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18. September 2006, 19:15 Uhr

Arme Menschen sterben früher

Auch wenn Ulla Schmidt beklagt, ein Großteil der Deutschen sei übergewichtig, rauche zu viel und trinke zuviel Alkohol, steigt die allgemeine Lebenserwartung. Nur Menschen aus niedrigeren sozialen Schichten sind kränker und sterben früher.

Ulla Schmidt kritisiert: "Immer noch zu viele Menschen sind zu dick und bewegen sich zu wenig."© Martin Meissner/AP

Die Gesundheit der Deutschen hat sich bei steigender Lebenserwartung weiter verbessert. Wer arm ist und zu den schwächeren sozialen Schichten gehört, ist aber kränker und stirbt früher als der Durchschnitt der Bundesbürger. Dies sind Ergebnisse des nach 1998 zweiten Gesundheitsberichts für Deutschland, den Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt in Berlin mit den Worten vorstellte: "Immer noch zu viele Menschen rauchen, sind zu dick, bewegen sich zu wenig und trinken zu viel Alkohol."

Bei der Gesundheitsversorgung liegt Deutschland der Studie des Robert-Koch-Instituts zufolge im Vergleich mit den Nachbarländern im europäischen Durchschnitt oder darüber. Die Ausgaben pro Kopf der Bevölkerung machen elf Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus und werden damit nur von der Schweiz übertroffen. Sie seien dabei aber weniger stark gestiegen als anderswo. Die Versorgung mit Fach- und Zahnärzten beschreibt der Bericht - mit Ausnahme der ländlichen Regionen - als "sehr dicht".

Alterung ist größte Herausforderung

Erfreut zeigte sich die Ministerin über die Zahngesundheit von Schulkindern, die "so gut ist wie nie zuvor in Deutschland". Positiv vermerkte sie, dass es bei der Lebenserwartung in Ost und West keine großen Unterschiede mehr gibt. "Das Gesundheitsbewusstsein wächst", lautete ihre Bilanz. Defizite sieht sie vor allem in der Akzeptanz von Präventionsangeboten bei sozial Schwächeren. Deshalb sprach sie sich für eine "Stärkung der aufsuchenden Prävention" und bessere Armutsbekämpfung durch Abbau der Arbeitslosigkeit aus: Dies seien Voraussetzungen dafür, dass sich der Gesundheitszustand auch in den unteren sozialen Schichten hebt.

Zu den zentralen Ergebnissen der Studie gehört, dass sich die Lebenserwartung der Frauen seit 1990 um 2,8 auf 81,6 Jahre und bei Männern um 3,8 auf 76 Jahre erhöhte. Obwohl Herz-Kreislauf-Erkrankungen weiterhin zu den häufigsten Todessursachen zählen, ging ihr Anteil an der Gesamtsterblichkeit weiter zurück. Bei Krebserkrankungen registriert der Bericht rückläufige Todesraten und verbesserte Überlebensaussichten selbst bei bösartigen Tumoren.

Psychische Erkrankungen spielen bei Arbeitsunfähigkeit und Frührente eine immer größere Rolle. Infektionskrankheiten gewinnen erneut an Bedeutung, darunter auch gefährliche Krankheiten wie Tuberkulose oder Aids. Die Alterung der Bevölkerung gilt dem Bericht zufolge als größte Herausforderung für das Gesundheitssystem, weil Krankheiten wie Krebs, Diabetes, Osteoporose, Schlaganfall und Demenz mit steigendem Alter zunehmen.

Armut birgt Krankheitsrisiko

Bei den Risikofaktoren sind gegenläufige Trends zu verzeichnen: Die Deutschen ernähren sich durchschnittlich etwas gesünder als Ende der 1980er Jahre, mit mehr Obst und Gemüse, mehr ballaststoff- und kohlenhydratreicher Kost und mehr alkoholfreien Getränken. Allerdings stieg der Verbrauch von Fertigprodukten, Fast Food und Nahrungsergänzungsmitteln. Im Durchschnitt bewegen sich die Deutschen im Alltag zu wenig, obwohl ein Teil der Bevölkerung aktiver geworden ist.

Jeder dritte Erwachsene in Deutschland raucht. Bei Männern ist die Tendenz abnehmend, bei Frauen zunehmend. Zu viel Alkohol ist für jede sechste Frau und jeden dritten Mann ein Problem. Die Hälfte der Frauen und etwa zwei Drittel der Männer haben Übergewicht. Damit zusammen hängen Risikofaktoren wie Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen.

Nach wie vor birgt Armut ein erhebliches Krankheitsrisiko: Bei den 13,5 Prozent der Bevölkerung mit erhöhtem Armutsrisiko sind Leiden wie Schlaganfall, chronische Bronchitis, Schwindel, Rückenschmerzen und Depressionen häufiger als in der oberen Schicht.

DPA/AP
 
 
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