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16. Oktober 2006, 15:13 Uhr

Impfung in der Schule gefordert

Ab 2007 ist in Deutschland ein Impfstoff gegen Gebärmutterhalskrebs verfügbar. Nun fordert ein Virologe, dass - ähnlich wie bei Röteln - alle Mädchen in der Schule gegen die Krankheit geimpft werden.

Die Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs soll nach Ansicht des Virologen Pfister ebenso Routine werden wie die gegen Masern© Rudi Blaha/AP

Alle Mädchen sollten nach Ansicht des Kölner Virologen Herbert Pfister in der Schule gegen Gebärmutterhalskrebs geimpft werden. "Eine Schulimpfung wäre der ideale Weg, um die ganze Bevölkerung zu erreichen", sagte Pfister, Leiter der Virologie der Universitätsklinik Köln. "Würden alle Frauen geimpft, würden deutlich weniger Frauen an Gebärmutterhalskrebs erkranken und sterben."

Ansteckung beim Sex

Bundesweit wird diese Tumorart nach Daten des Deutschen Krebsforschungszentrums jedes Jahr bei etwa 6500 Frauen neu festgestellt. Allein 2003 starben 1762 Frauen daran. Hauptursache ist ein Warzenvirus, das so genannte Humane Papillomvirus (HPV). Bis zu 13 verschiedene HPV-Typen können die bösartigen Tumore auslösen. Seit Mitte September ist in Europa ein weltweit erster Impfstoff gegen 2 dieser Virustypen zugelassen, die für 70 Prozent der Gebärmutterhalskrebs-Fälle verantwortlich sind. Laut Paul-Ehrlich-Institut wird das Mittel demnächst auch in Deutschland ausgeliefert.

"Mehr als zwei Drittel aller Frauen werden in ihrem Leben mindestens ein Mal mit einem oder mehreren Typen des Virus infiziert", sagte Pfister. Meist stecken sich Frauen beim Sex an. "Bei etwa 70 bis 80 Prozent verschwindet das Virus innerhalb eines Jahres wieder." Bei dem Rest der Frauen aber niste sich der Erreger ein, bei einem Teil von ihnen bildeten sich Vorstufen von Krebs. "Bei einer von hundert Frauen entwickelt sich daraus Gebärmutterhalskrebs", sagte Pfister.

Vor dem ersten Geschlechtsverkehr impfen

Die nun zugelassene Impfung schütze zuverlässig gegen anhaltende Infektionen mit den zwei wichtigsten Virustypen, sagte Pfister. Jedoch komme es darauf an, noch nicht infizierte Frauen zu impfen - also im Idealfall Mädchen vor dem ersten Geschlechtsverkehr. "Etwa mit 12 Jahren wäre optimal." Mädchen gingen in dieser Zeit aber nicht mehr zum Kinderarzt - und noch nicht regelmäßig zum Frauenarzt. "Deshalb bin ich für die Impfung in der Schule."

Die Impfung auf Risikogruppen zu beschränken, wie es andere Mediziner fordern, hält Pfister für falsch. "Bei einer Durchseuchung von zwei Drittel über das Leben gerechnet gibt es keine Risikogruppen." Zwar sei die Vorbeuge-Impfung momentan relativ teuer - es muss drei Mal geimpft werden, eine Gabe koste 155 Euro. Die Kosten der Krebsbehandlung lägen jedoch noch höher, sagte Pfister.

DPA
 
 
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