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28. August 2008, 15:11 Uhr

Blinde Liebe, blaue Flecken

Die 31-jährige Helene liebte ihren Partner, sie hat dafür sogar bereitwillig Prügel eingesteckt. Heute weiß sie, dass sie unter Beziehungssucht litt - oder noch leidet. Denn der Weg aus dieser Sucht ist schwer. Von Sylvie-Sophie Schindler

Ärger ohne Ende in der Partnerschaft - ein Beziehungsüchtiger kann sich davon dennoch nicht lösen© Colourbox

Er fragte, ob sie ihn heiraten wolle. Da kannten sie sich drei Wochen. Helene*, 31 Jahre alt, weißblondes Haar, Adern schimmern durch ihre dünne, blasse Haut, abgesplitterter Nagellack an den Fingern, sagt, sie hätte alles getan für diesen Mann. Und ja, natürlich, wollte sie ihn heiraten, lieber gestern als heute. Mit ihm eine Familie gründen, ein Haus bauen, was man halt so macht, wenn man glaubt, dass man der Liebe seines Lebens begegnet. Als sie dreieinhalb Jahre später von der Beziehung zu diesem Mann erzählt, sagt sie: "Ich habe die blauen Flecken nicht gezählt."

Knapp eine Woche nach dem Heiratsantrag, schubste er sie gegen eine Kommode, weil ihm das Kleid nicht gefiel, das sie trug. So fing es an. "Ja, ich bin eine von diesen Frauen gewesen, die von ihrem Partner geschlagen werden und trotzdem bei ihm bleiben", sagt Helene. "Ich bin eine von diesen Frauen gewesen, über die andere Frauen nur den Kopf schütteln." Sie redet über sich in der Vergangenheit, weil sie hofft, dass die Zukunft anders wird. Helene litt unter Beziehungssucht. Und möglicherweise leidet sie immer noch daran. So genau weiß man das nie - denn eine Beziehungssucht lässt sich nicht einfach so abschütteln.

"Herr Doktor, ich habe Beziehungssucht"

Es gibt in Deutschland keine genauen Zahlen darüber, wie viele Menschen von Beziehungssucht betroffen sind. Unter Medizinern ist umstritten, ob überhaupt von einer Sucht gesprochen werden kann. Der Begriff Sucht ist aus wissenschaftlicher Sicht an eine Stofflichkeit gebunden, beispielsweise Alkohol oder Drogen. Auch in der Krankheitsklassifizierung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) findet die Beziehungssucht keine Erwähnung. Die Folgen von nichtstofflichen Süchten wie der Kaufsucht oder eben der Beziehungssucht unterscheiden sich allerdings nicht wesentlich von Folgen stofflicher Süchte.

Oft geht die Beziehungssucht mit anderen Krankheitsbildern einher - beispielsweise Depression, Schlaf- und Essstörungen, Drogen- oder Medikamentensucht. "Kein Mensch kommt zum Arzt und sagt: "Herr Doktor, ich habe Beziehungssucht", sagt Jürgen Groll, Arzt für psychotherapeutische Medizin und stellvertretender Chefarzt der Hochgratklinik in Wolfsried, in der Beziehungssüchtige therapiert werden.

Ausschließlich für den Partner leben

Groll nennt typische Verhaltensmuster der Betroffenen: Entweder neigen Beziehungssüchtige dazu, von einer Beziehung in die nächste zu schlittern oder sie sind zumindest ständig auf der Suche danach. Immer in der Hoffnung, dass beim nächsten Partner alles ganz anders wird. Ein Dasein als Single erscheint bedrohlich, es frisst sie förmlich auf. "Beziehungssüchtige lernen nicht dazu", erklärt Groll, "sie machen dieselben Fehler immer wieder." Ebenso typisch: Betroffene klammern sich jahrelang an eine Beziehung, die längst in einer Sackgasse steckt. Ihr Leben und Denken orientiert sich ausschließlich am Partner, einzig dessen Wille zählt, irgendwann sind sie hörig.

Kommt es zu Demütigungen, wehren sich Beziehungssüchtige nicht - aus der immensen Angst, den Partner zu verlieren. Die Spirale nach unten dreht sich weiter und weiter: Selbstachtung und Selbstwertgefühl sinken. Kontakte zu Familie und Freunden nehmen rapide ab. Auch Helene stand irgendwann alleine da. "Mein Partner verbot mir jeglichen Kontakt zur Außenwelt", erzählt sie. "Er sagte: 'Du hast ja mich, wen brauchst du da sonst noch?'" Und so brach sie auch den restlichen Kontakt zu den wenigen Freunden ab, die ihr noch geblieben waren und gegen deren Warnungen sie längst taub geworden war.

*Name von der Redaktion geändert.

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KOMMENTARE (10 von 10)
 
cba38 (30.08.2008, 13:33 Uhr)
ANGST
Diejenigen Kommentatoren, die der Artikel und die Kommentare der Anderen nervt und zur Weissglut treibt, sollten sich in die Untiefen ihres eigenen Unterbewusstseins wagen und ausloten, was sie auf die Palme treibt.
In jedem Fall kann man von einer Sucht sprechen und den Worten von Xennia kann ich nur beipflichten. Negative Prägungen und Vorbilder (Eltern) aus der Kindheit spielen eine IMMENSE Rolle. Die zugrunde liegenden Konflikte zu erkennen (dahin zu kommen ist schon sehr schmerzhaft) und die krankmachenden Verhaltensweisen zu verlernen und gesunde zu erlernen, DAS ist wichtig.
Wer hier den Gedanken der Sucht so sehr als abwegig betrachtet, sollte mal überlegen warum er das tut, aus ANGST davor??
Xennia (29.08.2008, 15:24 Uhr)
Ursachen erkennen
Beziehungssüchtige kommen aus dyfunktionalen Familien, in denen sie
kein Selbstvertrauen aufbauen konnten.
Es ist unbedingt notwendig, dass Kranke die Zusammenhänge ihres quälenden Leidens mit Problemen in ihrer Kindheit (z. B. Fehlverhalten der Eltern) erkennen, um nicht in Wiederholungszwängen (Sucht) zu verharren.
Maria1000 (29.08.2008, 09:21 Uhr)
@TiloKlas:
Sehe ich genauso. Eine Frau mit Welbstwertgefühl geht nicht in eine derartige Beziehung! Und falls, versehentlich, tatsächlich mal DOCH, verlässt sie solche Männer, wenn sie intelligent ist, extrem SCHNELL wieder! :-)
TiloKlaas (29.08.2008, 03:34 Uhr)
Unsinn!!
Hier handelt es sich eindeutig um mangelndes Self-esteem, von Sucht zu sprechen ist hier voellig fehl am platz. Wer ein gesundes Sebstwertgefuehl und Selbstwahrnehmung besitzt, bleibt nicht in solchen Beziehungen
JosefG (28.08.2008, 23:07 Uhr)
Ein Vorschlag
Da wir schon bei Persönlichkeitsstörungen sind: wie wäre es bei einer Einordnung unter F 60.7 der ICD-10: "Abhängige (asthenische) Persönlichkeitsstörung". Im geschilderten Fall wäre es halt der Lebenspartner von dem man abhängig ist. Nicht ein Elternteil, der Chef, der Lehrer ...
Leseratte79 (28.08.2008, 20:45 Uhr)
Wenn ich so etwas lese
@Maria1000
Ganz großes Tennis Ihr Kommentar, ehrlich. Wie sieht denn Ihr Weltbild aus? Eine Frau lässt sich grün und blau prügeln damit sie sich keinen Job suchen oder allein leben muss? Welchen Kneipenstammtisch haben Sie denn da um seine Weisheiten beraubt? Der Artikel strotzt schon vor Dämlichkeit- Ihr Kommentar setzt noch einen drauf.
Die häufigsten Gründe sind doch wohl den meisten Mitmenschen klar oder müssen die wirklich noch einmal aufgezählt werden?
Maria1000 (28.08.2008, 20:04 Uhr)
Ich glaube auch nicht, dass es sich hier um eine "Sucht" handelt.
Für mich ist so ein "Verhalten" eher ein Mix aus Dummheit, Bequemlichkeit und Unselbständigkeit! Evtl. vermischt mit Masochismus und mangelndem Selbstwertgefühl.
Wer zu dumm ist oder zu feige zu erkennen, dass eine Beziehung schlecht für ihn ist,´wenn er Pro und Kontra sich mal in einer Liste notiert, dem ist nicht zu helfen.
Und wer immer zu bequem war für sich selber zu sorgen, sowohl in materieller als auch seelischer Hinsicht und also vom Elternhaus gleich zum Freund oder in eine Ehe sich direkt begeben hat anstatt erstmal seelisch und materiell das Allein sein zu LERNEN(!), indem man alleine wohnt und lebt, dem sit ebenfalls nciht zu helfen.
"Sucht" ist etwas völlig anderes für mich....
Jerk (28.08.2008, 19:06 Uhr)
Grundsätzliche Tendenz
Ich denke den Ansatz von Beziehungssucht ist bei den meisten Frauen vorhanden, mir ist schon lange aufgefallen dass Frauen oft in maroden Beziehungen dahinvegetieren weil sie lieber mit einem zweitklassigen Partner zusammen sind als ein Singledasein zu fristen
wintersaint (28.08.2008, 18:46 Uhr)
Caps Lock kaputt?
Was ist das denn für ein Quatsch? Beziehungssucht? So ein Rotz! Treten Toleranzentwicklung, Dosissteigerung, Entzugserscheinungen und Interessenverlust bei dieser Krankheit auf? Das Problem hier ist doch nicht die Frau sondern der Kerl! Von einer Sucht zu sprechen soll das Thema nur reißerischer machen.
BEEGEESFAN (28.08.2008, 18:31 Uhr)
SCHLAPPSCHWANZ
ES IST DAS ERSTE MAL DAS ICH VON DIESER KRANKHEIT HÖRE.
ABER WAS MICH VIEL MEHR AUFREGT AN DIESEM ARTIKEL IST, DAS DAS SCHLAGEN VON FRAUEN ALS BAGATELLE HINGESTELLT WIRD.
UND DAS ZU DEM KRANKHEITSBILD DAZUGEHÖRT.
MÄNNER,DIE IHRE FRAUEN SCHLAGEN, SIND FÜR MICH SCHLAPPSCHWÄNZE.
ES KANN OHNE WEITERES SEIN, DAS MANN VON SEINER PARTNERIN BIS AUF'S BLUT GEREIZT WIRD.
DAS KANN IN JEDER PARTNERSCHAFT VORKOMMEN.
ABER DESWEGEN EINE FRAU SCHLAGEN?
DAS DARF EINFACH NICHT PASSIEREN.
SCHLÄGE HABEN IN EINER PARTNERSCHAFT NICHTS ZU SUCHEN.
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