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11. März 2008, 13:02 Uhr

Sehprothese gibt Augenlicht zurück

Eine neuartige Sehprothese soll blinden Menschen mit der Netzhauterkrankung Retinitis pigmentosa einen Teil des Augenlichts zurückgeben. Einen Prototyp haben deutsche Forscher erfolgreich bei sechs Patienten erprobt. Die Entwicklung kann in drei Jahren marktreif sein.

Die implantiertbare Sehprothese wurde in Deutschland entwickelt© Frank Augstein/AP

Eine neue Sehprothese soll blinden Menschen mit der Netzhauterkrankung Retinitis pigmentosa einen Teil des Augenlichts zurückgeben. Ein Prototyp wurde erfolgreich bei sechs Patienten erprobt, wie Forscher aus Aachen, Essen und Marburg berichteten. Die Entwicklung, die eine schemenhafte Wahrnehmung ermöglicht, kann schon in drei Jahren marktreif sein. Mit den implantierten, drahtlosen Sehprothesen hätten die Patienten Lichtpunkte wahrnehmen können, erläutert Professor Peter Walter, der Direktor der Aachener Universitätsaugenklinik. Das System wird im nächsten Schritt mit einer Kamera gekoppelt, die per Funk Bildsignale an das Implantat sendet. "Der Patient kann damit rechnen, ein minimales Sehvermögen zu bekommen", sagt Walter. Er wird damit zwar nicht lesen können, aber zumindest Hindernisse im Raum erkennen.

Bei Retinitis pigmentosa sterben die lichtempfindlichen Zellen der Netzhaut langsam ab. Sie können keine visuellen Reize mehr aufnehmen und an die Sehnerven weiterleiten. Erste Anzeichen für eine Erkrankung sind der Verlust des Farb- und Kontrast-Sehens, Nachtblindheit und Tunnelblick.

25 Elektroden auf der Netzhaut

Die neuartige Prothese wird direkt in die Augenlinse implantiert. Dazu werden 25 Elektroden mit kleinen Titanstiften auf der Netzhaut fixiert. Sie stimulieren die Nervenzellen, die zum Sehnerv führen, erklärt Projektleiter Prof. Wilfried Mokwa. Alle Patienten, die bisher behandelt wurden, waren seit mehreren Jahren erblindet. Während einer vierwöchigen Testphase untersuchten Spezialisten der Universität Marburg die Netzhaut mit elektrischen Testreizen. Alle Patienten konnten Lichtpunkte erkennen.

Im nächsten Schritt wird eine kleine Videokamera und ein sogenannter Encoder in eine Brille eingebaut. Der Encoder rechnet die Bildinformationen in Signale um, die die Nerven verstehen. Die Signale werden an die Elektroden des Implantats gesendet und darüber an den Sehnerv. Der bisherige Prototyp hat 25 Elektroden. Das Folge- System soll mit bis zu 400 Elektroden sehr viel mehr Informationen aufnehmen können. Die Sehfähigkeit hänge aber stark davon ab, wie viele Netzhautzellen noch intakt seien. Patienten müssten das Sehen wieder lernen.

Verschiedene Gruppen weltweit arbeiten an Netzhautprothesen, auch andere Prototypen wurden bereits getestet. Nach Angaben der Fachleute haben sie zum ersten Mal ein drahtloses und für den Patienten risikoärmeres Implantat entwickelt. Das Infektionsrisiko sinkt dadurch. Das Bundesforschungsministerium fördert das Projekt seit 1995 mit 17,5 Millionen Euro.

DPA
 
 
KOMMENTARE (1 von 1)
 
wintersaint (11.03.2008, 14:21 Uhr)
Etwas überschwänglich
Ich wär da vorsichtiger. Da sind ziemlich viele Konjunktive in diesem Text. Und 25 Elektroden sind recht wenig. Zudem ist die Erzeugung von Lichtpunkten, "Phosphenen", noch nie ein problem gewesen, auch nicht bei Hirnprothesesn. Das Problem ist, dass diese kein sinnvolles Bild ergeben. Da mag schon ein Zungenarray eine bessere Orientierung ermöglichen. Irgendwelche Implantate mit 25 Pixeln in Leuten zu implantieren würde ich mir gut überlegen. Lieber noch ein paar Jahre warten und was besseres bauen.
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