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8. Dezember 2008, 15:46 Uhr

Leben mit der Unsicherheit

Veränderung im Verborgenen: Prostata-Krebs ist der häufigste bösartige Tumor beim Mann© Picture Alliance

Allerdings fehlen überzeugende Alternativen. Bei der Tastuntersuchung erspürt der Arzt nur größere Knoten. Das gleiche gilt für Ultraschalluntersuchungen. Nur der PSA-Test kann Tumoren entdecken, solange sie klein und die Heilungschancen gut sind.

Kein Wunder, dass Wissenschaftler zurzeit eine Reihe von Alternativ-Tests erforschen, die unter anderem weitere Krebs-Marker in Blut und Urin finden sollen. Auch mit Tomographie-Geräten können Ärzte bereits Wucherungen in der Prostata aufspüren. Allerdings gilt keine der Methoden bisher als Standard. "Bildgebende Verfahren sind sehr teuer. Und die Fehlerquote ist immer noch zu hoch, um die Methoden flächendeckend als Vorsorgeuntersuchungen einzusetzen", sagt Sven Reske, Ärztlicher Direktor der Klinik für Nuklearmedizin am Uni-Klinikum in Ulm.

Wenig aussagekräftige Werte

Hartwig Huland, Chefarzt der Martini Klinik in Hamburg, die auf Prostatakrebs spezialisiert ist, hält den PSA-Test für unverzichtbar: "Der Test ist die einzige echte Früherkennungsmethode, die wir haben. Viele Prostatakarzinome sind seit seiner Einführung in einem heilbaren Stadium entdeckt worden."

Allerdings müssen PSA-Werte mit Vorsicht interpretiert werden: Viele Ärzte setzen die Schwelle zwischen "gesund" und "verdächtig" bei vier Milliardstel Gramm PSA pro Milliliter Blutprobe an - ein wackeliger Wert, findet Huland: "Männer mit erhöhtem Spiegel sind häufig gesund, und Männer mit niedrigem Wert können durchaus einen Tumor haben."

Zudem verhält sich nicht jedes Karzinom gleich, sagt Hans-Joachim Gebest, Leiter des Krebsinformationsdienstes des Deutschen Krebsforschungszentrums. Bei einigen Patienten wuchert es aggressiv, bei den meisten wächst es langsam. Viele Männer sterben letztlich an etwas anderem, ohne den Tumor in ihrer Drüse je bemerkt zu haben. Bei Autopsien älterer Männer wurden oft Prostata-Karzinome gefunden, die keine Symptome verursacht und das Leben nicht verkürzt hatten.

Eine Frage der Lebensqualität

Wie sich eine Geschwulst entwickeln wird, kann jedoch niemand voraussagen. Ein vorsichtiger Arzt wird eher zur Biopsie und dann eventuell zur Operation raten - ein Eingriff, der das Leben erheblich verändern kann, wenn dabei Nervenstränge an Harnröhre und Penis verletzt werden: "Die Techniken sind besser geworden, aber Prostata-OPs können immer noch inkontinent und impotent machen", sagt Hans-Joachim Gebest.

Experten wie Huland plädieren daher dafür, beim Kampf gegen Prostatakrebs auch die Lebensqualität des Patienten im Blick zu behalten. Bei leicht erhöhtem PSA kann es besser sein, Blutwerte über Jahre zu messen, als sofort zu therapieren. Huland berücksichtigt auch andere Erkrankungen: "Einem Mann mit einer Lebenserwartung von weniger als zehn weiteren Jahren mit einem kaum aggressiven Prostatakrebs würde ich keine Therapie mehr zumuten", sagt Huland.

Die Leitlinie der deutschen urologischen Fachgesellschaften empfiehlt: Ein Mann Mitte vierzig ohne familiäre Vorbelastung soll vom Arzt zunächst darauf hingewiesen werden, dass sein Risiko für Prostata-Krebs bei etwa 20 Prozent liegt. Ein PSA-Test sollte nur auf ausdrücklichen Wunsch des Patienten erfolgen. 50-Jährigen wird ein PSA-Test nahe gelegt, ebenso 45-Jährigen mit Krebs in der Familie. Das gleiche gilt für Männer, die etwa Probleme beim Wasserlassen haben, wobei hier zunächst andere Ursachen ausgeschlossen werden.

Eine Entscheidungshilfe findet sich auf den Internetseiten von "Früherkennung Prostatakrebs", einem Gemeinschaftsprojekt von AOK Bundesverband, Universität Bremen und Krebsinformationsdienst. Dort können Männer Nutzen und Risiken des PSA-Tests gegenüberstellen und erhalten eine Art persönliches Fazit. Das soll ihnen helfen, beim Arzttermin die richtigen Fragen zu stellen, so Kai Kolpatzik von der AOK: "Das Online-Portal ersetzt nicht den Arzt, aber der Patient geht informierter in die Praxis."

Von Nicole Heißmann
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KOMMENTARE (7 von 7)
 
Redaktion (09.12.2008, 15:54 Uhr)
@SafriHB
Liebe/r SafriHB,
die Daten stammen aus "Krebs in Deutschland - Häufigkeiten und Trends 6., überarbeitete Auflage, 2008". Ihnen ist sicher klar, dass in solchen Dokumentationen nicht die Daten des laufenden Jahres zusammengefasst werden können.
Herzliche Grüße,
Ihre stern.de-Redaktion
SafriHB (09.12.2008, 13:28 Uhr)
Ach so...
...der Artikel bezieht sich auf den Stand von 2003/2004... Dann will ich nichts gesagt haben.
Redaktion (09.12.2008, 10:46 Uhr)
@SafriHB
Lieber/r SafriHB
Ein Blick in die Daten vom Robert-Koch-Institut hilft an dieser Stelle sicher weiter. Aus "Krebs in Deutschland 2003 - 2004. Häufigkeiten und Trends:
"Die zusätzlichen Erkrankungsfälle im Jahr 2004 sind überwiegend auf Erkrankungen der Männer an Prostatakrebs zurückzuführen, der mit etwa 58.500 Erkrankungsfällen die häufigste Krebserkrankung bei Männern darstellt." (...) "Die Überlebensaussichten mit Prostatakrebs und Brustkrebs haben sich so weit verbessert, dass die Zahl der Krebssterbefälle daran mittlerweile abnimmt. Im Jahr 2004 verstarben 11.200 Männer an Prostatakrebs und 17.600 Frauen an Brustkrebs."
Herzliche Grüße,
Ihre stern.de-Redaktion
SafriHB (09.12.2008, 01:21 Uhr)
So schlecht recherchiert...
...ist man ja gewöhnt.
Nicht 10.000 von 60.000 Männern sterben daran - die Überlebensrate liegt bei über 94%. Der Blick in den Pschyrembel, oder wahlweise auch ein Gespräch mit dem Onkologen um die Ecke, hätte sicher zur Qualitätssteigerung des Artikels etwas beigetragen.
Aber an schlechte Artikel ist man ja (mittlerweile) - und - (leider) von stern(.de) gewöhnt...
Oder...? Ne... "bild.de" steht nicht oben in der Leiste...
h-p-t (08.12.2008, 19:39 Uhr)
@Sanjoaquin
kann ich nur bestätigen,...wird nicht lange dauern bis sie uns hier zerreissen, aber macht nix.... wenn nur einer von 1000 darüber nachdenkt ist uns schon wieder etwas mehr geholfen.
interessante bücher zu krebs:
die krebsmafia 1 & 2 ( amazon...)
und allgemein zum treiben der ärzte:
1: "Was Ärzte Ihnen nicht erzählen: Die Wahrheit über die Gefahren der modernen..."
2: "Heilen verboten - töten erlaubt: Die organisierte Kriminalität im Gesundheitswesen"
bevor man mich hier zerpflückt, bitte erst mal hinterfragen und vorher belesen.
falls jemand noch mit "ich wüsste nichts über krebs " kommt, der sollte wissen, das meine mutter, mein opa, und 2 meiner freunde krebs hatten / haben....kann die inhalte der bücher nur bestätigen.
Sanjoaquin (08.12.2008, 19:13 Uhr)
Panik- und Geldmache
Von 1000 Männern, die den PSA-Test machen, werden 120 als positiv getestet. Von diesen 120 sind bei der Biopsie 80 negativ, bleiben 40. Von diesen 40 sterben 32 an anderen Todesursachen ohne dass sie jemals eine Ahnung davon gehabt haben, dass sie allenfalls auch Prostatakrebs hatten. Von den verbleibenden 8 sterben 5 am Prostatakrebs und bei drei kann das Leben verlängert werden. Das sind 3 aus 1000, allerdings belaufen sich die Honorare für die Ärzteschaft für PSA-Untersuchungen auf rund 100 Millionen Euro pro Jahr. Biopsien und Folgeuntersuchungen und -behandlungen nicht mitgerechnet. Prostatavorsorgeuntersuchungen sind nix anderes als eine gewaltige Geldmaschine für die Ärzte. Das sagte schon Dr. Julius Hackethal in den 70-ern des vergangenen Jahrhunderts und wurde dafür prompt von der Ärzteschaft ausgeschlossen.
andreashelsig (08.12.2008, 17:20 Uhr)
...auf gehts Männer zur Untersuchung...
...je früher umso besser!
Ich kenne diese "verdammte" Unsicherheit auf Blutwerte warten zu müssen!...(bin 47)
LETZTENDLICH sagt uns NUR eine Biopsie was los ist...ich hattte Glück, toi toi toi, "nur" eine Entzündung, was aber trotzdem aufpassen und beobachten bedeutet!
An alle Geschlechtsgenossen: eine Biospsie tut heutzutage nicht mehr weh oder ähnliches...aber es lohnt sich für die Gewissheit!
jetzt schon einmal Frohe Weihnachten und mehr...
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