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16. September 2008, 11:11 Uhr

Kassen gegen "kranke" Raucher

Die Forderung, süchtige Raucher künftig als Kranke einzustufen, stößt bei den Krankenkassen auf wenig Begeisterung. Der AOK-Bundesverband nannte den Vorstoß der Bundesärztekammer gegenüber stern.de einen politischen Schnellschuss ohne Substanz.

"Rauchen ist kein 'Lifestyle-Problem'", meint die Bundesärztekammer.© Andreas Lander/DPA

Die Krankenkassen wehren sich gegen die Forderung der Bundesärztekammer, Tabak-Abhängigkeit in Deutschland als Krankheit einzustufen und damit auch die bestehenden Honorarregeln zu ändern. Der Vorschlag sei ein politischer Schnellschuss und ohne weitere Substanz, sagte der Sprecher des AOK Bundesverbandes, Udo Barske, gegenüber stern.de.

"Für uns ist die Forderung viel zu schwammig. Um Folgen abwägen zu können, was eine solche Änderung für die Kassenlandschaft bedeutet, müssen wir wesentlich mehr Angaben haben als, von der Ärztekammer bisher vorliegen", meinte Barske. Bisher wisse niemand, ab wann ein Raucher zum Beispiel als süchtig gelte.

Auch der Spitzenverband der Krankenkassen hält wenig von dem Vorstoß der Ärztekammer: "Wir sehen hier keinen besonderen Vergütungsbedarf", sagte Verbandssprecher Florian Lanz der "Frankfurter Rundschau". Beratungsgespräche rund ums Rauchen gehörten zu den Kernaufgaben insbesondere der Hausärzte und würden innerhalb bestehender Pauschalen vergütet.

Lanz verwies darauf, dass die Kassen sich bereits heute bei dem Thema sehr engagierten, indem sie regelmäßige Gesundheits-Checks sowie Spezialprogramme zur Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes finanzierten. Auch Michael Ihly von der Techniker Krankenkasse (TK) in Hamburg erklärte gegenüber stern.de, die TK sei sehr stark im Bereich der Raucherprävention aufgestellt.

Die Bundesärztekammer hatte am Montag vorgeschlagen, süchtige Raucher künftig auch offiziell als Kranke einzustufen. Es gehe nicht um ein "Lifestyle-Problem", das durch reine Willensanstrengungen oder Gruppengespräche zu beheben wäre, erklärte die Kammer bei einer Anhörung in Berlin, zu der die Bundesdrogenbeauftragte Sabine Bätzing (SPD) eingeladen hatte.

Mit den Aktionsprogrammen will Bätzing das Rauchen und Trinken weiter zurückdrängen. Derzeit raucht nach ihren Angaben rund ein Drittel der Erwachsenen in Deutschland, 9,5 Millionen Menschen trinken Alkohol in "riskanter Weise". 1,3 Millionen Menschen gelten als alkoholabhängig. Brauer, Zigarettenindustrie und Werbewirtschaft stemmen sich aber gegen weitere gesetzliche Auflagen.

Susanne Wächter/MD/DPA/AP
 
 
KOMMENTARE (10 von 11)
 
Sanjoaquin (16.09.2008, 17:27 Uhr)
Eklige Krankheit?
Wertester Herr Clemens1964, versteh ich Sie richtig, wenn Sie hier den Leuten vorschreiben wollen, wie sie politisch korrekt zu sterben haben? Für Sie mag Lungenkrebs eine eklige Krankheit sein, aber ich halte es durchaus nicht für erstrebenswert mit 95 mit einem goldenen Fahrradhelm auf dem Kopf und einem Papageienkostüm am Leibe von einem Omnibus überfahren zu werden.
Im übrigen ist es auch so, dass von 100 Rauchern nur 6 an Lungenkrebs sterben und dass dafür bei den Nichtrauchern die Magen- und Darmkrebsrate wesentlich höher ist als bei den Rauchern.
ramteid (16.09.2008, 15:35 Uhr)
Nachlese
Sofortige Entlassung von Frau Bätzing, aber ohne jegliche Abfindung. Egal welche Partei nach der nächsten Wahl die Regierung stellt, diese Frau muss weg. Es grenzt schon an Volksverhetzung was sie da betreibt. Von richtiger Arbeit z.B. Aufklärung in Schulen, möglichst persönlich und Kampf gegen die kriminelle Drogenszene sieht und hört man nichts. Statt dessen geht sie gegen Bürger vor, die ihren Unterhalt bezahlen.
Asiat (16.09.2008, 14:52 Uhr)
@ Clemens und fladdy
Ob Lungenkrebs oder irgendwas anderes meine Todesursache sein wird, ich habe wenigstens gelebt und leider schon viele juengere aus unterschiedlichen Gruenden abtreten sehen, und mein Tod wird die Allgemeinheit nicht belasten.
Ja, fladdy, der letzte Arzt war der, der mir vor 5 Jahren das Handgelenk wieder zusammengeflickt hat. Ist komisch, dass es heute fast peinlich sein muss, gesund zu sein - und das als Raucher!
ramteid (16.09.2008, 14:39 Uhr)
Aktion Einzahler gegen kranke Ärzte
Teile und Herrsche wird imer mehr Mode. Genügend Bürger gibt es, die das gar nicht merken. Das war schon immer so in Deutschland. Vielleicht kommt dann die Ärztekammer noch auf die Idee chrinisch Kranke auf so eine Liste zu setzen. Eins steht fest, als 1. müssen die überflüssigen 250 GKVs weg, samt ihre Vorstände u. Aufdichtsräte und als 2. die überflüssigen Wasserköpfe und 3. ein Gesetz gegen Verblödung.
Das alles muss sehr schnell geschehen. Die Dummheit treibt zuviele Blüten. Die ersten Auswirkungen kann man schon nachlesen u.a. 16.09. 12.44 u. 14.05 Uhr.
Clemens1964 (16.09.2008, 14:05 Uhr)
@fladdy36
ihr süchtigengeschwätz (in unserer straße hat mal einer gewohnt, dessen uropa ist trotz rauchens 99 geworden...) geht mir nicht einmal mehr auf die nerven. ein lebenslanger raucher hat allerbeste chance an einer ekligen krankheit zu krepieren; ein verb, das ich hierbei nicht zufällig wähle. das ist ein schlimmes persönliches schicksal und teuer für die allgemeinheit. deshalb sind alle maßnahmen gegen die sucht nikotin selbstverständlich legitim.
fladdy36 (16.09.2008, 13:57 Uhr)
@clemens1964
und was sagt dazu der nichtrauchende kohlebergbauer wenn er lungenkrebs diagnostiziert bekommt?
@asiat: komisch mir gehts ähnlich gut nur das ich das letzte mal eine arztpraxis von innen vor runden 10 jahren gesehen habe.... oh halt: ich war letzt beim augenarzt, aber was haben augen mit rauchen zu tun?
Clemens1964 (16.09.2008, 13:45 Uhr)
@Asiat
sie rauchen seit 45 jahren? dann werden sie sicherlich lungenkrebs bekommen, was ihre bilanz etwas unschöner machen wird.
betamonk (16.09.2008, 13:45 Uhr)
@vegefranz
Moin, nachvollziehbarer Vorschlag, leider eindimensional. Nach der Logik müsste ein aktiver kinderloser Jogger ( lebt länger, stützt nicht das Rentensystem) mehr in die Rentenkasse zahlen, damit sein nicht dem System entsprechendem Verhalten der Allgemeinheit zuträglich wird?
Solidarität lebt vom Mitmachen;)
mats123 (16.09.2008, 13:12 Uhr)
Durchsichtiges Manöver
Die Bundesärztekammer und ihre Mitglieder, die Ärzte, manövrieren sich mit solchen durchsichtigen Kampagnen leider immer mehr in die Unglaubwürdigkeit hinein. Schade. Da wird nun mit einem eigentlich positiven Anliegen, nämlich Menschen vom Rauchzwang zu befreien, Lobbyismus betrieben, um noch mehr Geld zu verdienen, wo doch Ärzte ohnehin schon zu den Gutverdienern in der Gesellschaft gehören. Ein Raucher kann doch auch heute schon zum Arzt gehen und sich seine Raucherleiden behandeln lassen, und uns kostet das alles Milliarden Euro jährlich. Die Raucher bringen über das Gesundheitssystem jedes Jahr Kosten in Höhe einer IKB-Krise, ebenso wie die Alkoholiker und andere Risikogruppen. Und leider kann man die Raucher nicht einmal über die Tabaksteuer belangen, weil viele sich ihre Drogen im Ausland oder illegal besorgen. Logischer wäre es, einen extra Rauchertarif bei den Krankenkassen einzuführen, mit einem Aufschlag von 2 Prozentpunkten auf den Beitrag. Von dem Geld sollte man dann vor allem Initiativen fördern, die Kinder vom Stinkstengel fernhalten. Die heutigen Raucher bekommt man ohnehin kaum noch weg von der Fluppe. Man muss die nächste Rauchergeneration möglichst klein halten.
Asiat (16.09.2008, 13:07 Uhr)
Dass ich nikotinsuechtig bin,
weiss ich auch ohne Arzt..., aber ich weiss auch, dass ich in den letzten 17 Jahren ohne Versicherung grob geschaetzt 200 Euro fuer einen Handbruch, ein paar Aspirin und Salben ausgegeben habe, weil ich trotz Rauches seit 45 Jahren einfach gesund bin.
Wie soll es nach Meinung von Vegefranz mit tablettensuechtigen laufen - sollen die die Entziehungskosten selber tragen oder sollte da der verschreibende Arzt zur Kasse gebeten werden?
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