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7. Mai 2009, 06:11 Uhr

Der Tod lauert im Krankenhaus

MRSA, Klinik, Hygiene-Schlamperei, Hygiene, Keime,

Mit strikten Hygiene-Maßnahmen lässt sich die Ansteckungsquote radikal reduzieren - die Niederlande machen es vor© Colourbox

BGH-Urteil verbessert die Klagechancen

Seit die Öffentlichkeit zunehmend über MRSA aufgeklärt wird, nehmen Patienten nicht mehr jede Klinikinfektion als schicksalhaft hin, sondern klagen, wenn ihnen offensichtliche Hygienemängel aufgefallen sind. Ein BGH-Urteil vom vergangenen Jahr verbessert ihre Chancen. "Wenn die Keimübertragung durch korrekte hygienische Versorgung hätte verhindert werden können, haftet der Arzt beziehungsweise die Klinik", interpretiert der Karlsruher Rechtsanwalt Matthias Klein die neue Richtung. Ein Verstoß gegen grundlegende hygienische Selbstverständlichkeiten führt zur Umkehr der Beweislast. Klein: "Der Kläger muss im Prozess nur behaupten, dass seine MRSA-Infektion aus einem hygienisch voll beherrschbaren Bereich des Krankenhauses stammt. Danach ist es an der Klinik, sich zu entlasten. Und Gerichte bewilligen in Arzthaftungsverfahren für klagewillige Patienten ohne Rechtsschutzversicherung schon aus verfassungsrechtlichen Gründen relativ leicht Prozesskostenhilfe."

Mindestens ein Drittel der Todesopfer seien durch striktere Hygiene vermeidbar, schätzt DGKH-Sprecher Zastrow. Neben Stress und Schlamperei sei oft Unwissenheit im Spiel. Da werden in der Eile nicht sterile Venenkatheder eingeführt. Gedankenlos hebt ein Arzt den heruntergefallenen Kugelschreiber vom Boden oder das Stethoskop von einem Kopfkissen auf - und hat schon Keime an den Händen, so dass er Infektionen verbreitet. Das passiert auch, wenn die Krankenschwester sich brav sterile Handschuhe zum Verbandswechsel überstreift, damit aber erst den alten verkeimten Verband entfernt und anschließend den neuen anfasst, der dann nicht mehr steril ist.

Informationskampagne "Saubere Hände" läuft zum zweiten Mal

Um das gesamte Klinikpersonal zur sorgfältigeren Desinfektion anzuhalten, läuft in diesem April zum zweiten mal die Informationskampagne "Saubere Hände" des Aktionsbündnisses "Patientensicherheit" in den Krankenhäusern an. Nicht nur Putzfrauen und Pflegern, auch Ober- und Chefärzten täte eine solche Nachhilfe gut, heißt es bei der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene. Doch bisher beteiligt sich nur ein Viertel der 20.000 Kliniken an der Kampagne.

Auch sonst fehlt es in Sachen Hygiene vielerorts an der forschen Energie, die deutsche Mediziner bei ihren Honorarforderungen aufbringen. Nur die Bundesländer Berlin, Bremen, Sachsen und das Saarland haben ein flächendeckendes Hygiene-Management eingeführt. Dort muss jedes Krankhaus ab 300 Betten eine Hygiene-Fachkraft beschäftigen, ab 450 Betten sogar einen Facharzt für Hygiene, der den Mitarbeitern auf die Finger schaut. Ein vor Jahresfrist angekündigter Bundesgesetzesentwurf für verpflichtende Hygiene-Auflagen verstaubt in Ministeriums-Schubladen.

Dabei lehrt ein Blick über die Grenze in die Niederlande, wie sich mit strikten Hygiene-Maßnahmen die Ansteckungsquote radikal senken lässt. So werden in Holland beispielsweise alle Risikopatienten bei der Einlieferung ins Krankenhaus auf Keime untersucht und in Quarantäne-Zimmern untergebracht, bis das Labor grünes Licht gibt. Keimträger werden erst "saniert". Das gilt auch für einreisende deutsche Patienten. Inzwischen ist der Quarantäne-Stau gemildert, denn 40 grenznahe deutsche Kliniken unter Leitung des Uni-Klinikums Münster haben ein deutsch-niederländisches Netzwerk gegründet und die strengen Keim-Kampf-Regeln der Nachbarn übernommen.

In diesem Jahr sollen bundesweit solche Netzwerke folgen. Bayern hat die Idee sofort aufgegriffen. Die ersten Projektgruppen mit Vertretern aus Kliniken, Altersheimen, Pflegediensten und Reha-Einrichtungen entstehen derzeit unter der Leitung des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit. "Infektionen lassen sich nicht komplett vermeiden, aber können durch entsprechende Maßnahmen um 20 bis 30 Prozent verhindern", prophezeit die LGL-Koordinatorin Professor Caroline Herr. Dann könnten sich Kranke etwas hoffnungsvoller ins Krankenhaus trauen.

Von Brigitte Zander
Seite 1: Der Tod lauert im Krankenhaus
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KOMMENTARE (8 von 8)
 
LaoLu (08.05.2009, 01:06 Uhr)
Das eigentlich Unglaubliche an der Geschichte:
- gestern erschien dieser Artikel bei stern.de
- heute ist er bereits aus den Schlagzeilen verschwunden
- mit sieben (!!!) postings, die sich dann auch noch in Erklärungen (Personalmangel, Geld..) verlaufen
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LEUTE!!!!
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Wenn morgen eine neue Infektionskrankheit mit ähnlichen Ansteckungs- und Todesraten in Deutschland aufträte,
glaubt mir, Deutschland würde zum Stillstand kommen!
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Kein ÖPNV, kein Ausgang, kein Reisen, Bundeswehr im Inneren etc.
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Aber 40 - 50000 Tote wg. luschiger Hygiene, das geht schon.
brouwser (07.05.2009, 09:56 Uhr)
Qualität kostet Zeit, Geld und Personal
Patienten mit MRSA werden am Tag als letzte operiert, um andere Patienten nicht zu gefährden. Da schon das Tagesprogramm über die Zeit geht, sind zur OP des MRSA-Patienten nur noch Diensthabende anwesend. Für die geforderte Hygiene ist aber die doppelte Besetzung erforderlich, um strikt zwischen OP-Saal und anderen Räumlichkeiten zu trennen. Wie soll das bitte gehen? Wenn man Glück hat, ist um die Uhrzeit noch jemand im Steri, sonst muß das Dienstpersonal auch das noch miterledigen, und wenn man Glück hat, ist noch völlig unterbezahltes und zu wenigen ausgebildetes Putzpersonal da, sonst geht auch das noch auf Kappe der Diensthabenden, die noch die ganze Nacht vor sich haben. Wundert einen da die vielleicht fehlende Sorgfalt oder besser Kraft ? --- Wer keine Mittel und kein Personal zur Verfügung stellt, darf sich auch über mindere Qualität nicht wundern, wobei ich es ein Trauerspiel finde und mir die betroffenen Patienten leid tun. --- Genauso unverständlich ist aber auch, daß es nicht gestattet ist, Patienten vor OP oder Behandlung z.B. einen AIDS-oder-Hepatitis-Test vorzuschreiben, das wäre ja Eingriff in die Persönlichkeit. Dasselbe Personal, das verklagt wird, wenn sich ein Patient während einer OP infiziert, darf aber nicht klagen, wenn ein Patient seine Krankheiten verschweigt und Tests ablehnt. Es wird selbstverständlich erwartet, daß gesunde Mitarbeiter des Krankenhauses auch solche Leute operieren und sich dabei ggf.genauso ungewollt infizieren, wie sie Pat. ungewollt infizieren, auch mit tödlichen Krankheiten. - Ist das in Ordnung ? - Wenn Transparenz, dann bitte auf beiden Seiten. Viele Patienten treten als ständig Fordernde auf, denen etwas zusteht. Wie wäre es mit einem Kundenvertrag zwischen Behandelnden und Patient, in dem beiderseitige Rechte und Pflichten mal geklärt werden? --- Kanzleien müssen sich nicht wundern, wenn Klinikspersonal über Fragebögen nur noch lacht. Wann bitte sollen sie die noch ausfüllen? In den 4 Stunden Schlaf, die sie haben ??? Die Konsequenz der zunehmenden Klagen kann für das Personal nur noch sein, seinen Job niederzulegen und überhaupt niemanden mehr zu behandeln, sondern sich einen Sesseljob irgendwo zu suchen. Wer denkt, daß das Abwandern in Privatkassen hier Abhilfe schafft, irrt sich gewaltig, denn Chefarztbehandlung innerhalb des normalen Kliniksbetriebes, der trotzdem mit kargen Finanzen und absurden Vorschriften einer immer aufgeblaseneren Verwaltung gegenüber der arbeitenden Bevölkerung auskommen muß, hilft hier gar nichts.
werwolf2004 (07.05.2009, 09:48 Uhr)
Hygiene ist nicht teuer
in über 3 Jahrzehnten die ich auf Intensivstationen und in OP`s gearbeitet habe, kam ich immer wieder zu dem Schluss, das die eigentlichen Hygienestandards vollkommen ausreichend sind und waren. Was nutzt die beste Reinigung des Instrumentariums und der sich befindlichen Dinge im OP, wenn der Mensch selbst nicht den kleinsten Hygienischen Anforderungen nachkommt. Wie kann es sein, das Kliniken, die eine Infektionsrate von unter 10% hatten auf einmal durch die Einstellung neuer Leitender Ärzte auf über 50% hochschnellen. Den Kliniken ist dieses oft bewußt. Diese Leitenden Ärzte jedoch zu entlassen würde Schadensersatzklagen in Millionenhöhe nach sich ziehen. Man sieht es täglich, kann es jedoch nicht beweisen, da Ärzte Ärzte begutachten und sich gegenseitig den Persilschein ausstellen. Es ist dann einfacher, den schwarzen Peter einfach dem Pflegepersonal zu zu schieben. Ich habe meinen Beruf sehr gerne gemacht, bin mittlerweile jedoch froh, mit diesem ganzen Sch* nichts mehr zu tun zu haben.
Kodiac (07.05.2009, 09:32 Uhr)
Relation
Panikmache auf der ganzen Welt wegen der Schweinegrippe mit wenigen 100 Toten. Aber wenn 40.000 !! allein in Deutschland wegen sowas sterben, was solls. Geld wird dafür ausgegeben wo genügend Aktionismuspotiental verhanden ist.
zappuser (07.05.2009, 09:27 Uhr)
Personalmangel ist die Hauptursache
für Hygienemängel. Patienten mit MRSA müssen aufwendig isoliert werden, um den Keim nicht weiter zu verbreiten. Dies gelingt nur mit ausreichend Personal. Mangelt es an Pflegepersonal, klappt auch die Hygiene nicht.
paulali (07.05.2009, 08:39 Uhr)
Intensivstation
ich habe im Winter (Erkältungszeit)eine sehr kranke Freundin auf der Intensivstation besucht. Kein Mensch hat sich dafür interessiert, was ich für Keime an den Händen hatte - keine Desinfektion - kein Schutz - kein Händewaschen Nichts.
Das fand ich unglaublich !
H.P. (07.05.2009, 08:15 Uhr)
Für alles ist Geld da nur nicht für die Hygiene
Man sollte alle Krankenhäuser und auch Altenheime im Internet benennen die schlampig mit der Hygiene umgehen dann wird endlich gehandelt. Für alles ist Geld da nur nicht für die Hygiene in diesen Einrichtungen. Gerade in Krankenhäuser wo man erwartet wieder Gesund zu werden bringt man die Menschen um ihre Gesundheit und auch um ihr Leben.
anuhea (07.05.2009, 07:47 Uhr)
Nicht nur Krankenhäuser...
... müssen sorgfältiger arbeiten, sondern auch niedergelassene Mediziner tragen eine große Mitschuld an der Zunahme der von MRSA ausgelösten Krankheiten, da viele für jede Kleinigkeit Antibiotika verordnen, die bei der speziellen Erkrankung nicht erforderlich sind. Insgesamt aber müssen viele Bereiche in der medizinischen Versorgung transparenter werden. Es wird oft so getan, als ob Befunde oder OP-Berichte Staatsgeheimnisse sind.
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