
Professor Henning Scheich© Michael Trippel
Was schützt, was hilft, was fehlt? Heilbar ist Alzheimer nicht, der Krankheitsverlauf lässt sich aber aufhalten. Und es gibt einiges, was das Hirn vor vorzeitigem Verfall schützt.
Prof. Dr. med. Henning Scheich, Jahrgang 1942, leitet das Magdeburger Leibniz-Institut für Neurobiologie (IfN). Als weltweit angesehener Experte für Lernprozesse und Sprachverarbeitung leistete er umfangreiche Beiträge zur Hirnforschung. Nach dem Studium der Medizin und Philosophie forschte er am Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München, wechselte in die USA und lehrte danach an mehreren deutschen Universitäten. Seit 1994 ist er Direktor des von ihm gegründeten IfN.
1906 erstmals beschrieben, ist die Erkrankung die heute häufigste Form der Demenz. Neben ihr gibt es ähnliche vom Verlust des Gedächtnisses gekennzeichnete Erkrankungen. Alzheimer ist klar altersabhängig, mindestens jeder Vierte über 85 Jahre leidet daran. Leichte kognitive Beeinträchtigungen (LKB) sind etwa Einschränkungen der Merkfähigkeit, die Warnzeichen einer nahenden Demenzerkrankung sein können - rund 20 Prozent der Betroffenen entwickeln diese. LKB äußern sich in zunehmender Vergesslichkeit und der Abnahme von Konzentration und intellektuellen Fähigkeiten. Während man bei solchen Störungen früher wenig Handlungsbedarf sah, raten Mediziner heute dazu, sie durch Lebensstiländerungen zu bekämpfen.
Insbesondere profitiert das Gehirn von:
- sozialem Kontakt, Umgang mit Menschen,
- reichlich Bewegung, die nicht nur die
Gefäßgesundheit entscheidend verbessert,
sondern auch die Stimmung ins Lot bringt,
- einem gleichmäßigen Schlafrhythmus,
- gesunder, ausgewogener und gemüsereicher
Ernährung,
- sorgfältiger Behandlung von Grunderkrankungen,
besonders Bluthochdruck
und Diabetes und
- gezieltem Gehirntraining, etwa durch
Auswendiglernen, Merkspiele usw. Ganz
besonders bewährt hat sich nach Aussagen
von Prof. Dr. Michael Madeja, Hirnforscher
bei der Hertie-Stiftung, das Tanzen: Es bringt
Menschen zueinander und in Bewegung.
Alzheimer-Therapien, die zu einer Heilung führen würden, gibt es nicht. Derzeit werden Impfungen gegen das Amyloid-Protein erprobt, das sich bei Alzheimer im Gehirn ablagert. Dies wird Jahre beanspruchen. Stand der Medizin ist es deshalb, die Symptome der Krankheit mit Medikamenten aufzuhalten und zu lindern. Nach dem Urteil des zuständigen Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) von nachgewiesener Wirksamkeit sind die Acetylcholinesterasehemmer. Für die Substanz Memantin fehlen laut seinem aktuellen Vorbericht entsprechend belastbare Wirksamkeitsnachweise. In seinem soeben erschienenen Bericht zum Naturheilmittel Ginkgo biloba erkannte das IQWiG bei hoher Dosierung (240 mg pro Tag) eine Wirksamkeit bezüglich mehrerer Behandlungsziele an, deren genaues Ausmaß aber weiterer Erforschung bedürfe. Alle Berichte finden sich auf der Instituts-Website, www.iqwig.de.
Übernommen aus ...
Stern
Ausgabe 49/2008