
Veränderung im Verborgenen: Prostata-Krebs ist der häufigste bösartige Tumor beim Mann© Picture Alliance
Allerdings fehlen überzeugende Alternativen. Bei der Tastuntersuchung erspürt der Arzt nur größere Knoten. Das gleiche gilt für Ultraschalluntersuchungen. Nur der PSA-Test kann Tumoren entdecken, solange sie klein und die Heilungschancen gut sind.
Kein Wunder, dass Wissenschaftler zurzeit eine Reihe von Alternativ-Tests erforschen, die unter anderem weitere Krebs-Marker in Blut und Urin finden sollen. Auch mit Tomographie-Geräten können Ärzte bereits Wucherungen in der Prostata aufspüren. Allerdings gilt keine der Methoden bisher als Standard. "Bildgebende Verfahren sind sehr teuer. Und die Fehlerquote ist immer noch zu hoch, um die Methoden flächendeckend als Vorsorgeuntersuchungen einzusetzen", sagt Sven Reske, Ärztlicher Direktor der Klinik für Nuklearmedizin am Uni-Klinikum in Ulm.
Hartwig Huland, Chefarzt der Martini Klinik in Hamburg, die auf Prostatakrebs spezialisiert ist, hält den PSA-Test für unverzichtbar: "Der Test ist die einzige echte Früherkennungsmethode, die wir haben. Viele Prostatakarzinome sind seit seiner Einführung in einem heilbaren Stadium entdeckt worden."
Allerdings müssen PSA-Werte mit Vorsicht interpretiert werden: Viele Ärzte setzen die Schwelle zwischen "gesund" und "verdächtig" bei vier Milliardstel Gramm PSA pro Milliliter Blutprobe an - ein wackeliger Wert, findet Huland: "Männer mit erhöhtem Spiegel sind häufig gesund, und Männer mit niedrigem Wert können durchaus einen Tumor haben."
Zudem verhält sich nicht jedes Karzinom gleich, sagt Hans-Joachim Gebest, Leiter des Krebsinformationsdienstes des Deutschen Krebsforschungszentrums. Bei einigen Patienten wuchert es aggressiv, bei den meisten wächst es langsam. Viele Männer sterben letztlich an etwas anderem, ohne den Tumor in ihrer Drüse je bemerkt zu haben. Bei Autopsien älterer Männer wurden oft Prostata-Karzinome gefunden, die keine Symptome verursacht und das Leben nicht verkürzt hatten.
Wie sich eine Geschwulst entwickeln wird, kann jedoch niemand voraussagen. Ein vorsichtiger Arzt wird eher zur Biopsie und dann eventuell zur Operation raten - ein Eingriff, der das Leben erheblich verändern kann, wenn dabei Nervenstränge an Harnröhre und Penis verletzt werden: "Die Techniken sind besser geworden, aber Prostata-OPs können immer noch inkontinent und impotent machen", sagt Hans-Joachim Gebest.
Experten wie Huland plädieren daher dafür, beim Kampf gegen Prostatakrebs auch die Lebensqualität des Patienten im Blick zu behalten. Bei leicht erhöhtem PSA kann es besser sein, Blutwerte über Jahre zu messen, als sofort zu therapieren. Huland berücksichtigt auch andere Erkrankungen: "Einem Mann mit einer Lebenserwartung von weniger als zehn weiteren Jahren mit einem kaum aggressiven Prostatakrebs würde ich keine Therapie mehr zumuten", sagt Huland.
Die Leitlinie der deutschen urologischen Fachgesellschaften empfiehlt: Ein Mann Mitte vierzig ohne familiäre Vorbelastung soll vom Arzt zunächst darauf hingewiesen werden, dass sein Risiko für Prostata-Krebs bei etwa 20 Prozent liegt. Ein PSA-Test sollte nur auf ausdrücklichen Wunsch des Patienten erfolgen. 50-Jährigen wird ein PSA-Test nahe gelegt, ebenso 45-Jährigen mit Krebs in der Familie. Das gleiche gilt für Männer, die etwa Probleme beim Wasserlassen haben, wobei hier zunächst andere Ursachen ausgeschlossen werden.
Eine Entscheidungshilfe findet sich auf den Internetseiten von "Früherkennung Prostatakrebs", einem Gemeinschaftsprojekt von AOK Bundesverband, Universität Bremen und Krebsinformationsdienst. Dort können Männer Nutzen und Risiken des PSA-Tests gegenüberstellen und erhalten eine Art persönliches Fazit. Das soll ihnen helfen, beim Arzttermin die richtigen Fragen zu stellen, so Kai Kolpatzik von der AOK: "Das Online-Portal ersetzt nicht den Arzt, aber der Patient geht informierter in die Praxis."