
Durch die Mode der Intimrasur fallen unregelmäßige, zu kleine oder zu große Schamlippen auf und werden von den Frauen oft als unästhetisch empfunden.© Tuomas Marttila/Picture-Alliance
Aus der psychologischen Forschung kennen wir den Begriff der Recht- fertigungszufriedenheit. Wenn eine Frau eine Schönheitsoperation aus eigener Motivation durchführen lässt und selbst dafür gezahlt hat, ist sie für einen gewissen Zeitraum allein durch den Eingriff psychisch stabilisiert. Aber die Motivation zu einer Schönheitsoperation ist noch vielfältiger. Eine Frau lebt ja nicht isoliert, sondern in einem sozialen Umfeld. Gelegentlich können sich auch zum Beispiel eine Alters- depression oder Paarprobleme hinter dem Operationswunsch verbergen.
Das ist eine ziemlich oberflächliche Sicht. Eine Frau lebt mit ihrem Körper und ihrer Sexualität nicht für sich, natürlich beeinflusst der Partner und die Umgebung die Einstellung zum eigenen Körper. Gibt es in der Paarsexualität Probleme, die nicht angesprochen werden, kann es dazu führen, dass die Frau diese Probleme mit eigenen körperlichen Makeln in Verbindung bringt. Sie rätselt zum Beispiel, warum ihr Mann nicht zum Samenerguß kommt und denkt, ihre Scheide wäre vielleicht zu weit. Sexualität kann man aber nicht auf einen körperlichen Aspekt reduzieren. So hat der Partner vielleicht eine andere Frau oder er hat einfach nicht mehr so viel Lust und kann das nicht offen ausdrücken. Man sollte als Arzt nie die Eintrittskarte der Frau sofort als Wahrheit nehmen, sondern genau hinschauen. Es ist hochproblematisch, das Messer zur Reparatur einer psychischen Störung zu nehmen.
Da es sich bei der Nachfrage nach genitalen Schönheitsoperationen um ein relativ neues Phänomen handelt und bisher auch keine Studien zu dem Thema vorliegen, gibt es kaum Beratungsangebote. Gerade weil diese Eingriffe in den meisten Fällen nicht wirklich medizinisch begründet sind, ist eine sorgfältige Aufklärung wichtig. Insgesamt schätzen wir die Zahl der Schönheitsoperationen in Deutschland auf mehrere hundertausend im Jahr, davon sind einige hundert bis einige tausend Operationen am weiblichen Geschlecht. Wir fürchten, dass dieser Trend genau so ein Massenphänomen werden könnte wie die Brustoperationen und wollen dem entgegensteuern.
Wir wünschen uns mehr Aufklärung und Informationen in der Öffentlichkeit. Viele Frauen, die unbedingt operiert werden wollen, suchen Informationen und Adressen in Chat-Rooms oder über Bekannte, in den meisten Fällen ohne vernünftige Beratung.
Informationen im Netz Frauenärzte im Netz
Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung (BMGS): Broschüre zur Diskussion um den Schönheitswahn: "Spieglein, Spieglein an der Wand."