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6. Mai 2008, 09:15 Uhr

Mehr als 9000 Kinder erkrankt

Das sich rasant ausbreitende Darmvirus EV71 hat die chinesische Hauptstadt Peking erreicht. Nach Angaben der Gesundheitsbehörden sind dort mittlerweile 1482 Kinder erkrankt, landesweit sind mehr als 9000 Fälle bekannt. 25 Kinder starben an der Infektionskrankheit.

Ein mit dem Enterovirus angestecktes Kind wird in Fuyang behandelt© Stringer/Reuters

Nach offiziellen Angaben sind alle erkrankten Kinder unter sechs Jahre alt, die meisten erst zwei Jahre. Allein in Fuyang City in der Provinz Anhui, wo das Virus ausgebrochen war, starben 22 Kinder.

"Ich sehe es nicht als Bedrohung für die Sommerspiele an", wurde der Pekinger WHO-Repräsentant Hans Troedsson in chinesischen Medien zitiert. "Es ist eine Krankheit, die vor allem kleine Kinder betrifft." Der WHO-Vertreter nahm Gesundheitsfunktionäre in der schwer betroffenen Provinz Anhui gegen Vorwürfe in Schutz, den Ausbruch vertuscht zu haben. Sie hätten die Ursache nicht gekannt, da die Symptome nicht typisch gewesen seien, sagte Troedsson. Das sich ausbreitende Enterovirus 71 könne auch nicht mit dem Erreger der lebensgefährlichen Lungenseuche Sars verglichen werden. Das schwere akute Atemwegsyndrom hatte sich 2003 von China aus verbreitet und weltweit 800 Menschen das Leben gekostet.

Es gibt keinen Impfstoff

Das chinesische Gesundheitsministerium hatte am Wochenende eine landesweite Warnung ausgesprochen. Eine Sonderkommission unter Gesundheitsminister Chen Zhu soll nun gemeinsam mit den lokalen Behörden den Kampf gegen die Epidemie koordinieren. Gegen die über Tröpfcheninfektion übertragbare hoch ansteckende Krankheit gibt es keinen Impfstoff. Als wichtigste Vorbeugung gegen eine Ansteckung gilt Händewaschen.

Das Virus löst Fieber, Geschwüre im Mund und Hautausschlag an Händen und Füßen aus und wird daher auch als Hand-Fuß-Mund-Krankheit oder falsche Maul- und Klauenseuche bezeichnet. Selten führt es zu einer Hirn- oder Hirnhautentzündung, die gelegentlich tödlich verläuft. Von der Krankheit sind durch ihre schwächeren Immunsysteme vor allem kleine Kinder betroffen. Das Virus ist vor in warmen Klimazonen verbreitet, in China wird der Höhepunkt der Infektionen meist zwischen Mai und Juli erreicht.

Fälle in Vietnam

Auch in Vietnam ist die Krankheit ausgebrochen. Wie die Gesundheitsbehörden am Dienstag mitteilten, steckten sich rund 400 Menschen mit der Krankheit an. Die Zahl der Todesfälle sei nicht bekannt, weil EV71 keine meldepflichtige Erkrankung sei.

Hongkongs Gesundheitsminister York Chow äußerte sich "sehr besorgt" über die Möglichkeit, dass das Enterovirus 71 von der Südprovinz Guangdong über die häufig frequentierte Grenze in die frühere britische Kronkolonie eingeschleppt werden könnte. In der heutigen chinesischen Sonderverwaltungsregion seien bislang erst zehn Erkrankungen bekannt.

AFP/DPA
 
 
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