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28. August 2006, 14:27 Uhr

Trocken repariert sich das Hirn selbst

Hoffnung für trockene Alkoholiker: Das menschliche Gehirn, durch Alkohol geschädigt, erholt sich bei längerer Abstinenz. Eine Hirnfunktion aber wird für immer in Mitleidenschaft gezogen.

"Bierleiche" auf dem Oktoberfest: Die meisten Hirnfunktionen regenerieren sich nach Alkoholverzicht© Timm Schamberger/DDP

Die bei vielen Alkoholikern beeinträchtigten Hirnfunktionen regenerieren sich nach längerer Abstinenz weitgehend. Lediglich die Verarbeitung räumlicher Informationen verbessert sich auch durch jahrelangen Alkoholverzicht nicht wesentlich.

Das folgern amerikanische Forscher aus einer Studie an knapp 100 Freiwilligen mittleren Alters. Ob sich die Hirnfunktionen auch von Menschen erholen, die erst nach dem 50. Lebensjahr auf Alkohol verzichteten, sollen weitere Untersuchungen zeigen. Ihre Ergebnisse stellen George Fein vom Forschungsunternehmen Neurobehavioral Research in Corte Madera und seine Kollegen in der Fachzeitschrift "Alcoholism: Clinical & Experimental Research" vor.

Gedächtnis, Reaktionszeit und Sprache unbeeinträchtigt

Schon lange ist bekannt, dass sich Alkohol negativ auf die Funktionen des Nervensystems auswirkt. Ob und welche kognitiven Fähigkeiten aber nach längerer Abstinenz wieder repariert werden können, war bisher unklar. Fein und sein Team untersuchten nun bei den 96 Freiwilligen mittleren Alters unter anderem das Lang- und Kurzzeitgedächtnis, die Reaktionszeit, die Verarbeitung räumlicher Informationen und die sprachliche Ausdrucksfähigkeit. Die Hälfte der Probanden war seit mindestens sechs Monaten trocken, die anderen hatten nur selten oder nie Alkohol getrunken.

Die Wissenschaftler stellten fest, dass sich die kognitiven Fähigkeiten der ehemaligen Alkoholiker im Allgemeinen nicht von den Probanden unterschieden, die nie alkoholsüchtig waren. Die einzige Fähigkeit, die bei den nun abstinenten ehemaligen Trinkern eingeschränkt blieb, war die Verarbeitung räumlicher Informationen. Diese ist für viele Tätigkeiten im Alltag wie etwa das Autofahren wichtig.

Fein und sein Team vermuten daher, dass Ex-Alkoholiker bei Aufgaben, die ein räumliches Orientierungsvermögen verlangen, eher Mühe haben. Ob die Ergebnisse auch auf Trinker übertragbar sind, die erst im Alter von über 50 aufgehört haben, sei jedoch fraglich, sagen die Forscher. Ein älteres Gehirn reagiere wohl empfindlicher auf die schädlichen Auswirkungen des Alkohols.

DDP
 
 
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