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9. September 2009, 12:00 Uhr

Fast jeder Zweite geht krank zur Arbeit

Arbeiten trotz Krankheit? Für viele Deutsche ist das offenbar nicht ungewöhnlich. In einer Umfrage haben 42 Prozent der Beschäftigten angegeben, dass sie in den zwölf Monaten zuvor mindestens zweimal krank zur Arbeit gegangen seien - zum Schaden der Unternehmen.

Krankenstand, Bertelsmann, Gesundheitsmonitor, Krankmeldung, Arbeitnehmer

Experten zufolge ist die Angst vor Jobverlust der Grund, warum sich Menschen häufig krank zur Arbeit schleppen© Colourbox

Krankheit ist für viele Arbeitnehmer in Deutschland kein Grund, zu Hause zu bleiben: 42 Prozent der abhängig und selbstständig Beschäftigten hätten bei einer Umfrage angegeben, dass sie in den vorangegangenen zwölf Monaten zweimal oder öfter krank zur Arbeit gegangen seien, berichtet die Bertelsmann Stiftung aus ihrem am Mittwoch veröffentlichten Gesundheitsmonitor. Zwei Drittel der Befragten täten dies vor allem aus Pflichtgefühl und weil sonst Arbeit liegen bleibt. Für die Studie wurden im Herbst 2008 rund 1500 Menschen befragt.

Experten bezeichnen es als Präsentismus, wenn Beschäftigte, vor allem in Krisenzeiten, trotz Krankheit am Arbeitsplatz erscheinen - aus Angst vor Jobverlust. Alleinstehende sind der Studie zufolge besonders vom Präsentismus betroffen. Singles berichteten demnach mit 78 Prozent deutlich häufiger, krank zur Arbeit zu gehen, als Paare und Familien (69 Prozent). Ein Grund könne die unterschiedliche Neigung zu Krankheitsverleugnung sein, heißt es. Die Annahme, dass es vor allem Selbstständige sind, die besonders oft krank arbeiten, könne allerdings nicht bestätigt werden. Das Gegenteil sei der Fall. Der Anteil an Selbstständigen sei mit 52 Prozent deutlich kleiner als der Anteil der abhängig Beschäftigten, der bei 74 Prozent liege.

Ein "gesunder" Umgang der Beschäftigten mit Krankheit ist nach Angaben der Stiftung abhängig von den Führungskräften. 65 Prozent der Befragten hätten berichtet, dass sie im Krankheitsfall auf Hilfe und Unterstützung bei Kollegen sowie auf Verständnis bei Vorgesetzten hoffen konnten. Zudem nehme die Wahrscheinlichkeit eines vernünftigen Verhaltens bei Krankheit mit erhöhter Arbeitsfreude und gutem Betriebsklima zu.

Studien zeigten, dass die Kosten rechtzeitiger Krankmeldungen letztlich geringer seien als die, die durch krank arbeitende Mitarbeiter entstünden, sagte Stefan Empter, Senior Director der Bertelsmann Stiftung. Diese Mitarbeiter fielen später möglicherweise viel länger aus oder steckten Kollegen an. Die engagierte Führungskraft sei der Schlüssel, wenn es um Prävention von Präsentismus gehe.

mad/DPA
 
 
KOMMENTARE (3 von 3)
 
MadDoubleF (09.09.2009, 14:07 Uhr)
tolle Statistik-Zahlen
Kommt auch immer auf die Art der "Krankheit" an. Wenn ich nen Schnupfen und leicht erhöhte Temperatur habe, dann renn ich doch nicht gleich zum Arzt. Denn der würde mich gleich wieder für mindestens 1 Woche krank schreiben, auch wenn es reicht nur mal 2 Tage halblang zu machen.
Bei einem viralen Infekt sieht das schon anders aus. Da ist es besser lieber einen Tag früher zum Arzt zu rennen, bevor andere aus der Belegschaft angesteckt werden.
Man kann das also nicht so pauschal schreiben. Aber ja, ich arbeite auch im kranken Zustand. Denn jeder Tag, den ich fehle, kostet den Arbeitgeber Geld ohne dass ich welches erwirtschafte.
bernie-abg (09.09.2009, 13:34 Uhr)
@Ansichtssache...
...muß das nicht "verbrauchbar" heißen?

Also los, ihr "Schweinegrippler", ab in die Betriebe, Guido will die Dividenden fließen sehen.
Und nach uns die Sintflut.
Ansichtssache (09.09.2009, 13:16 Uhr)
In Zeiten
des Rückfalls in den Frühkapitalismus, sind Menschenwürde und auch - Rechte kein Thema mehr...nur wer noch arbeiten kann, ist brauchbar...
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