Evelyn Heeg ist keine 30 Jahre alt, als sie sich vorsorglich das Gewebe beider Brüste entfernen lässt - aus Angst vor Brustkrebs. Ihre Mutter, drei Tanten und ihre Oma waren daran gestorben. Mit stern.de sprach die Buchautorin über den in Deutschland kaum bekannten Eingriff, die Veränderungen, die er mit sich brachte, und ihre Weiblichkeit.

Etwa fünf bis zehn Prozent aller Brust- und Eierstockkrebsfälle sind auf erbliche Faktoren zurückzuführen© Colourbox
Brustkrebs. Diese Diagnose ist ein Alptraum für jede Frau. Evelyn Heeg, eine junge Lehrerin aus Freiburg, war noch nicht erkrankt, als sie sich für eine beidseitige Mastektomie, die Amputation des Brustgewebes, entschied. Ein radikaler Schritt, den viele Freunde und Bekannte zunächst nicht verstehen konnten. Vier Jahre nach der Operation erscheint ihr Buch "Oben ohne. Die Entscheidung zu leben", in dem sie ihre Erfahrungen festgehalten hat. Sie wollte Frauen in vergleichbarer Situation Mut machen und zeigen, gleichzeitig über den familiären Brustkrebs und über die noch wenig bekannte Möglichkeit des Wiederaufbaus der Brust mit Hilfe der plastischen Chirurgie informieren.
Ich war 14, als meine Mutter starb. Den Leidensweg mit Operationen, Chemotherapie und allem, was dazu gehört, habe ich miterlebt, auch bei den Tanten. Vor dem Hintergrund fiel die Entscheidung nicht mehr so schwer. Außerdem wusste ich, dass mein Mann hinter mir steht.
Dass es einen Gentest gibt, der eine Mutation bestimmter Gene nachweisen kann, wussten wir schon länger. Ich sagte mir immer: Damit beschäftige ich mich, wenn ich 30 bin. In dem Alter sind die anderen aus meiner Familie erkrankt, dann wird es brenzlig. Mein Mann hat dann ein wenig recherchiert und herausgefunden, dass so ein Test einige Zeit in Anspruch nehmen würde und ich einen lebenden, erkrankten Verwandten brauche. Ein Kriterium für diesen so genannten familiären Brustkrebs war, dass eine der Verwandten bei der Erkrankung jünger als 40 Jahre alt sein musste. Das war bei mir erfüllt. Damit ein familiäres Risiko vorlag, musste meine Oma es vererbt haben. Erst als sie positiv getestet wurde, lohnte es sich, auch in meinem Blut danach zu suchen. Zum Glück lebte meine Oma damals noch.
Die Gene BRCA-1 und BRCA-2 trägt jeder Mensch in sich. Sie unterdrücken die Tumorbildung im Brustgewebe und in den Eierstöcken. Bei mir ist ein Defekt auf dem BRCA-1-Gen vorhanden. Damit lag mein Erkrankungsrisiko bei 80 Prozent.
Ich hätte mich auch für eine engmaschige Vorsorge entscheiden können. Zweimal im Jahr wird dann ein Ultraschall gemacht, dazu kommt einmal jährlich eine Kernspintomographie und ab 30 eine Mammographie.
Mein Horrorszenario sah so aus: Ich gehe am 15. eines Monats zur Untersuchung, sie finden nichts, und am 16. fängt etwas an zu wachsen. Bis zur nächsten Untersuchung vergeht ein halbes Jahr, und wenn sie dann etwas finden, muss alles sehr schnell gehen: Sofort-Operation, Chemo, Bestrahlung, das ganze Programm. Selbst mit einer engmaschigen Vorsorge habe ich mich nicht sicher gefühlt. Ich wusste, so ein Tumor ist aggressiv, er wächst schnell, und die Frauen leben nach der Diagnose oft nur noch wenige Jahre.
Ich habe eine Methode gewählt, bei dem ein Großteil meiner Brusthaut erhalten geblieben ist. Das ist für mich der wesentliche Unterschied zu dem, wie sonst oft gearbeitet wird. Bei einem Tumor wird immer noch - vor allem, wenn es schnell gehen muss - komplett geschnitten und zugenäht. Erst dann wird diese Haut aufgedehnt. Das sind natürlich andere Narben als bei mir. Darüber wollte ich informieren: Dass es andere, gute Möglichkeiten der plastischen Chirurgie gibt, die wichtig sind für das Selbstwertgefühl der betroffenen Frau.
Lesen Sie im zweiten Teil, wie der Eingriff verlaufen ist und wie sich Evelyn Heeg heute mit ihrem Körper fühlt.