. .
News am 28.05.2012
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
13. Februar 2009, 14:05 Uhr

Amputation als Krebsvorsorge

Evelyn Heeg ist keine 30 Jahre alt, als sie sich vorsorglich das Gewebe beider Brüste entfernen lässt - aus Angst vor Brustkrebs. Ihre Mutter, drei Tanten und ihre Oma waren daran gestorben. Mit stern.de sprach die Buchautorin über den in Deutschland kaum bekannten Eingriff, die Veränderungen, die er mit sich brachte, und ihre Weiblichkeit.

Brustkrebs, Mastektomie, Vorsorge, Krebsvorsorge, Evelyn Heeg, familiärer Brustkrebs, BRCA-1

Etwa fünf bis zehn Prozent aller Brust- und Eierstockkrebsfälle sind auf erbliche Faktoren zurückzuführen© Colourbox

Brustkrebs. Diese Diagnose ist ein Alptraum für jede Frau. Evelyn Heeg, eine junge Lehrerin aus Freiburg, war noch nicht erkrankt, als sie sich für eine beidseitige Mastektomie, die Amputation des Brustgewebes, entschied. Ein radikaler Schritt, den viele Freunde und Bekannte zunächst nicht verstehen konnten. Vier Jahre nach der Operation erscheint ihr Buch "Oben ohne. Die Entscheidung zu leben", in dem sie ihre Erfahrungen festgehalten hat. Sie wollte Frauen in vergleichbarer Situation Mut machen und zeigen, gleichzeitig über den familiären Brustkrebs und über die noch wenig bekannte Möglichkeit des Wiederaufbaus der Brust mit Hilfe der plastischen Chirurgie informieren.

Ist Ihnen die Entscheidung schwer gefallen?

Ich war 14, als meine Mutter starb. Den Leidensweg mit Operationen, Chemotherapie und allem, was dazu gehört, habe ich miterlebt, auch bei den Tanten. Vor dem Hintergrund fiel die Entscheidung nicht mehr so schwer. Außerdem wusste ich, dass mein Mann hinter mir steht.

Sie waren erst 28. Warum die Eile?

Dass es einen Gentest gibt, der eine Mutation bestimmter Gene nachweisen kann, wussten wir schon länger. Ich sagte mir immer: Damit beschäftige ich mich, wenn ich 30 bin. In dem Alter sind die anderen aus meiner Familie erkrankt, dann wird es brenzlig. Mein Mann hat dann ein wenig recherchiert und herausgefunden, dass so ein Test einige Zeit in Anspruch nehmen würde und ich einen lebenden, erkrankten Verwandten brauche. Ein Kriterium für diesen so genannten familiären Brustkrebs war, dass eine der Verwandten bei der Erkrankung jünger als 40 Jahre alt sein musste. Das war bei mir erfüllt. Damit ein familiäres Risiko vorlag, musste meine Oma es vererbt haben. Erst als sie positiv getestet wurde, lohnte es sich, auch in meinem Blut danach zu suchen. Zum Glück lebte meine Oma damals noch.

Der Test fiel auch bei Ihnen positiv aus. Was bedeutet das konkret?

Die Gene BRCA-1 und BRCA-2 trägt jeder Mensch in sich. Sie unterdrücken die Tumorbildung im Brustgewebe und in den Eierstöcken. Bei mir ist ein Defekt auf dem BRCA-1-Gen vorhanden. Damit lag mein Erkrankungsrisiko bei 80 Prozent.

Gab es eine Alternative zur Mastektomie?

Ich hätte mich auch für eine engmaschige Vorsorge entscheiden können. Zweimal im Jahr wird dann ein Ultraschall gemacht, dazu kommt einmal jährlich eine Kernspintomographie und ab 30 eine Mammographie.

Warum kam das für Sie nicht in Frage?

Mein Horrorszenario sah so aus: Ich gehe am 15. eines Monats zur Untersuchung, sie finden nichts, und am 16. fängt etwas an zu wachsen. Bis zur nächsten Untersuchung vergeht ein halbes Jahr, und wenn sie dann etwas finden, muss alles sehr schnell gehen: Sofort-Operation, Chemo, Bestrahlung, das ganze Programm. Selbst mit einer engmaschigen Vorsorge habe ich mich nicht sicher gefühlt. Ich wusste, so ein Tumor ist aggressiv, er wächst schnell, und die Frauen leben nach der Diagnose oft nur noch wenige Jahre.

War die Aussicht auf den Verlust Ihrer Brust nicht abschreckend?

Ich habe eine Methode gewählt, bei dem ein Großteil meiner Brusthaut erhalten geblieben ist. Das ist für mich der wesentliche Unterschied zu dem, wie sonst oft gearbeitet wird. Bei einem Tumor wird immer noch - vor allem, wenn es schnell gehen muss - komplett geschnitten und zugenäht. Erst dann wird diese Haut aufgedehnt. Das sind natürlich andere Narben als bei mir. Darüber wollte ich informieren: Dass es andere, gute Möglichkeiten der plastischen Chirurgie gibt, die wichtig sind für das Selbstwertgefühl der betroffenen Frau.

Lesen Sie im zweiten Teil, wie der Eingriff verlaufen ist und wie sich Evelyn Heeg heute mit ihrem Körper fühlt.

  zurück
1 2
 
 
KOMMENTARE (7 von 7)
 
manesse (13.02.2009, 20:19 Uhr)
Es ist gut nachvollziehbar,
wie Frau Heeg zu ihrer Entscheidung kam. Und es ist mutig, dass sie diesen Weg folgerichtig ging. Mein Respekt! Und alles Gute!
waldi22 (13.02.2009, 15:54 Uhr)
Nachtrag
Was ich zu erwähnen vergaß, die innere Freiheit und Frieden, die ihr die OP gegeben haben, können nach meiner Meinung durchaus eine Krebserkrankung verhindern, da die Psyche ein großer Modulator des Immunsystems ist. Insofern sehe ich die OP nicht nur kritisch, sie hängt vom Einzelfall ab. Ich bin aber sicher, dass die OP einer Frau, die danach nicht so im Reinen mit sich ist wie Frau Heeg, nur schadet und dann eben sogar Mitauslöser einer anderen Erkrankung sein kann.
Rostlaube (13.02.2009, 15:20 Uhr)
Träume nicht dein Leben sondern lebe deinen Traum
Das größte Risiko des Lebens ist der Tod und glücklicherweise kennen wir weder Ort noch Stunde. Ich sage das nicht einfach nur so. Ich hatte eine krebskrankes Kind. Statt ängstlich darauf zu warten, ob es micht"erwischt", sollte man meiner Meinung nach lieber jede Stunde genießen. Und sterben kann ich nicht nur an Krebs.
Trotzdem alles Gute an Frau Heeg
waldi22 (13.02.2009, 15:10 Uhr)
???
Ich wünsche ihr, dass es gut geht, bin aber nach fast 20 Jahren Praxis fest überzeugt, dass, wenn sie ein Krebspatient sein sollte, dieser durch die Amputation nicht verhindert wird sondern dann eben an anderer Stelle des Körpers auftritt. So simpel ist der menschliche Körper und die Natur nicht, auch wenn wir es gerne so hätten.
- Sagt jemand, der mal ganz fest auf dem Boden der Naturwissenschaft stand und bei den Grundlagenwissenschaften auch noch steht, der aber einsehen mußte, dass die naturwissenschaftliche Denkweise zu simpel für die belebte Natur ist.
tobix (13.02.2009, 14:44 Uhr)
@grossbuerger
Ob man an Ihre Theorie glaubt oder an die, an die Frau Heeg glaubt - das ist jedem selbst überlassen, oder?
.
Persönlich finde ich die von Frau Heeg einleuchtender.
Mme.Tortue (13.02.2009, 14:41 Uhr)
Hut ab, Frau Heeg!
Nicht nur fuer Ihre persoenliche Entscheidung, sondern ganz besonders dafuer, dass Sie darueber berichten und sich sicher so manchen Unsinn anhoeren oder lesen muessen! Ich wuensche Ihnen fuer die Zukunft alles Gute!
grossbuerger (13.02.2009, 14:19 Uhr)
Sind wir nicht alle Gläubige ?
Scheinbar ist es die einfachste Methode, sich um seine Gesundheit zu kümmern, einfach den Ärzten alles glauben und schön alles Schlucken !
Mit kohlenhydrat- und säurearmer Ernährung hätte kein Krebs der Welt eine Chance sich zu bilden/vermehren - manche scheinen sich lieber zu verstümmeln, als in der Lage zu sein, sich weitergehend auch bei anderen Quellen selbständig zu informieren ! Außerdem möchte ich gar nicht wissen, wieviel sogenante Tests falsche Werte liefern !?
MEHR ZUM ARTIKEL
Brustkrebs-Früherkennung Screening besser als gedacht

Seit drei Jahren läuft das bundesweite Brustkrebs- Früherkennungsprogramm für Frauen. Die veröffentlichten Ergebnisse künden von großen Erfolgen. Doch noch immer bestreiten einige Experten den Sinn des Screenings. Vielen Ärzten fällt es schwer, den Überblick zu behalten. mehr...

Krebserkrankung Christina Applegate verlor beide Brüste

Sie sei "absolut 100 Prozent" geheilt, verkündete Schauspielerin Christina Applegate nur zwei Wochen nach Bekanntwerden ihrer Brustkrebserkrankung in einer US-Talkshow. Der Preis, den sie für ihre Heilung zahlt, ist dennoch hoch. mehr...

Krebs Brust-Amputation aus Vorsorge

"BRCA 1/2": Mit diesem Kürzel verbinden viele Frauen eine schreckliche Prognose. So wird ein Gen genannt, an dem man die Veranlagung für Brustkrebs ablesen kann. Ist es mutiert, liegt die Wahrscheinlichkeit zu erkranken bei 80 Prozent. mehr...