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6. Februar 2007, 14:05 Uhr

Impfstoffe vom Acker

Die kleine Pflanze mit den zierlichen Blüten ist nicht nur eine Augenweide. Forscher haben sie zu einer Arzneimittelfabrik umfunktioniert. Noch produziert die Ackerschmalwand keine Medikamente vom Fließband, aber ein erster Schritt ist gemacht. Von Monika Kronz

Impfung - künftig mit Antikörpern vom Feld statt aus dem Labor?© Norbert Millauer/DDP

Forscher vom Flämischen Institut für Biotechnologie wollen mit genetisch veränderten Pflanzen Impfstoffe gegen Krankheiten herstellen. So soll die teure Produktion von Antikörpern von Hightech-Laboren aufs Feld verlagert werden. Den belgischen Forschern gelang es jetzt, mit Hilfe von Bakterien, den Bauplan für Antikörper gegen das Hepatitis-A-Virus in das Erbgut der Ackerschmalwand einzuschleusen. Die Samen dieser kleinen Blütenpflanze produzierten daraufhin die gewünschten Antikörper.

Antikörper erkennen im Körper Krankheitserreger und markieren sie. So kann das körpereigene Abwehrsystem die Erreger bekämpfen und unschädlich machen. "Auch wenn sich die pflanzlichen Antikörper - auch Plantibodies genannt - geringfügig von herkömmlich produzierten Antikörpern unterscheiden, so sind sie doch genauso wirksam - das haben erste Laborversuche mit Tierzellen gezeigt", sagt Bart van Droogenbroeck vom Flämischen Institut für Biotechnology (VIB).

Feldzüchtungen sind 100 Mal billiger als aus dem Labor

Das Problem: "Es müssen mehr als ein Prozent der Sameneiweiße aus den Antikörpern bestehen, sonst ist das wirtschaftlich nicht interessant", sagt van Droogenbroeck. "Wir haben es aber geschafft, den Prozentsatz auf über zehn zu steigern." Die Forscher gehen davon aus, dass ein landwirtschaftlicher Anbau 100 Mal billiger sein wird als die Herstellung in Laboren. Zellkulturen, die in Laboren Antikörper produzieren, sind teuer und müssen ständig überwacht und steril gehalten werden.

"Möglicherweise ist der Feldanbau von Antikörpern preiswerter", meint Udo Conrad vom Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung in Gatersleben. Aber Conrad ist noch vorsichtig: "Man muss erst noch ein großtechnisches Verfahren entwickeln, mit dem man die Antikörper aus der Pflanze im selben Maßstab wieder aus ihr herausbekommt." Conrad forscht an der Gewinnung von Antikörpern aus Tabakpflanzen, die HIV neutralisieren können.

Bayer will Medikamente aus Tabakpflanzen gewinnen

Noch gibt es keine Medikamente aus pflanzlichen Antikörpern auf dem Markt. Dafür müssen die Antikörper vom Feld erst die verschiedenen Stufen der Zulassungsbehörden für Medikamente bestehen.

Auch die Industrie muss umdenken. Der Chemiekonzern Bayer kaufte im vergangen Jahr Icon Genetics aus Halle. Die Firma will Medikamente aus Tabakpflanzen gewinnen. Auch das kanadische Unternehmen Sembiosys will die steigende Nachfrage nach Insulin mit Pflanzen decken. In drei Jahren rechnet es mit marktfähigen Medikamenten. Im Rahmen des EU-Projekts Pharma-Planta forscht außerdem ein Wissenschaftlerkonsortium an Impfstoffen und Medikamenten gegen Aids, Tollwut, Diabetes und Tuberkulose.

Von Monika Kronz
 
 
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