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17. April 2007, 12:36 Uhr

Der Patient, das "AOK-Schwein"

Ärzte, die gesetzlich Versicherte als "AOK-Schweine" bezeichnen. Kliniken, die unbequeme Patienten abschieben. Der Journalist Werner Bartens beschreibt im stern.de-Interview die Seelenlosigkeit des Medizinbetriebs und erklärt, wie man sich vor schlechten Ärzten schützt.

Der Arzt hört dem Patienten nicht zu, nimmt sich zu wenig Zeit für ihn und besitzt zu wenig Einfühlungsvermögen - so sieht der Alltag in deutschen Praxen oftmals aus© Colourbox

Herr Bartens, woran erkenne ich einen schlechten Arzt?

Wenn er mir nicht zuhört. Wenn ich vorher viele Fragen hatte und anschließend das Gefühl habe, diese Fragen nicht gestellt zu haben. Wenn er mir das Wort abschneidet, weil er wohl Angst hat, dass ich von meinen privaten Sorgen erzählen könnte - obwohl das, wie man weiß, viel ergiebiger ist für eine Behandlung. Und vielleicht das wichtigste: Wenn er mir als Patient nicht erklären kann, was der Nutzen und die Risiken einer Untersuchung oder einer Therapie sind, die er vorschlägt. Beste Nagelprobe: Fragen Sie Ihren Arzt, ob er die Behandlung an sich selbst machen würde. Wenn er dann nicht sofort und schlüssig antworten kann, dann wissen Sie Bescheid.

Wie soll ich mich verhalten, wenn ich mich nicht korrekt behandelt fühle?

Sie sollten das in dem Moment sofort ansprechen. Ärzte müssen damit umgehen lernen, dass nachgefragt oder Ihnen widersprochen wird. Wenn sie dann nicht anständig reagieren, ist das ein Grund, den Arzt zu wechseln.

Sie beschreiben in Ihrem Buch in vielen Episoden teilweise drastische Entgleisungen des Medizinbetriebs. Sind diese Fälle die Regel oder die Ausnahme?

Die Geisteshaltung, die dahinter steht, ist die Regel - die Exzesse sind die Ausnahme. Ich habe schon viele Mails auf mein Buch bekommen, vor allem von Ärzten. Die prügeln nicht etwa auf mich als Nestbeschmutzer ein, sondern bestätigen häufig, was ich geschrieben habe. Leider heißt es sogar oft: "An meiner Klinik ist es noch viel schlimmer."

Viele Ärzte, so schreiben Sie, sehen den Patienten als Feind. Wie kommt es zu solch einer Haltung?

Zum Teil ist es die eigene Überlastung, zum Teil eine sich herausbildende Unfähigkeit, auf das Leiden anderer einzugehen. Es entsteht eine Abwehrhaltung - alles, was den Ablauf stört, ist feindselig. Das kann ein Angehöriger eines Kranken sein, der sich ständig nach dem Befinden des Kranken erkundigt. Oder ein Patient, der mehr Aufmerksamkeit benötigt. Es muss nicht aus Bösartigkeit passieren, manchmal prallen einfach Weltbilder aufeinander. Der Arzt denkt, aus medizinisch-naturwissenschaftlicher Sicht ist doch alles in Ordnung. Der Patient aber merkt, dass die Fürsorge und die Pflege leidet.

Deutsche Ärzte sind überlastet, müssen Schichtdienste und viele Überstunden leisten. Immer wieder kam es zu Protesten für bessere Arbeitsbedingungen. Ist die fehlende Menschlichkeit eine zwangsläufige Folge des kränkelnden deutschen Gesundheitssystems?

Es sind mehrere Gründe: Die schlechten Arbeitsbedingungen, Mängel in der Ausbildung, falsch gesetzte Schwerpunkte in den Kliniken. Daraus resultiert eine Überlastung, die viele Ärzte spüren und sie zynisch und sarkastisch werden lässt. Sie versuchen dadurch, diese Dinge von sich abzuwenden. Ein häufiger Reflex, den man vielleicht häufiger bei Männern findet. Sie merken, dass sie so nicht weiterarbeiten können, gehen oft ins Ausland, um eine andere Medizin machen zu können. Daraus - und das hört man häufig von den Ärzten selbst - resultiert eine Negativauslese von Medizinern, die hier in den Kliniken verbleibt.

Lernt ein Arzt während seiner Ausbildung den richtigen Umgang mit dem Patienten?

Viel zu wenig. Es werden zu wenige Praktika beim Hausarzt gemacht, stattdessen schickt man die Studenten in Fachkliniken. Beim Hausarzt aber könnten sie den Umgang mit dem typischen Patienten viel besser lernen. Die Fächer Psychosomatik, Psychiatrie und Soziologie stehen zwar im Stundenplan, führen aber im Studienplan ein Schattendasein.

Gesetzlich Versicherte werden oft schlechter behandelt als Privatpatienten. Die Zwei-Klassen-Medizin ist schon jetzt Realität.

Wenn es um die Terminvergabe geht, haben Sie Recht. Ich erlebe es ja selbst ganz oft, dass man von mir als Arzt automatisch annimmt, dass ich privat versichert bin. Zunächst bietet man mir relativ zügig einen Termin an. Wenn ich dann aber sage, dass ich gesetzlich versichert bin, gibt es plötzlich nur noch einen Termin in frühestens vier Monaten.

Zwei-Klassen-Medizin stimmt aber so auch nicht. Denn häufig haben Privatpatienten viel mehr zu leiden als gesetzlich Versicherte. An ihnen ist nämlich viel mehr Geld zu verdienen, weshalb sie oft unnötige und belastende Untersuchungen und Therapien erleiden müssen. Da kann man oft sogar froh sein, gesetzlich versichert zu sein.

Neu ist, mit welcher Unverfrorenheit Ärzte Patienten spüren lassen, dass sie "nur" gesetzlich versichert sind. Sie selbst wurden sogar als "AOK-Schwein" bezeichnet.

Mittlerweile bin ich bei der GEK, aber "GEK-Schwein" hat noch keiner zu mir gesagt.

Hat Sie dieser Ton überrascht?

Der eigentliche Skandal ist doch, dass sich die Leute damit abgefunden haben, dass es eine institutionalisierte Ungleichbehandlung in der Medizin gibt. In Kliniken gibt es sogar schon von Verwaltungsebene ausgegebene geheime Listen, nach denen Patienten unterschiedlich wichtig sind und Ärzten nahegelegt wird, sich um die lukrativen Privatzahler zu bemühen und nicht zu viel Zeit und Energie auf gesetzlich Versicherte zu verschwenden.

Krankenhäuser, die keine Notfälle aufnehmen wollen. Betten, die in Gängen stehen, stattdessen luxuriöse Abteilungen für zahlungskräftige Patienten aus dem Ausland. Krankenhäuser werden zunehmend von ökonomischen und nicht mehr medizinischen Gesichtspunkten dominiert, schreiben Sie.

Es ist Realität, dass kaufmännische Direktoren, Leute von McKinsey und andere Unternehmensberater in den Kliniken Einzug gehalten haben. Und mit der zunehmenden Privatisierung von Krankenhäusern wird das sicher nicht besser werden.

Der ökonomische Druck in der Medizin ist enorm gestiegen. Wenn man sich mit Ärzten unterhält, wird weniger über die Patienten geredet. Stattdessen über Fallpauschalen, knappe Budgets und ähnliches.

Beispiel Organtransplantation. Wenn jemand eine Niere benötigt, muss ich sie ihm aus medizinischer Sicht transplantieren - ob er nun 17 oder 70 Jahre alt ist. In Deutschland wurde aber eine Altersgrenze eingeführt, die mit einem vermeintlichen Operationsrisiko für Ältere begründet wurde. Tatsächlich aber war das eine rein ökonomische Überlegung - wie lange hat jemand noch mit dem Organ zu leben? -, die medizinisch verklausuliert wurde. In Ländern mit genug Organen gibt es keine solche Altersgrenze.

Was muss sich ändern?

Man muss dem Patienten reinen Wein einschenken. Man kann ja sagen, es ist nicht mehr so viel Geld im Gesundheitswesen da, oder es ist falsch verteilt. Aber dann muss man das dem Patienten auch klipp und klar sagen, dass man ihn nicht so behandeln kann, wie man das eigentlich gerne möchte.

Wird der Patient mit dieser Information dann nicht alleine gelassen?

Nein, das glaube ich nicht. Wenn das viele Patienten zu hören bekommen, wird das relativ schnell eine politische Diskussion anstoßen.

Gibt es eine Instanz, an die ich mich wenden kann, wenn ich das Gefühl habe, bei einem besonders schlechten Arzt gewesen zu sein?

Es gibt die Ärztekammern, die auf Landkreisebene organisiert sind. Allerdings gehen die recht unterschiedlich mit so etwas um. Manche haben ein sehr offenes Ohr und gehen Beschwerden und Verdachtsfällen nach. Bei anderen gilt eher das Motto: Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus.

In Magazinen und Zeitungen gibt es ja manchmal Listen - "die 100 besten Ärzte" oder dergleichen. Das halte ich für kompletten Unsinn, denn da werden meist nur wissenschaftlichen Veröffentlichungen oder der Ruf innerhalb der Kollegenschaft beurteilt. Aber viel zu wenig, was für die Patienten wichtig ist.

Das Ärztehasser-Buch

Das Ärztehasser-Buch Werner Bartens, Wissenschaftsredakteur bei der "Süddeutschen Zeitung", zeigt in dem "Ärztehasser-Buch", wie grob viele Mediziner mit ihren Patienten umgehen - oder sie falsch behandeln. Manchmal sogar mit tödlichen Folgen. Bartens ist ausgebildeter Mediziner. Er war Assistenzarzt an den Universitätskliniken Freiburg und Würzburg und forschte in den USA.

Der Autor versichert, dass sich alle Fälle so zugetragen haben. Auf 240 Seiten schildert er, was er selbst als Mediziner und manchmal als Patient erlebt hat, aber auch, was ihm zugetragen wurde. Allerdings hat er alle geschilderten Fälle verfremdet und keine Namen genannt.

Die Palette der Fehlleistungen von Quacksalbern und Technokraten reicht von Unverschämtheiten ("Sie haben ja einen Beckenboden wie eine Hängematte") über falsch verordnete Chemotherapien bis zum Tempo-Rekordversuch beim Kaiserschnitt, bei dem eine Frau verblutet ist. Bartens kritisiert auch den arroganten Jargon vieler Mediziner: So bezeichne ein Teil der Ärzteschaft gesetzlich Versicherte als "AOK-Schweine". Und hinter einem "Arabergestüt" verberge sich eine luxuriös sanierte Privatstation für zahlungskräftige Patienten aus dem Vorderen Orient.

Das "Ärztehasserbuch" ist im Handel erhältlich und kostet 7,95 Euro.

Ihre Meinung

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Interview: Jens Lubbadeh
 
 
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Klinik Nestbeschmutzer Patient Risiken Therapie
KOMMENTARE (10 von 16)
 
Physician (20.04.2007, 19:19 Uhr)
Glückwunsch lieber STERN - ein "super" recherchierter Artikel...
Leider ein weiterer Artikel aus der Sparte: "Worte die die Welt nicht braucht". Darüber hinaus mehr als bedauerlich, dass der STERN dieser Form von Polemik auch noch eine Plattform bietet... Liebe Redakteure vom STERN: wenn Ihr die Sache mit dem freien Journalismus wirklich ernst nehmt und auch weiterhin für Eure Arbeit ernst genommen werden wollt, dann recherchiert vielleicht beim nächsten Mal, BEVOR Ihr kritik- und kommentarlos derartig einseitige Hassartikel abdruckt.
Und zu Ihnen werter Herr Bartens: leider merkt man mehr als deutlich das Sie nicht als Arzt tätig sind, aber gerade dann kann man ja prima mit Steinen auf die Kollegen schmeißen. Da ich die vorangegangenen Kommentare nicht wiederholen möchte lassen Sie mich an dieser Stelle doch einfach den von mir hochgeschätzten Dieter Nuhr zitieren: "Wenn man keine Ahnung hat - einfach mal die Fresse halten..."
chingchangdoc (18.04.2007, 19:46 Uhr)
Verbieten Sie endlich den Arztberuf...
...dann gibts es keine Weißkittelabzocker u.ä. Scharlatane mehr, die Krankenkassen kämen mit den Versichertenbeiträgen aus und Gesundheitsreformen brauchen wir dann auch nicht mehr. Positiver Nebeneffekt: mittelfristig kommen auch die Rentenkassen wieder mit ihrem Geld aus. Für Unbelehrbare und die, die es sich leisten können, stünde dann ja noch das Ausland offen.
Mule (18.04.2007, 19:27 Uhr)
An Riker2
Wenn Sie dann Arzt sind, ist es Ihr gutes Recht, auch gut zu verdienen, wenn Sie dafür auch einen gute Leistung erbringen. Ich bin der Meinung - nach schlechten Krankenhauserfahrungen - daß Ärzte, die das Fach nicht beherrschen, auch nicht schnippeln sollten. Man sollte als mündiger Patient bessere Möglichkeiten haben, einen Spezialisten genannt zu bekommen - nicht einen Schnippler mit einer Vielzahl von Schnippelungen (das scheint heute das Kriterium für einen erfolgreichen Chirurgen zu sein). Man hört halt im Freundes- und Bekanntenkreis von immer mehr mißlungenen Operationen.
Riker2 (18.04.2007, 17:00 Uhr)
beschämend aber clever
alle Kommentare sind interessant. Es passt genau in die politische Landschaft und der Kollege gesellt sich zu den anderen Ärztehassern wie Schmidt und Konsorten. Natürlich machen auch viele Patienten schlechte Erfahrungen mit Ärzten, Kliniken und Personal. Oft sind es auch Missverständnisse und leider kommt die Kommunikation unter den Menschen vielzu kurz. Maches Gespräch könnte sicher Aufklärung bringen - jedoch laufen einige gleich zum Anwalt oder kommen nicht wieder. Patn. als AOK-Schweine zu bezeichnen ist unverschämt. Ich selbst bin Arzt und entschuldige mich für diejenigen die soetwas machen. Natürlich gibt es Klassenmedizin - und nicht nur zwei. Privatpatienten stehen an der Spitze weil dort die Arbeit honoriert wird. Zuletzt kommen die Billig Kassen (BKK) - von denen gibts schliesslich nix. Und wer sparen will muss auch an Leistungen Einbussen hinnehmen. Wenn ich im Flugzeug economy fliege wird die first class auch besser bedient - sie zahlen auch mehr dafür. Die Ärzte sind nicht mehr bereit die Unzulänglichkeiten des Systems auszugleichen. Trotzdem soll jeder Patient höflich und menschlich behandelt werden - auch wenn er nichtmal versichert ist. Ich habe meinen Beruf vor 27 Jahrne ergriffen in einer Zeit der DDR wo Medizin finanziell unabhängig war. Heute bin ich nicht nur Arzt sondern auch Unternehmer mit marktwirtschaftlichem Risiko. Ausserdem habe ich Verantwortung für meine Mitarbeiter und habe alle Kosten und Kredite selbst zu bestreiten - wie jeder andere Unternehmer ob Bäcker, Maler oder Jurist. Warum habe ich nicht das Recht für meine Arbeit ein angemessenes Honorar zu erwarten. Dafür werden wir aber gehasst. Ich bürge für meine Arbeit, würde mich aber niemals als unfehlbar oder "Gott in Weiss" bezeichnen. Wenn man mit der Behandlung oder den Umgang eines Arztes nicht zufrieden ist, dann sollte man darüber sprechen. Wenn dann der Arzt nicht bereit ist sich auseinanderzusetzen dann hat er das Vertrauen des Patienten nicht verdient.
poisonivy2406 (18.04.2007, 13:24 Uhr)
Ich erinnere mich.....
...an die Aussage eines Krankenhausarztes, als ich vor einer OP zögerte die schriftliche Einwilligung zur Verwendung von Blutkonserven - für den Notfall - zu geben. Ich fragte nach der Möglichkeit Blut meiner Mutter oder Schwester zu nutzen, da wir alle die gleiche Blutgruppe hätten. "Das Blut aus der Tüte sei 100% sauber, was man von dem meiner Verwandten ja wohl nicht wissen könne da die ja wohl ständig alles mögliche treiben könnten, ohne dass ich es wüsste! Und ich könne die Nutzung von Blutkonserven ja ablehnen, dann würden sie mich eben verbluten lassen wenn ein Notfall eintreten würde." Ich schwieg und unterschrieb....danach heulte ich.
tzoercher (18.04.2007, 12:34 Uhr)
Wieder mal.........
Wieder mal ein sog. Insider-Buch von einem Autor, dessen ursprüngliche Lebensziele und vielleicht Träume geplatzt sind. Jemand, dessen wissenschaftl. Karriere nach event. sogar erfolgreichen wissenschaftl. Arbeiten im Ausland (immer gerne USA) und anschl. Plackerei in einer Uni-Klink im Sande verlaufen ist. Jemand, der seit längerer Zeit nicht praktiziert, aber gerne doziert, theoretisiert und denunziert. Jemand der aktuell gerne dem Zeitgeist folgt und sich aus Marketinggründen jetzt zur Publikation entschliesst, denn das Klima in Deutschland für ein Ärztehasserbuch ist politisch gewollt günstig.....Man was für ein alter Hut.Gab es schon früher (Autor eines ähnlichen Buches in den 70er Jahren Dr. XY ...packt aus etc.)und wird es immer geben. Passt halt so schön in die Gesundheitsdiskussion...ein bisschen was wahres aus dem Zusammenhang locker abgemixt mit ein wenig künstl. Freiheit...naja).Da is jetzt nix so spannend neues dran. Was denken die Menschen eigentlich, was z.B. Beamte über Antragsteller hinter verschlossenen Türen reden und lachen ? Wie viele journalistische peinliche und später wiederrufene Höhenflüge haben wir in den letzten 30 Jahren in Deutschlan schon gesehen....oder schon die Hitler-Tagebücher vergessen ?? Bücher dieser Art sind noch nicht mal Enthüllungsjournalismus sondern immer die gleichen, etwas selbstherrlichen und je nach aktuellem Thema aufgemotzten " wie ziehe ich dem Volk gerade mal wieder etwas Geld aus der Tasche" - Werke.Ähnliches Konzept übrigens auch gerne in Zeitschriften wie Journal der Frau, das goldene Blatt etc zu finden: S.4 "Notarzt rettet Kind unter Einsatz seines Lebens in den Bergen.... , anschl. S.8 "deutsche Assistenzärzte üben am Patienten und operieren sie zu Krüppeln.....
Wer Geld übrig hat und den Thrill sucht sollte den Autor des Ärztehasser-Buchs durch Kauf des Buches unterstüzten....sich aber auch klar machen wie dieser dann abends am Kamin sitzt und über Dumheit und Gutgläubigkeit des Volkes lacht.
In diesem Sinne !
ruebesamen (18.04.2007, 09:50 Uhr)
Typisch
Ich habe schon einige "xxx-Hasser-Bücher" gelesen. Dieses folgt anscheinend dem Trend. Ich nehme an das alles wahr ist, nur die andere Hälfte der Wahrheit fehlt. Der Name des Buches disqualifiziert es schon selbst. Man kann alles hassen. Katzen,Lehrer, Teetrinker oder eben auch Ärzte. Jedes Buch findet seinen Leser. Das aber z.B. der Stern zur Verbreitung beiträgt und in einem Interview genauso undifferenziert ist wie das Buch es erwartungsgemäss ist, das ist wirklich richtig übel.
Wir haben viele Ärzte als Freunde. Und es ist erschreckend zu sehen wie fröhliche und enthusiastische junge Leute mit der Zeit geistig zermahlen werden zwischen Patientenanspruch, einer völlig unsinnigen Gesundheitsreform und den monströs gestiegenen Forderungen an Verwaltung und Dokumentation. Die meisten haben wie alle anderen Kinder und stottern ihr Haus ab. Die meisten wollen auch nur ein faires Gehalt für die Arbeit die sie leisten. Aber was für alle anderen selbstverständlich scheint, wird einem ganzen Berufsstand verwehrt. Alle erwarten einen grenzenlosen Idealismus, vollkommene Fehlerfreiheit und alles am besten ehrenamtlich. Gehen Sie mal am Monatsende zum Bäcker oder in den Supermarkt und verlangen alles umsonst, weil sie kein Geld mehr haben. Die Reaktion ist vollkommen klar und wird klaglos akzeptiert.
Ärzte und Zahnärzte hingegen arbeiten häufig pro Quartal einen Monat zum halben Preis oder ohne Honorar. Hier gilt die Regel "Ohne Bezahlung keine Leistung" anscheinend mit dem gleichen Selbstverständnis nicht wie sie woanders doch gilt.
Unsere befreundeten Ärzte sehen alle ständig so aus als ob sie kurz vor dem nervlichen Zusammenbruch stehen. Sie werden zermahlen. Und nun kommt jemand und macht mit einem vollkommen indifferenzeierten
Hassbuch den Mühstein gröber. Und der Stern gießt mit seinem vollkommen indifferenzierten Interview auch noch tüchtig Wasser nach.
Das ist an Widerlichkeit kaum zu überbieten.
lalina (18.04.2007, 09:17 Uhr)
düster
Jedes Land wird die Ärzte bekommen, die es verdient. Ob das immer zum Vorteil des Patienten ist, wage ich zu bezweifeln.
SeUlBr (18.04.2007, 01:10 Uhr)
Irgendwie komisch...
auch wenn die vorangegangenen Kommentare irgendwie nicht so positiv sind (sind vielleicht von Ärzten...), denk ich, daß in dem Artikel doch sehr viele Sachen angesprochen werden, die heutzutage seeeehr problematisch sind. Irgendwas muß ja dran sein, daß in diesem unserem Gesundheitssystem gewaltig der Wurm drin ist und wir von einer, von den Lobbiisten bezahlten, Gesundheits(teuer)reform zur nächsten rutschen, die es nur noch schlimmer macht, als es vorher war....
Staatl.bevormundet (17.04.2007, 22:28 Uhr)
Interviews: Wenn unsere Journalisten versagen
Interviews gibt´s, die gibt´s gar nicht. Eine Ähnlichkeit der folgenden Fragen mit denen des Interviews wären rein zufällig.
Herr Lubbadeh, woran erkennen Sie einen schlechten Journalisten ?
Wie verhalten Sie sich, wenn provozierend diffamierend über Sie berichtet wird ?
Sie beschreiben in Ihrem Interview nur drastische Entgleisungen berufsgruppenzugehöriger Tätigkeiten. Sind solche Interview-Formen die Regel oder die Ausnahme?
Viele Journalisten, so schreiben Sie, sehen den Arzt als Feind. Wie kommt es zu solch einer Haltung?
Deutsche Journalisten sind überlastet, müssen Schichtdienste und viele Überstunden leisten. Ist die fehlende Menschlichkeit eine zwangsläufige Folge des kränkelnden deutschen Journalismus ?
Lernt ein Journalist während seiner Ausbildung den richtigen Umgang mit dem Interview-Objekt?
Angestellte Journalisten werden oft schlechter behandelt als freie Journalisten. Der Zwei-Klassen-Journalismus ist schon jetzt Realität.
Bekannt ist, mit welcher Unverfrorenheit Journalisten ihre Leser spüren lassen, wie das intransparente, sozialistisch gesteuerte deutsche Sachleistungsprinzip funktioniert. Was tut der deutsche Journalismus, um hier als 4. Macht im Staat aufzuklären?
Überrascht Sie Ihr eigener Ton des gewählten Interview-Stil ? Ist er kennzeichnend für den Stern ? (Welche Interessen stehen dahinter?)
Verlagshäuser werden zunehmend von ökonomischen Auflagezahlen und nicht mehr informierend ausgewogenen Gesichtspunkten dominiert, lässt sich Ihrer Schreibe entnehmen. (Welche Einflüsse stehen dahinter ?)
Was muss sich ändern?
Wird der Leser mit dieser Information dann nicht alleine gelassen?
Gibt es eine Instanz, an die Leser sich wenden können, wenn sie das Gefühl haben, bei einem besonders schlechten Journalisten lesen zu müssen, (bevor sie in Zukunft gänzlich auf den Kauf von solcherart Print- und Online-Medien verzichten)?

Abschliessend noch eine bescheidene Bitte:
Geben Sie uns Lesern bitte ein paar Tip´s, wie man unangemessene Darstellungen komplexer Gesellschaftsbereiche wie der Gesundheitsversorgung in Deutschland in einseitigen Interviews,wie hier veröffentlicht,besser erkennen kann.
;-(
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