung am Boden statt (Material- und Informationslogistik, Truppenverlegung).
SpringbokCT (17.04.2010, 16:01 Uhr)
> H.P.
Der Wind im Westerwald bläst kalt, ob oder ob keine Flugzeuge drüber fliegen.

Sie verwechseln im Übrigen die Reihenfolge. Gerade wegen dem schönen Wetter (Hoch) sind wir durch diese Vulkanasche beeinflusst was wiederum bedeutet, dass deswegen keine Flugzeuge fliegen.
jugen (17.04.2010, 15:53 Uhr)
Wie gefährlich ist die Vulkanasche oder etwa doch eher Vulkanverarsche?
Offensichtlich findet gerade eines der größten Luftmanöver der Nato statt. Es trägt den Namen BRILLIANT ARDENT 2010.
Das großangelegte Luftmanöver der NATO Response Force / NRF läuft vom 12. -22. April und das ausgerechnet über Norddeutschland.
Die NATO Response Force (NRF) ist eine Eingreiftruppe der NATO, die in zeitlich hoher Verfügbarkeit durch ihren modularen Aufbau in einem breiten Spektrum möglicher Operationen eingesetzt werden kann.

Scheinbar wird dieses Ereignis von der Mainsteampresse komplett ignoriert. Zumindest beim Amt für Flugsicherung der Bundeswehr, kann man nicht erkennen, dass dieses Manöver nicht stattfindet.

Gilt das europaweite Flugverbot für Militärflugzeuge nicht?
In der aktuellen Situation, müsste man doch normal von einer Absage dieses Manövers aufgrund der aktuellen Situation ausgehen.

Ist diese "Übung" etwa der Grund für das Flugverbot, oder was ist das Ziel dieser Veranstaltung?

SpringbokCT (17.04.2010, 15:51 Uhr)
> EDDS
Jetzt bin ich ja zu tiefst enttäuscht - das schönste VFR-Wetter und ..... Ab über die Alb.
H.P. (17.04.2010, 15:48 Uhr)
Weniger fliegen
Ich vermute das all die Flugzeuge über uns mehr Dreck in die Luft blasen als die Vulkanasche. Die Luft im Westerwald ist zur Zeit klar und sauber weil keine Flugzeuge fliegen.
Wenn weniger geflogen würde ginge es uns allen besser, auch der Natur!
Dank an den Vulkan
Johann58 (17.04.2010, 15:42 Uhr)
Lieber Verschwoerunstheoretiker
hoffentlich sitzt ihr nicht irgendwann einmal in einem Flugzeug, welches rein zufaellig durch eine Staubwolke vulkanischen Ursprungs fliegt und die Triebwerke fallen aus. Sollte der Pilot dann in der Lage sein die Triebwerke wieder zu starten, dann verdonnert man euch hoffentlich zum Reinigen der Sitze. Da ja ein antriebsloses Flugzeug nicht wie ein Stein vom Himmel faellt habt ihr sicher genug Zeit ueber den Schwachsinn nachzudenken, den ihr hier schreibt.
Noctim (17.04.2010, 15:37 Uhr)
@aixo
spielst du auf diese komische theorie mit den kondensstreifen an? chemtrails oder so...
STR_EDDS (17.04.2010, 15:37 Uhr)
:-)
Ich rupf mir gleich den Partikelfilter aus dem Auto und fahre Kreise um Stuttgart. Dann ist Montag auch nix mehr mit Fliegen. Jawohl! Ich mache mir meine eigene Verschwörung.
Datenaktuell (17.04.2010, 15:20 Uhr)
Eher ein Problem für Wochen bis Jahre
Mein Tip ist viele Dauerstops im Luftverkehr für ganz 2010. Denn die isländischen Vulkane waren schon früher Monate bis 1-2 Jahre jeweils aktiv.
Wie http://diepresse.com/home/panorama/welt/558470/index.do?from=rss zeigt gibt es primär keine Schäden an Flugzeugen die durch die Wolke geflogen sind.
Allerdings wäre auch nur leicht erhöhter Verschleiß ein k.o. Punkt für Flüge.
Und mit vielen Wochen bis Jahren Staub in der Stratosphäre erwischt es die Flieger weltweit auf absehbare Zeit.
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