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22. März 2007, 11:09 Uhr

Herr Schütte und sein Krückstock

Schütte hat die Geburt der neuen Rauchstopp-Pille aufmerksam verfolgt: US-Freigabe im Mai 2006, die EU-Freigabe vier Monate später© Björn Erichsen

"In dieser ersten Woche passierte überhaupt nichts", erzählt Schütte. "Ich hatte weder das Bedürfnis weniger zu rauchen, noch gab es Nebenwirkungen." Vor allem über Übelkeit, Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit und abnorme Träume hatten die Teilnehmer der Studien geklagt. "Ein flaues Gefühl hatte ich nur dann, wenn ich an den Stichtag dachte."

Kampf gegen die Gier im eigenen Kopf

Der Stichtag kam, unausweichlich: Freitag, der 9. März, sollte Schüttes erster rauchfreier Tag werden. Doch auf seine Frühstückszigaretten wollte er nicht verzichten, erst die vierte an diesem Morgen soll die letzte gewesen sein, der Schlussstrich. Trotz reichlich Vareniclin im Blut durchleidet Schütte die gleiche kleine Hölle wie so viele andere bemühte Nichtraucher.

"Ab Mittag kreisten meine Gedanken im Fünfminutentakt um Zigaretten ", erinnert er sich. "Bloß nicht wieder anfangen", schreibt er in diesen Tagen, halb flehend, halb sich selbst befehlend in sein Tagebuch, und "Ich habe das Gefühl, als würde ich den Zeitpunkt meiner nächsten Zigarette lediglich aufschieben."

"Aber dennoch kann ich die Wirkung von "Champix" spüren. Es dämpft die körperlichen Entzugserscheinungen fast vollständig - viel stärker, als ich das etwa von Nikotinkaugummis kenne." Doch der körperliche Entzug ist nur eine Seite, seinen Hauptfeind hat er längst im eigenen Kopf ausgemacht: "Natürlich hatte ich insgeheim gehofft, dass der Entwöhnung mit 'Champix' doch etwas leichter wäre, aber in erster Linie ist es ein Kampf gegen die Gier im eigenen Kopf."

Keine Chance ohne eigene Motivation

"25 Prozent 'Champix', 75 Prozent ich", so schätzt Schütte den Anteil am bisherigen Erfolg; denn beim Kampf gegen seine eingelebten Raucherrituale kann ihm auch "Champix" kaum helfen. Die Attacken kommen immer in den gleichen Situationen - etwa bei Stress im Job, aber auch, wenn es mal ganz ruhig ist. Vor allem beim Morgenkaffee fehlt Schütte die geliebte Zigarette. Es dauert eben lange, ein Suchtgedächtnis von fast drei Jahrzehnten neu zu programmieren.

"Das Vareniclin kann nur einen Teil der Entzugserscheinungen nehmen, wichtiger ist, dass der Entwöhnungswillige bereit ist, sein eigenes Verhalten umzustellen", sagt Professor Anil Batra, Leitender Oberarzt der Psychatrischen Universitätsklinik in Tübingen und Leiter des dortigen Arbeitskreises zur Rauchentwöhnung. "Produkte wie Vareniclin, Bupropion oder Nikotinpflaster dienen lediglich als Entwöhnungshilfen; ich kann nur davor warnen, den eigenen Anteil am Entzug zu unterschätzen."

"Nichtraucher rauchen nicht!"

Das kann bei "Champix" schnell mal passieren, verspricht das Medikament doch eine quasi folgenlose Zigarette. Das weckt natürlich Begehrlichkeiten: "Die Versuchung ist riesig, ich kann nicht zählen, wie oft ich daran gedacht habe, dass ich mir ja eigentlich eine Zigarette leisten könnte", sagt Schütte. "Aber ich habe es lieber nicht riskiert, mich lieber an eine einfache Weisheit meiner Frau gehalten: "Nichtraucher rauchen nicht!"

Wie viele Raucher es seit März Christian Schütte gleichgetan und sich auf einen Rauchstopp mit "Champix" eingelassen haben, lässt sich nur schwer sagen, Hersteller Pfizer macht dazu keine Angaben. Allzu viele dürften es noch nicht sein, die seit 2001 in Deutschland erhältliche Rauchstopp-Pille "Zyban" wird nur rund 15.000 Mal pro Jahr verschrieben. So mancher wird wohl erstmal abwarten, wie sich das neue Medikament entwickelt.

Noch gibt es eine Reihe offener Fragen: Wie steht es mit Nebenwirkungen? Was ist mit Risikogruppen? Und bestätigt sich die Wirksamkeit von Vareniclin auch außerhalb betreuter Studienbedingungen? "Man muss bedenken: Die Studien fanden praktisch unter idealen Bedingungen statt", sagt Martina Pötschke-Langer. "Risikopatienten, etwa mit Kreislauf- oder Lungenerkrankungen, waren von vornherein ausgeschlossen, alle Anwender waren im mittleren Alter, besonders motiviert und erhielten praktisch eine Rundumbetreuung, wie man sie in Deutschland kaum finden dürfte."

Blumen und Cocktails statt Zigaretten

So richtig optimistisch mag auch Schütte noch nicht in die Zukunft schauen. Zwölf Tage Abstinenz, 475 nicht gerauchte Zigaretten, stehen auf der Habenseite, alle fein säuberlich in seinem Tagebuch notiert. "Aber ich traue mich derzeit noch nicht, eine Prognose abzugeben. So langsam lerne ich die schwachen Momente zu kontrollieren, aber ob ich in zwölf Wochen noch rauchfrei bin, kann ich wirklich nicht sagen."

Weil die Krankenkasse die Kosten für "Champix" nicht übernimmt, hat Schütte bisher durch den Rauchstopp noch nichts gespart. Dennoch hat er sich vorgenommen, das Geld für nicht gerauchte Zigaretten in schöne Dinge zu investieren: Blumen für seine Frau, schick essen gehen, Cocktails trinken. Einfach mal wieder ein bisschen Lebensfreude tanken.

Von Björn Erichsen
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KOMMENTARE (2 von 2)
 
Shien (16.09.2009, 08:09 Uhr)
Erfahrungen mit Champix nach 2 1/2 Jahren
Champix Erfahrung
Hi ihr lieben,
falls ihr noch von Zweifeln geplagt sein solltet, möchte ich euch gern von meinen Erfahrungen mit Champix berichten.

Zuerst ein paar Grunddaten: Ich habe mit ca. 12 Jahren das Rauchen angefangen und pro Tag ca. 1 Schachtel verqualmt......nach zwei Erfolglosen Versuchen mit Nikotinkaugummis hab ich mich dann mit 21 entschieden Champix auszuprobieren.
Erst wollte mein Arzt mir diese Tabletten garnicht verschreiben weil er sie nicht kannte, aber nachdem er sich etwas über den Wirkstoff belesen hatte und ich mit dem Argument kam "ich habe mir nun aber in den Kopf gesetzt JETZT mit diesem Medikament aufzuhören" hat er sie mir dann doch verschrieben.

Als ich dann die Schachtel in der Apotheke kaufte und mich schon darauf eingestellt hatte das am letzten Abend meine letzte Zigarette geraucht war, musste ich oh wunder feststellen, dass ich trotz der Tabletten noch knapp 1 Woche weiterrauchen durfte ;-)

Ich habe auch schon in dieser ersten Woche versucht ein kleines bisschen zurück zu treten (ohne Zwang) einfach ma eine gewohnheitszigarette weglassen........

Zu diesem Zeitpunkt befand ich mich dann mitten im Beziehungsstress und mein neuer Partner war auch Raucher!
Ich muss sagen ich habe durch Champix mitunter "vergessen" rauchen zu gehen. Nach 5 Stunden viel mir auf "mensch sonst wär ich schon 5 oder mehr mals auf den Balkon gegangen". Keine Nervosität, kein Zittern oder sonstwelche Entzugserscheinungen.
Ich war vorher nie Gelegenheitsraucher sondern wirklich starkraucher und konnte meist auch nicht die kleinste Gelegenheit der Zigarette auslassen.......nun war das vorbei.

Ich habe gerade mal die erste Packung aufgebraucht - die zweite hatte ich zwar schon gekauft aber da hatte ich garnicht mehr das bedürfnis nach den Pillen.

Und Nebenwirkungen gab es bei mir garkeine.

Dazu muss aber auch immer gesagt sein, dass sich mindestens 50% auch im Kopf abspielen, man braucht einen Grund irgendetwas woran man festhalten kann.

Ich als Beispiel hatte den simplen Anlass das ich in ein paar Jahren Kinder haben wollte und meinen Körper vorher etwas entgiften wollte. Natürlich hätte ich auch später aufhören können aber irgendwann muss man halt mal den Schritt wagen.

Selbst heute nach 2 1/2 Jahren bin ich immernoch Nichtraucher obwohl mein Partner Starkraucher ist. Es macht mir garnichts aus mit ihm zusammen auf dem Balkon zu stehen wenn er raucht - wenn ich die Wolke abbekomme riecht es immer noch ok - mehr nicht. Naja nur kalter Qualm stinkt!!!
Ich denke abundzu darüber nach das es doch mal wieder schön wäre eine zu Rauchen aber es existiert kein Zwang danach.
Allerdings mach ich mir auch nichts vor - sobald ich eine Zigarette rauchen würde, denke ich wäre ich wieder dran von daher ist es sehr leicht zu widerstehen ;-)

Von daher ich kann Champix jedem empfehlen der den Willen hat mit dem Rauchen aufzuhören und sich nur nicht durch diese Körperliche Hölle zwingen will.

Versucht es! Ich dürcke jedem fest die Daumen!

LG Manja
Georg_ (23.03.2007, 11:25 Uhr)
Champix-Pharmaindustrie löst alle Probleme!
Viel Erfolg beim Nichtrauchen! Ich war 16 Jahre Raucher und bin seit 4 Jahren clean. Dank Alan Carr und Chinesischer Akkupunktur - was für mich der Hammer ist/war: Kein Cold-Turkey keine Schmacht mehr. Mein Tip: Auch andere Gewohnheiten gleich mit ändern: Morgenkaffee: Muss der wirklich sein? Tut es nicht auch Tee? Statt aufer Kautsch Skat/Poker zu spielen lieber Squash, Tennis, Laufen, Radfahren oder Schwimmen mit Freunden!? Einfach nur nicht mehr rauchen ist meist zu wenig um dauerhaft mit dem Rauchen aufzuhören.
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