
In Klärwerken werden viele Arzneiwirkstoffe nicht herausgefiltert© Picture-Alliance/ZB
Um zu verhindern, dass Pharmaka und andere Schadstoffe überhaupt in Flüssen, Seen und Meeren landen, hat Ternes mit weiteren Wasserexperten in einem 80-seitigen Konzept zum Handeln aufgefordert: "Wir müssen bei der Zulassung von Substanzen anfangen und bestimmen, wie groß ihr Gefahrenpotenzial für die Umwelt und auch für das Trinkwasser ist", sagt Ternes. Dies gelte bereits für Industriechemikalien und Kosmetika. Neue Medikamente müssen Hersteller zwar seit 2006 auf ihre Umweltverträglichkeit testen. Doch eine schlechte Öko-Bilanz verhindert nicht die Zulassung eines Präparates. Eine andere Idee ist ein Umweltengel für Arzneimittel, an dem Ärzte und Verbraucher erkennen können, dass sie mit der Wahl dieses Produktes, Umwelt und Trinkwasser schützen. In Schweden gibt es so ein Label bereits seit 2003. Stark belasteter Urin ließe sich hingegen in Trenntoiletten separat entsorgen. Krankenhäuser könnten so zum Beispiel Kontrastmittel aus Röntgenuntersuchungen sammeln; denn diese werden fast vollständig wieder ausgeschieden. Ambulante Variante: Patienten geben ihren Urin in einer Arztpraxis ab.
Die Wasserfachleute plädieren für Vermeiden statt Herausfiltern. "Nur Maßnahmen an der Quelle bringen uns weiter", sagt Ternes. "Die Technik für das Reinigen treibt die Wasserkosten in die Höhe. Das ist nicht nachhaltig." Klärwerke aufzurüsten, sei nur in ausgesuchten Fällen sinnvoll. Für einige Substanzen gibt es aber bereits Grenzwerte. Derzeit legt die EU für 33 Stoffe Limits in Fließgewässern fest. Alle vier Jahre wird die europäische Wasserrahmenrichtlinie überarbeitet. Ternes erwartet, dass weitere Substanzen hinzukommen. Darunter wahrscheinlich Diclofenac.
Auch Arzneimittelhersteller könnten mehr für die Umwelt tun, indem sie gut abbaubare Wirkstoffmoleküle konzipieren. "Das stößt grundsätzlich auf offene Ohren", berichtet Florian Keil vom ISOE. "Aber ein verpflichtendes Umweltkriterium empfinden die Unternehmen als zusätzliche Hürde. Sie sagen, es sei schon schwer genug, neue Medikamente zu entwickeln."